Hilfe und Dankbarkeit
Hilfe! Nein, ich brauche keine… zumindest gerade nicht. Aber “Hilfe” soll heute mal das Thema sein. Und ich rede dabei nicht von der Hilfe, wie sie in einer Familie oder unter Freunden selbstverständlich sein sollte. Wo man sich in vielerlei Lebensbereichen hilft und auch in der Not beisteht sowie gegenseitig unterstützt. Auch von der Hilfe unter Arbeitskollegen spreche ich nicht, wo man den Kollegen vielleicht mal ein wenig unterstützt und im Gegenzug unterstützt wird, wenn man selbst beispielsweise mal knapp mit der Zeit ist.
Nein, diesmal soll es um die ganz kleinen Hilfen und Gefälligkeiten gehen. Die kleinen Aufmerksamkeiten, die man auch Fremden gegenüber machen kann. Gefragt oder -noch besser- ungefragt. Einfach so, ohne eine wirkliche Gegenleistung zu erwarten. Und da wären wir schon Mitten im Thema. Geht das überhaupt?
Nehmen wir zum Beispiel die wirklich ganz kleinen Freundlichkeiten, wie jemandem die Tür aufzuhalten. Eigentlich kein großes Ding. Wenn man sich aber mal aufmerksam und mit Bedacht in ein Kaufhaus stellt und den Eingangsbereich beobachtet, wird man schnell feststellen, dass selbst solche Kleinigkeiten heutzutage nicht unbedingt von jedem Menschen praktiziert werden. Die lassen die Tür einfach zufallen, völlig egal, ob da eine Frau mit Kinderwagen daherkommt oder eine ältere Person mit Gehhilfe einem folgt. Da lässt man die Tür zufallen und geht seinen Weg – sollen die anderen doch sehen, wie sie klarkommen. Ob das nun an mangelnder Aufmerksamkeit, zu großer Hektik oder mangelndem Sozialverhalten liegt, lasse ich mal dahingestellt, da es für uns in der Folge nicht von Interesse sein muss.
Dann gibt es auch noch diejenigen, die die Tür alibi-mäßig offenhalten. Die schauen nicht, ob jemand da steht, dem man durch das Aufhalten helfen kann, sondern halten die Tür einen kleinen Augenblick länger als nötig offen und sind so ihrer “Pflicht” nachgekommen. Dass das meist überhaupt nicht hilft, wird dabei schlichtweg ausgeblendet.
Nur die wenigsten halten eine Tür ganz bewusst auf, um damit jemandem zu helfen. Noch interessanter ist das teilweise in Bussen zu beobachten. Voll besetzt hält der Bus an der Haltestelle, an der jemand mit Kinderwagen einsteigen will. Da sich der Bus nicht stark genug absenken kann, klappt es mit dem Einstieg nicht so leicht. Nun müsste einfach nur jemand kurz mit anpacken und schon wäre das Problem gelöst.
Aber im Bus kann man plötzlich Menschen beobachten, die angestrengt irgendwelche uninteressanten Punkte in der Ferne anvisieren und die hilfsbedürftige Person am Buseinstieg “gar nicht sehen”. Wobei es inzwischen auch genügend Leute gibt, die sich diese Mühe gar nicht mehr machen, da es ihnen nicht mal mehr peinlich ist, die hilfsbedürftige Person unverhohlen anzusehen, ohne ihr zu helfen.
Warum eigentlich nicht? Das frage ich mich immer wieder. Als ich neulich durch die Stadt fuhr, kam ich an eine Kreuzung, in der ein Bus verzweifelt versuchte, links auf “meine” Straße abzubiegen, doch kein Fahrzeug ließ ihn einfahren. Ich hielt kurz an, deutete mit einer Handbewegung, dass der Busfahrer fahren könne und er fuhr. Für mich keine große Sache, aber ihm war dadurch sehr geholfen.
