Schlaglöcher – wer haftet für Schäden am Auto? Und wie könnte man Schlaglöcher beseitigen?
Wenn man hier einen Blick auf die deutschen Straßen wirft, können einem die Tränen kommen. Schlaglöcher soweit das Auge reicht. Die Ursache ist klar und für die kann man wohl auch kaum jemanden verantwortlich machen: im Winter sickert das Tauwasser in den Asphalt ein, wird dort jedoch durch die niedrigen Temperaturen wieder zum gefrieren gebracht, dehnt sich dadurch aus und “sprengt” sozusagen den Asphalt auf den Straßen auf. Solange wir keine beheizten Straßen erfinden, was aufgrund des Energieverbrauchs kaum rentabel sein dürfte, lässt sich dieser Vorgang kaum wirksam verhindern.
Während allerdings früher solche Schäden zeitnah beseitigt wurden, indem die Straßen mehr oder weniger gründlich neu geteert wurden, sieht die Situation in Zeiten leerer Stadtkassen übel aus. Manche Straßen gleichen Kraterlandschaften und die Schlaglöcher machen solche Straßen -zu denen durchaus auch Hauptverkehrsstraßen gehören können- zu wahren Stoßdämpfer-Teststrecken.
Erst vor kurzem ist eine 50-jährige Frau in Mönchengladbach mit ihrem Fahrrad in ein solches Schlagloch geraten. Viele hätten vielleicht erst einmal darüber nachgedacht, ob man die Stadt dafür nicht verklagen könnte. Nicht jedoch diese Frau. Sie rief stattdessen bei der Stadt an und bot von sich aus an, einen Geldbetrag zu zahlen, um ein Schlagloch in der Stadt schließen zu lassen. Und was war die Reaktion der Stadtverwaltung?
“Patenschaft” für Schlaglöcher
Die lehnte das Angebot der Dame ohne weitere Prüfung sofort kategorisch ab. Dabei wäre die Idee noch nicht einmal neu gewesen, sondern wurde laut Rheinischer Post in Niederzimmern (Thüringen) bereits recht erfolgreich durchgeführt. Dort konnten Anwohner für 50 Euro ein Schlagloch bzw. dessen Reparatur ersteigern und bekamen eine Plakette. Rund 300 Schlaglöcher sollen dort auf diese Weise geschlossen worden sein.
Haftet die Stadt für Schäden durch Schlaglöcher?
Stattdessen werden die Fahrbahnränder weiterhin mit Warnschildern gepflastert, welche auf Straßenschäden hinweisen oder dazu auffordern, die Geschwindigkeit auf 30 km/h anzupassen. Damit sind die Städte nämlich bezüglich der Haftung aus dem Schneider. Grundsätzlich sind sie nämlich für Schäden, die durch Schlaglöcher entstehen haftbar, wenn sie den Verkehrssicherungspflichten nicht nachkommen. Diese Verkehrssicherungspflichten werden aber bereits dadurch gewahrt, dass entsprechende Warnschilder aufgestellt werden. Das kommt die Städte selbstverständlich wesentlich billiger als entsprechende Ausbesserungsarbeiten, die in so großer Zahl nötig wären, dass dafür die Geldmittel vorne und hinten nicht reichen.
Übrigens: selbst wenn keine solchen Warnschilder aufgestellt sind, ist es möglich, dass man auf einem Schaden mit dem Auto sitzenbleibt. Denn unter anderem muss auch der Fahrer des Fahrzeugs seine Geschwindigkeit und sein Fahrverhalten immer der Situation anpassen. Wer also über eine stark “verkraterte” Schlaglochpiste fährt, wird sich vor Gericht fragen lassen müssen, warum er nicht langsamer gefahren ist, wenn doch abzusehen war, dass die Straße in schlechtem Zustand war. Da sind die Erfolgsaussichten höher, wenn es einen auf einer ansonsten schlaglochfreien Fahrbahn erwischt, da man dann nicht unbedingt mit einem einzelnen Schlagloch rechnen musste – es sei denn, dieses war so groß, dass es nicht zu übersehen war.
Spannend ist auch stets die Fahrt durch Pfützen. Befindet sich darunter ein Schlagloch, vielleicht sogar ein großes, hat man wieder ein Problem. Nach geltender Rechtsprechung darf man nämlich nicht arglos durch solche Pfützen fahren, sondern muss sich bewusst sein, dass darunter Schlaglöcher -mitunter Exemplare mit enormer Größe- befinden könnten und das Fahrverhalten entsprechend anpassen.
Kein Interesse an funktionstüchtigen Straßen?
