Stadtbummel zur Weihnachtszeit, die etwas andere Christmas-Story

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WeihnachtsmarktSo, auf geht’s in den Weihnachts-Endspurt! Jeder, der noch nicht alle „benötigten“ Geschenke eingekauft hat, hat nun noch diese Woche Zeit, sich ins Getümmel zu stürzen. Ich selbst hatte ja bereits soweit alle Geschenke parat und nutze -wo immer möglich- den Onlinehandel, da dies weitaus weniger Stress bedeutet. So handhabe ich das schon seit Jahren.

Allerdings war meine bessere Hälfte dieses Jahr diesbezüglich weniger gut vorbereitet, so dass ich am Wochenende in den zweifelhaften Genuss kam, das „Weihnachtsgeschenke-Einkaufs-Feeling“ am letzten Wochenende vor Heilig Abend nach langer Zeit mal wieder am eigenen Leib zu erfahren. Und was soll ich sagen? Es ist alles noch viel schlimmer, als ich es in Erinnerung hatte! Früher waren die Leute einfach nur „Geier“, die sich auf potentielle Geschenke stürzten. Heute haben die Geier anscheinend zusätzlich noch ihre Gehirne daheim vergessen.

Doch gehen wir einfach mal der Reihe nach vor, um die Geschehnisse dieser Krise zusammenzufassen:

Es beginnt ja schon mit dem Weg in die Stadt. Es hat geschneit. Unglaublich! Und das im Winter. Konnte ja niemand mit rechnen. Ist auch total ungewohnt, schließlich gab es den letzten großen Schnee ja erst – Anfang des Jahres!! Scheinbar sind auf den Straßen aber nur Führerscheinneulinge unterwegs, die Anfang des Jahres noch keinen Führerschein hatten und zum ersten mal auf Schnee fahren. Wobei „auf Schnee“ die falsche Formulierung ist. Zwar hat es geschneit, aber der Schnee wurde von den Räumdiensten brav an den Fahrbahnrand geräumt, so dass die Straßen frei sind. Ok, das Streusalz soll wohl langsam mal wieder knapp werden, aber das ist ja nix Neues. Konnte ja keiner damit rechnen, dass es im Dezember plötzlich anfängt zu schneien. Und ein Vorrat an Streugut ist auch schwer anzulegen, schließlich ist das wahrscheinlich leicht verderbliche Ware.

Naja, jedenfalls schlichen wir dann mit 25 km/h auf freigeräumten Straßen der Stadt entgegen. Zur Klarstellung: ich habe wirklich nichts gegen eine angepasste Fahrweise bei widriger Witterung, aber die Fahrgeschwindigkeit zu halbieren, obwohl keine Behinderung vorliegt und die Straßen nicht merklich glatt waren, ist auch nicht so toll.

Irgendwann kamen wir dann in der Innenstadt an. Das merkt man vor allem daran, dass die Leute einem lustig auf die Straße vor das Auto springen, weil das Überqueren der nur wenige Meter weiter entfernten Fußgängerampel ja einen enormen Zeitverlust darstellen würde – ehe man sich versieht, ist sonst plötzlich schon Weihnachten.

Dennoch gelang es uns, das Parkhaus ohne Verletzte zu erreichen. Fröhlich grinste uns das Parkhausschild mit einem wenig einladenden, roten „BESETZT“ an. Die Anzeige hatte scheinbar auch der Typ im Kombi vor uns gelesen, was ihn dazu veranlasst hatte, spontan halb auf der Straße, halb in der Zufahrt zum Parkhaus stehenzubleiben. Wahrscheinlich wollte er sich die Option offen halten, wieder wegfahren zu können, falls das Parkhaus nicht bald wieder „FREI“ werden würde. Blöd nur, dass da gut sichtbar mehrere Autos im Parkhaus ihre Plätze verließen und aus dem Parkhaus gefahren kamen – es waren also Plätze frei. Was machte der Kombi-Fahrer? Richtig! Er guckt auf das Schild, dort steht weiterhin „BESETZT“, also blieb er stoisch an seinem Platz und rührte sich keinen Zentimeter. Da brachten auch mehr oder weniger freundliche akustische Aufforderungen mit der Hupe nichts… außer einem verständnislosen Kopfschütteln.

Irgendwann nutzte ich dann eine günstige Gelegenheit, in der keine Fußgänger den Gehweg benutzten, um auf den Gehweg hinauf und am Kombi vorbei in das Parkhaus zu fahren. Drinnen gab es dann -Wunder, oh Wunder- tatsächlich die von außen bereits sichtbaren, freien Plätze. Als wir auf einer der oberen Etagen ausstiegen, guckte ich noch mal kurz hinunter – und Mr. Kombi stand tatsächlich immer noch vor dem Parkhaus, schließlich war es ja laut Schild „BESETZT“.