Nun bin ich wahrlich kein Heiliger. Und so gebe ich auch frei heraus zu, dass ich solche Dinge nicht umsonst mache. Natürlich bekomme ich kein Geld dafür, würde ich auch gar nicht wollen. Auch sonst nichts materielles. Dafür ist die Hilfestellung auch viel zu klein und unbedeutend. Aber man bekommt Dankbarkeit zurück! Man sieht es immer wieder in den Gesichtern derjenigen, denen man hilft. Plötzlich strahlte der Busfahrer einen kurzen Augenblick, bevor er sich wieder auf den Verkehr konzentrierte. Auch die Mutter mit dem Kinderwagen am Bus, die gerade noch ganz ernst schaute, blickt plötzlich mit einem dankbaren Lächeln auf. Der Gesichtsausdruck der in Gedanken verlorenen Oma, der man die Tür aufhält, hellt kurz auf. Es sind nur kurze Augenblicke, aber sie zeigen neben der Überraschung der Personen auch immer eine ehrlich empfundene Dankbarkeit.
Und diese Dankbarkeit tut verdammt gut! Ich kann mir nichts dafür kaufen, werde dadurch nicht satter. Aber ich fühle mich besser. Es wird einem kurz warm ums Herz und man erhält einen positiven Schub. Ein ziemlich gutes Gefühl, für das man nicht einmal viel investieren muss. In meinen Augen ein mehr als guter Deal.
Geht das nur mir so? Oder kennt ihr das auch, dass man sich selbst besser fühlt, wenn man anderen Menschen -in welcher Art auch immer- geholfen hat? Welche Situationen sind euch schon passiert, in denen ihr euch gefragt habt, warum jetzt keiner hilft?
Foto: Gerd Altmann / pixelio.de
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bisherige Kommentare: 22
Ich kann dir voll und ganz nachempfinden. Mir geht es in vielen Momenten genau so, dass ich den Egotrip der Menschen nich nachvollziehen kann. Gerade in der Großstadt ist es am schlimmsten. Da läßt keiner der anderen auf die Straße, oder das Besipiel Einkaufshalle. Die Leute lassen ihren Korb mitten im Raum stehen ohne darüber nachzudenken, dass vielleicht noch jemand durch möchte. Es ist sicher weniger die Hilfsbereitschaft die du angesprochen hast, aber ganz viel Rücksichtslösigkeit!!!
bisherige Kommentare: 1
Freue mich, dass anderen Menschen so was merken.
Ja, in der Großstadt ist vielleicht besonders schlimm, wobei es gibt Metropolen, wo die Leute mehr Rücksicht haben.
Woran liegt das?
Ist das “merken” und sich um anderen zu kummern eine Art “Störung”?
Manchmal habe ich den Eindrück, dass der Unterschied zwieschen “sehen” und “anschauen” nicht so gut gelernt wurde…
bisherige Kommentare: 110
In der Stadt gibt´s keine Hilfe. Da geht´s ums nackte Überleben
bisherige Kommentare: 208
Also ich kenn das so extrem jetzt nicht. Vielleicht liegt es tatsächlich daran das ich in einer eher ländlichen Gegend wohne. Die kleinen Hilfsbereitschaften sehe und erlebe ich hier eigentlich jeden Tag. Aber auch ich kann mir gut vorstellen das es in Großstädten sehr anonym zugeht. So wie die Menschen die miteinder seit Jahren in einem Haus wohnen aber noch nichtmal den Namen kennen oder sich je mal guten Tag gesagt haben usw.. So könnte ich nie leben.
Beim Straßeverkehr muss ich sagen, das die Fahrweise allgemein etwas rauher geworden ist in den letzten Jahren. Darunter hat vor allem die Umsicht gelitten.