Man sieht also, dass die Stadt nur in seltensten Fällen für Schäden am Auto haftbar gemacht werden kann, welche infolge von Schlaglöchern verursacht wurden. Dennoch ist es verwunderlich, dass im hier aufgezeigten Beispiel die Stadt Mönchengladbach auf das Angebot der 50jährigen Dame weder einging, noch irgendeine Prüfung des Angebots vornahm oder ihr wenigstens den Grund der Ablehnung nannte, sondern sie einfach am Telefon “abwürgte”.
Es mag ja durchaus trauriger Alltag geworden sein, dass manche Institutionen kein allzu gesteigertes Interesse mehr an zufriedenen Bürgern haben, aber zumindest an schlaglochfreien Straßen sollte doch jede Stadt im Hinblick auf Wirtschaft, Wettbewerb und Infrastruktur interessiert sein. In dem Zusammenhang die wenigen Bürger, die nicht nur meckern, sondern aktiv in Eigeninitiative etwas an der Situation verbessern wollen, vor den Kopf zu stoßen, statt sie als Aushängeschild zu präsentieren und mögliche Nachahmer zu ähnlichen Spenden zu motivieren, darf wohl schon mit einiger Verwunderung zur Kenntnis genommen werden.
Wie ist denn die Situation auf euren Straßen? Ist weitgehend freie Fahrt möglich? Oder gibt es auch bei euch solche “Problem-Straßen”, bei denen die Stoßdämpfer der Autos und die Nerven der Fahrer auf eine harte Probe gestellt werden? Und wie findet ihr grundsätzlich die Idee, eine Art “Patenschaft” für ein Schlagloch übernehmen zu können?
***Update vom 21.01.2011: Ob da wohl Entscheidungsträger der Stadt auf meinem Blog mitlesen? Jedenfalls kam heute im Verlauf des Tages im Radio die Nachricht, dass ab sofort auch in Mönchengladbach “Patenschaften” für Schlaglöcher übernommen werden können.***
Bild: Thorben Wengert / pixelio.de
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Das Problem ist, dass Schlaglöcher alle paar Monate einfach geflickt werden, anstatt einmal der Straße komplett eine neuen Belag zu geben. Das ist auf längere zeit nicht nur sinnvoller sondern auch billiger. Diese Flicken sind natürlich schnell wieder raus gesprengt.
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Also hier in Braunschweig machen sie gerade die Löcher auf der Autobahn zu. Das sind wohl die wichtigsten. Solange der Winter noch nicht ganz vorbei ist macht es eh kein Sinn. Was halt immer schlecht ist, ist das provisorische Flicken. Einen Winter später ist gleich alles wieder kaputt und durch die Menge der Löcher wird oft auch nicht sorgfältig und ebenerdig gearbeitet. Am Ende fährt man über Hügellandschaften.
Diverse Nebenstraßen, die kaum oder nur von Anwohnern befahren werden müssen bestimmt noch bis Ende des Sommers auf Ausbesserung warten. So war es hier letztes Jahr. Bei der Patenschaft weiss ich auch nicht was ich davon halten soll. Man hat doch nichts davon. So eine Plakette kann man sich dann sonstwohin schmieren. Hat man ja überhaupt nichts von.
Das mit den Löchern in Pfützen war hier vor einer Woche auch so ein Thema. Da sind doch Nachts glatt fünf Autos fast nacheinander in ein riesen Schlagloch gefahren welches von einer Pfütze abgedeckt war und mussten abgeschleppt werden.
http://www.presseportal.de/polizeipresse/pm/11554/1744857/polizei_braunschweig/rss
Laut Zeitung wird die Stadt die Schäden wohl bezahlen müssen.
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Was ja oft schon vergessen ist. Wir zahlen schließlich Steuern, damit so etwas erledigt wird. Dann noch Patenschaften anzubieten, finde ich unverschämt. Aber wer pleite ist greift eben oft zu verzweifelten Maßnahmen.
Gruß
Fulano
P.S. Kann es sein, dass Dein Pagerank gestiegen ist?
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“Solange wir keine beheizten Straßen erfinden”
Und auch hier naht vielleicht – in nicht allzu ferner Zukunft – Rettung. Vor einigen Tagen habe ich irgendeinen Bericht gesehen, in dem jemand gezeigt wurde der beheizbare Brücken erfunden hat. Da wird einfach eine Fußbodenheizung eingebaut. Und da das Ganze mit Erdwärme geheitzt wird, halten sich die Kosten (kleines Pümpchen, dass Strom braucht; vielleicht sollte man da noch über Solarzellen nachdenken) in Grenzen. Dabei ging es um das Vermeiden von Fahrbahnvereisung. Aber wer sagt, dass es nicht auch bei sowas nützen würde
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@Fulano
Nur reichen die Steuereinnahmen ja scheinbar hinten und vorne nicht… leider. Und da muss ich die Kommunen dann sogar mal ein wenig in Schutz nehmen, denn es ist nicht so, dass die selbst ständig nur Geld verschwenden (auch wenn das natürlich immer noch viel zu oft vorkommt), sondern sie bekommen gleichzeitig ja auch vom Bund immer mehr Aufgaben und Kosten aufgebürdet.