Danach folgten dann die eigentlichen Einkäufe. Zumindest da lief es noch genau so, wie ich das von früher kannte. Menschenmassen ziehen mehr oder weniger ziel- und planlos durch die Geschäfte und stürzen sich wie Heuschrecken auf alles, was auch nur irgendwie als Geschenk taugen könnte. Dort, wo die Menschenmassen waren, hinterlassen sie nur Chaos und Zerstörung. Was mir jedoch positiv aufgefallen ist: entgegen den immer wieder zu hörenden Problemen beim Thema Integration konnte ich keine solchen Probleme im Bezug auf die deutschen Weihnachts-Einkaufs-Bräuche feststellen – egal welche Hautfarbe, Sprache oder gar Religion, das Stürzen auf potentielle Geschenke bekamen alle prima hin. Es stört auch niemanden mehr, dass die Produkte plötzlich teurer sind als im übrigen Verlauf des Jahres. Wo sonst gemeckert und gefeilscht wird, wird jetzt nur noch eins: zugegriffen!

Irgendwann hatten wir dann auch „unsere“ Einkäufe erledigt. Warum das unsere waren, obwohl meine doch schon längst bestellt und daheim gelagert wurden, kann wohl nur die weibliche Logik erklären. Mit denen machten wir uns dann auf den Heimweg. Vorher galt es natürlich noch, an den Parkautomaten zu gehen. Natürlich stand ausgerechnet an dem Automaten auf unserer Etage jemand dran. Zwei Frauen, irgendwo jenseits der 50. Die hatten nur Münzen dabei, die der Automat nicht wollte. Jedenfalls nicht im ersten Anlauf. Vielleicht hatte er auch einfach keinen Bock auf das ganze Kleingeld und wäre wenigen „großen“ Münzen gegenüber aufgeschlossener gewesen. Jedenfalls zickte er später bei mir nicht herum. Aber ich war ja noch nicht an der Reihe. Stattdessen durfte ich mir ansehen, wie der Automat im dritten Anlauf seinen Widerstand aufgab und das Kleingeld „schluckte“.

Wer jetzt denkt, dass damit die Sache erledigt gewesen wäre, der irrt jedoch. Denn die Damen wollten jetzt eine Quittung vom Automaten haben. Warum auch immer. Vielleicht bekommen sie es vom Ehemann beim Haushaltsgeld ersetzt? Schön, wenn man so unabhängig sein kann. Oder kann man Parkaufenthalte bei Weihnachtseinkäufen vielleicht gegen Quittung inzwischen wegen unverhältnismäßiger Härte von der Steuer absetzen? Ich weiß es nicht. Absetzen konnten sich dann aber endlich die Damen. Wobei noch mal knappe 30 Sekunden vergingen, bis der Automat tatsächlich frei war, da die Damen ihre gefühlten 50 Einkaufstüten ja erst alle einzeln wieder greifen mussten und dabei so ihre Schwierigkeiten hatten.

Beim Weggehen fiel der einen Frau dann ein, dass sie ja gar nicht hier oben geparkt hatten, sondern ganz unten im Keller. Also nahmen sie geschwind die Füße in die Hand und rannten durch das Treppenhaus nach unten. Ich musste kurz grinsen. Aber wirklich nur kurz. Bis zu dem Moment, wo ich am Automaten sah, dass gerade wieder eine volle Stunde begonnen hatte, die ich nun zahlen durfte, weil die Grazien vor mir, die eigentlich am Automaten auf der völlig falschen Etage standen, ja ihre Spielchen mit dem Kleingeld zelebrieren mussten.

Das Schild am Parkhaus zeigte beim Verlassen übrigens immer noch „BESETZT“ an. War vielleicht die Technik bei den Temperaturen ausgefallen? Der Kombi stand aber nicht mehr vor dem Parkhaus. Ansonsten hätte ich auch wirklich starke Zweifel an der Zurechenfähigkeit des Kombi-Fahrers gehabt. Wobei ich mir sicher bin, dass -wenn ich nachgesehen hätte- er sicherlich nicht IM Parkhaus stand, sondern woanders hingefahren ist.

Auf dem Rückweg schafften wir sogar Geschwindigkeiten von 35 km/h, immerhin eine Verbesserung von 10 km/h. Daraus folgere ich, dass der Mensch lernfähig ist. So wie auch der Kombi-Fahrer. Zwar ist das alles immer noch ausbaufähig, aber die Richtung stimmt immerhin. Und man glaubt ja an das Gute im Menschen. Vor allem jetzt zur Weihnachtszeit.

Wie sind eure Weihnachtserlebnisse? Habt ihr alle Geschenke beisammen? Oder müsst ihr auch noch mal ins „Getümmel“? Oder meidet ihr Städte und habt alles online erledigt? Schon alles eingetroffen oder sitzt ihr jetzt bangend zu hause und hofft, dass alles rechtzeitig ankommt, auch wenn die Post nur mit 35 km/h fahren kann? 😀

Bild: Püppi / pixelio.de


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