Mass Effect 2: der Rollenspiel-Shooter endlich auch für Playstation 3

MassEffect2[Trigami-Review]
Denkt man an Rollenspiele am PC oder auf der Konsole, kommen einem fast zwangsläufig Fantasy-Spiele in den Sinn, die vornehmlich in mittelalterlich angehauchten Szenarien spielen. Doch es geht auch anders! Das Spiel Mass Effect zeigte eindrucksvoll, dass RPG nicht an Fantasy gebunden ist, sondern auch in Science-Fiction-Szenarien funktionieren kann – und zwar in beeindruckender Art und Weise in Kombination mit Action-Elementen eines Shooters.

Nachdem der erste Teil bei Fans und Kritikern gleichermaßen begeistert aufgenommen worden war, erwartete man geradezu sehnsüchtig die Fortsetzung Mass Effect 2. Während Spieler auf dem PC und der Xbox360 das Game bereits spielen konnten, mussten sich Besitzer der Playstation 3 bislang in Geduld üben. Doch das Warten hat sich gelohnt, denn Anfang 2011 erscheint Mass Effect 2 nun auch endlich für die PS3 und wartet –gegenüber den Versionen für PC und Xbox360- mit einigen Extras auf.

Wer von Mass Effect tatsächlich noch nie gehört oder den ersten Teil noch nie gespielt hat, kann sich in folgendem Video einen kurzen Überblick verschaffen, was bisher geschah. Dabei stellt man fest, dass die Story sehr detailliert erstellt wurde und eine dichte Atmosphäre liefert – typisch RPG halt. Überhaupt macht die Geschichte, die im Spiel erzählt wird, Mass Effect wirklich zu einem besonderen Game. Aber dazu später mehr:

Mass Effect 2 startet –soviel darf verraten werden, ohne euch Spielfreude zu nehmen- einige Monate nach dem Kampf gegen die Reaper. Shepard, die Hauptfigur, befindet sich an Bord des Raumschiffs Normandy. Wie aus dem Nichts tauchen plötzlich Angreifer auf und zerstören die Normandy. Shepard wird hierbei ins Weltall geschleudert und stirbt!

Erst zwei Jahre später erwacht Shepard auf einer geheimen Raumstation. Diese wird betrieben von einer Gruppe, welche sich Cerberus nennen, Shepard aufgegriffen und in den zwei Jahren wieder „aufgebaut“ haben, damit er gegen eine neue Bedrohung aus dem All kämpfen kann. Damit einher geht in der Spielmechanik dann die Erstellung eures Charakters und –ganz wie man es aus klassischen RPGs gewohnt ist- die Wahl einer Klasse. Zur Auswahl stehen hier beispielsweise Techniker, Experte, Wächter, Infiltrator, Soldat und Frontkämpfer. Zudem kommt ihr in den Genuss, euer Geschlecht wählen zu können, was ebenfalls Auswirkungen auf den Spielverlauf und manche Dialog-Möglichkeiten hat.

Während die Wahl der Klasse den einen Teil ausmacht, wie sich euer Spiel gestaltet, nehmen andererseits vor allem eure Antworten in Dialogen bzw. eure individuellen Handlungen bei Geschehnissen Einfluss auf die Entwicklung eures Charakters und der gesamten Rahmenhandlung. Es liegt ganz an euch, ob ihr aufrichtig und „gut“ spielt oder auch die ein oder andere „dunkle Seite“ habt. Die Story nimmt dadurch teilweise starke Wendungen, wie man es nur aus den wenigsten Spielen kennt und lädt dadurch wie kein zweites Spiel zum mehrmaligen Durchspielen ein, wenn man erleben möchte, wie sich die Geschichte auch noch anders entwickelt kann. Das Spiel ist dynamisch aufgebaut, so dass man eben keinem linearen Handlungsstrang folgt, sondern die Entwicklungen individuell beeinflusst.

MassEffect2 - CharaktereShepard erhält neben einem neuen Schiff auch eine neue Crew, die er sich zusammenstellen kann. Statt wie im Vorgänger sechs Mitglieder, umfasst diese diesmal sogar zehn Mitglieder. Alle Crew-Mitglieder entwickeln sich im Verlauf der Geschichte zu individuellen Persönlichkeiten mit eigenen Stärken, Schwächen und Charakteren. Dadurch baut man zu den Leuten feste Bindungen auf und sieht sie nicht nur als „Kanonenfutter“. Wo wir gerade beim Thema sind: auf den Missionen müsst ihr aufpassen, denn eure Crewmitglieder können sterben, wenn ihr sie zu schlecht ausgerüstet in den Kampf schickt. Sollten euch eure Mitstreiter also am Herzen liegen und ihr mit ihnen gemeinsam die Story erleben wollen, solltet ihr ein Auge auf sie und ihre Ausrüstung haben. Auf eure eigene Ausrüstung selbstverständlich auch. Die lässt sich nämlich durch Upgrades entsprechend aufwerten, so dass ihr z.B. plötzlich zäher seid und mehr aushaltet.