Und ja, der PR hat sich scheinbar tatsächlich von 3 auf 4 verbessert. Als ich heute morgen einen Artikel darüber las, hab ich mal auf einer Seite eine entsprechende Abfrage gestartet, da ich selbst keine GoogleToolbar nutze.
@Christian
Andererseits könnte man den Strom der Solarzellen im Sommer ins öffentliche Netz einspeisen und dann im Winter Strom aus dem Netz verbrauchen, so dass sich “Förderung” und Verbrauch über das gesamte Jahr betrachtet dann vielleicht die Waage halten könnten.
Ob die Solarzellen im Winter, wenn der Strom ja vornehmlich gebraucht wird, bei der eher geringen und kurzen Sonneneinstrahlung aber was bringen, lass ich mal dahingestellt
Aber was du so für Sachen liest / guckst, ist immer wieder interessant
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@Sascha
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Da könnte man glatt einen Blog mit füllen
Aber es ist ja auch im Winter hell, und die Pumpen brauchen eigentlich nicht viel Strom. Man darf sich das nicht so vorstellen, dass das Wasser da durch die Leitungen schiesst, es muss nur ganz langsam durchlaufen. Sind auch nur kleine Pumpen. Aber die Idee mit dem Akku bzw. der “Stromumverteilung” ist auch gut
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So manches Schlagloch bei uns richtet auch Schäden an, wenn man es mit nur 20 km/h erwischt. Denn bei Nacht und der jeweiligen Anordnung der Krater hast Du manchmal echt nur drei Möglichkeiten – von denen keine genial ist:
a) Ausweichen und in den Gegenverkehr knallen.
b) Vollbremsung und einen Auffahrunfall provozieren.
c) Schlagloch mitnehmen und hoffen dass es gut geht.
Den Beweis zu erbringen, dass genau dieses Schlagloch einen Schaden verursacht hat und die Stadt zahlen müsste ist sowieso schier unmöglich. Das Flickwerk scheint mir über das ganze Jahr gesehen und von Winter zu Winter immer schlimmer.
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@Christian
Ach, dann ist das so eine Abwandlung des momentan so beliebten Kälte-Wärme-Pumpen-Systems?
@Thomas
Besonders schön ist das hier bei uns auf so manchen Nebenstraßen, wo rechts und links nur dicke Bäume stehen. Wenn du da abends -oder früh morgens- im Dunkeln langfährst, und sei es noch so langsam, machst du gleichzeitig Krafttraining für die Arme, damit es dir das Lenkrad nicht in die Bäume verreißt :/
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Gute Straßenzustände sind nicht so wichtig – Hauptsache unsere Volksvertreter bekommen alle ein iPad for free
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Also ich sehe garnicht ein, daß ich die Patenschaft für Schlaglöcher übernehmen sollte…
Schließlich ist das Aufgabe der Kommunen bzw. der Länder und des Bundes.
Und es geht nicht, daß Geld eingenommen wird, was eigentlich für den Straßenbau und die Instandhaltung gedacht ist und das anderweitig verpulvert wird, weil unsere Politiker nicht haushalten können.
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@Thomas
Aber mal ernsthaft: neben Bildung und Gesundheit halte ich Mobilität heutzutage für einen der entscheidenden Faktoren. Das steht dann natürlich im krassen Widerspruch zum Zustand der Straßen, auf denen wir so “mobil” sind.
Gegen die gratis iPads darf ich ja jetzt nix sagen, hab ja Ende letzten Jahres selbst eines abgestaubt
@Gucky
Mal sehen, in welchem Bereich demnächst wieder Steuern erhöht werden, um die Straßen halbwegs auf Kurs zu halten. Nachdem die Zigaretten ja schon zur Finanzierung des Kampfes gegen den Terror herhalten mussten, erwischt es vielleicht diesmal den Alkohol… denn die Einnahmen aus Kfz-Steuern werden ja wieder woanders gebraucht, um Lücken zu stopfen – verkehrte Welt.
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Wollte gerade schon sagen…
Ich habe doch schon mit der Zahlung meiner Steuern die Patenschaft über einige Schlaglöcher übernommen.
Die Ideen werden immer absurder.
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@Applejünger
Wie im Update gesagt, hier ist inzwischen das Projekt mit diesen Patenschaften doch noch angelaufen. Ich bin mal sehr gespannt, wie letztlich die Beteiligung sein wird. Stutzen musste ich, als ich heute hörte, dass die Spenden nun erst einmal gesammelt werden, um die Schlaglöcher dann im Mai(!) zu schließen. Sind ja nur noch mehrere Monate bis dahin -.-
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