Mir kommt das so vor als ob manche Menschen schlicht und ergreifend ihre Umwelt nicht mehr bewusst wahrnehmen und Gedanklich ganz woanders sind.
bisherige Kommentare: 22
@mari : ich denke das es das anonyme ist was in Großstädten vorrangig ist. ich bin persönlich auch in einer kleinen Stadt aufgewachsen und habe sowas nie bemerken müssen…in einer großen Stadt ist das Leben ganz einfach ganz anders.
bisherige Kommentare: 5
Man ist in einer größeren Stadt nur einer unter vielen und man bleibt immer in der seligen Anonymität der Masse. Wenn man sich dessen erstmal richtig bewusst ist lebt es sich gleich wesentlich leichter
PS. Stimmt die Mailaddy aus Deinem Impressum eigtl. noch? Ich meine, ich hätte Dich schonmal versucht anzuschreiben und es hatte nicht geklappt, aber ganz sicher bin ich mir da nicht…
bisherige Kommentare: 3137
@Martin
Stimmt, in Städten könnte die Problematik natürlich aufgrund der größeren Anonymität noch eklatanter zutage treten als in ländlich geprägten Orten.
@mari
Ich frag mich dann ja immer, wann genau es angefangen hat, dass man sich in Städten anders verhält… und warum diese Entwicklung den meisten egal war. Scheinbar hat die Bequemlichkeit der Anonymität wohl doch ihre Vorteile, die man ebenfalls genießen kann.
@vanilleblau
Dann müsste ich als Städter ja ein ganz harter Hund sein
@Dragonlover
Das kommt dir ganz richtig vor. Die steigende Hektik in der Gesellschaft trägt sicherlich ihren Teil dazu bei. Davon kann ich mich selbst nicht komplett freisprechen. Sich Zeit für sich selbst nehmen ist heute ja schon fast Luxus und so unselbstverständlich, dass oft in Ratgebern zu mehr Lebensqualität darauf hingewiesen werden muss.
@Zeilengeist
Von dir war jedoch noch nix dabei – oder der Spamfilter war übereifrig, was ich mir aber kaum vorstellen kann.
Ja, die Mail-Adresse ist immer noch aktuell und funktioniert… kommen auch definitiv genug Mails dort an
bisherige Kommentare: 106
In unserer immer egoistischeren Gesellschaft kann man auch immer weniger Hilfe/Dankbarkeit erwarten. Schade eigentlich.
bisherige Kommentare: 130
Ich helfe eigentlich immer wenn ich kann. Ehrlich gesagt hat das aber auch auf gewisse Art egoistische Gründe.
Denn wenn ich es nicht tue, ärgere ich mich danach über mich selbst.
Gruß
Fulano
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@Nila
Aber wenn niemand den Anfang macht, kann sich ja auch nie was an der Situation ändern.
@Fulano
Interessant wäre ja mal, woher dieses Gefühl denn kommt? Hat sich das durch dich so entwickelt, ist das anerzogener Charakter oder vielleicht doch “Instinkt”?
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Schöne Beispiele dafür, wie man den trüben (Stadt-)Alltag aufhellen kann indem man quasi gar nichts tut. Kann das voll und ganz bestätigen, was du da schreibst.
Übrigens finde ich es ziemlich egal, ob man das aus egoistischen Gründen tut. Solange man es bewusst tut und nicht wie beschrieben alibimäßig, tut man damit Gutes.
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@Konzertheld
Willkommen hier auf meinem Blog. Richtig, wichtig ist nicht, aus welchen Gründen man etwas Gutes tut, sondern nur, DASS es getan wird… dadurch wird die Tat an sich ja nicht besser oder schlechter
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Danke
Bin durch Konna hier gelandet und werd nun wohl ab und zu vorbei schauen.
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@Konzertheld
Gerne, neue Leser sind hier immer gern gesehen… erst recht, wenn es so fleißige Kommentatoren sind wie du
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Ich arbeite in der Stadt, wohne aber eher in einer ländlichen Gegend. Die Unterschiede, die ich jeden Tag erlebe, sind schon teilweise extrem. Ich bevorzuge die ländlichen Gegend.
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[...] man hat, wenn man beim Sport an seine Grenzen gegangen ist. Glück kann auch einfach sein, wenn man jemand anderem geholfen hat… einfach so. Oder bei einem Spaziergang den Sonnenuntergang zu genießen. Oder den Schrank [...]