Nun ist Mass Effect trotz all dieser Elemente kein reines Rollenspiel, sondern eben auch ein Action-Shooter. Im Vergleich zum Vorgänger haben die Action-Sequenzen sogar deutlich zugenommen. So gibt es nun nicht mehr so viele Fähigkeiten, die man im Verlauf des Spiels individuell entwickeln könnte. Dafür muss man nun auf seine Munition achten. Die kann einem theoretisch nämlich mitten im Gefecht ausgehen, wenn man allzu verschwenderisch damit umgeht. Dadurch kommt eine taktische Komponente ins Spiel.

MassEffect2 - GruppeÜbertrieben unfair wird es allerdings nie. Dafür sorgen auch die Gegner, die beim Ableben gerne mal passende Munition verlieren. Zudem kann man den Schwierigkeitsgrad nach eigenen Bedürfnissen in mehreren Stufen anpassen. So findet der eher rollenspielerisch ambitionierte Spieler hier genauso für sich machbare Kampfsituationen vor, wie der erfahrene Shooter-Spieler, den es möglicherweise nach etwas „knackigeren“ Feuergefechten dürstet. An der Steuerung sollte niemand scheitern, diese geht nach kurzer Einspielzeit flüssig und problemlos von der Hand. Man verläuft sich nicht in irgendwelchen verschachtelten Untermenüs, sondern kann sich voll und ganz auf die Handlung konzentrieren, die qualitativ einem Film in nichts nachsteht.

Neben der Story und dem grundsätzlichen Spiel-Design sowie der sehr stimmungsvollen Grafik mit abwechslungsreichen Landschaften auf verschiedenen Planeten und wirklich gelungenen Licht- und Schatteneffekten, fällt auch die Abteilung „Audio“ positiv auf. Die deutschen Synchronsprecher geben über weite Strecken eine überraschend gute Figur ab, was man von vielen Spielen mitunter leider ganz anders gewohnt ist. Auch Soundeffekte und Hintergrundmusik sind erstklassig und tragen maßgeblich zur Atmosphäre bei.

MassEffect 2 - StimmungUnd genau jene Atmosphäre wird bei Mass Effect 2 für die Playstation 3 noch ein wenig dichter, als man es eh schon vom PC oder Xbox gewohnt ist, da die Grafik noch einmal speziell an die Fähigkeiten der PS3 angepasst wurde. Zudem liegen der Playstation-Version gleich noch drei zusätzliche Bonusmissionen („Kasumi – gestohlene Erinnerung“, „Overlord“ und „Versteck des Shadow Broker“) im Wert von ca. 20 Euro bei, wodurch zusätzliche Gebiete, neue Erfolge, neue Waffen und Gruppenmitglieder ins Spiel gebracht werden.

Wer von euch Spaß an Rollenspielen und Actionspielen hat, diese vielleicht sogar einmal in einer nahezu perfekten Mischung erleben möchte, für den führt eigentlich kein Weg an Mass Effect 2 vorüber. Wer den ersten Teil nicht kennt, muss bei der Playstation 3 Version auch keine Angst haben, dass er Zusammenhänge nicht versteht. Zum einen wird man innerhalb kürzester Zeit in die bestehende Handlung förmlich „eingesogen“, zum anderen ist der PS3-Version ein interaktiver Comic beigefügt, welcher den Spieler mit dem Mass-Effect-Universum und den Handlungen aus Teil 1 vertraut macht. Innerhalb des Comics kann man sogar schon einige Entscheidungen treffen, die sich auf den späteren Spielverlauf auswirken.

Es besteht also kein Grund, sich dieses kleine Meisterwerk der Spielgeschichte, welches nun endlich auch für Playstation 3 verfügbar ist, entgehen zu lassen. Bist du nun neugierig geworden, willst noch ein paar Videos zum Spiel sehen oder sonstige Eindrücke sammeln? Dann findest du hier weitere Informationen zum Spiel.


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