Widerliche Form des Blog-Spams und wie man sich dagegen schützen kann

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Bereits einige Male habe ich hier im Blog über Spam berichtet. Mein Dreamteam gegen Spam, über welches ich bereits vor knapp einem Jahr ausführlich berichtete, ist hier immer noch sehr erfolgreich im Einsatz, weswegen ich jedem Blogger, der mit WordPress arbeitet, den Einsatz der im verlinkten Artikel erwähnten Plugins nur wärmstens empfehlen kann. Seither kommt fast kein Spam-Kommentar von automatischen Spam-Bots mehr hier durch.

Doch ein Problem bleibt weiterhin bestehen, nämlich jenes der manuellen Spammer. Ein Problem, von dem viele Blogs -teilweise sogar unbewusst- betroffen sind und sich somit unbewusst als „Werbeschleuder“ missbrauchen lassen. Gerne möchte ich euch an dieser Stelle über einen besonders trickreichen und hinterhältigen Fall erzählen, der sich hier auf meinem Blog in der letzten Zeit abgespielt hat. Mit der Darstellung möchte ich euch zeigen, wie raffiniert manche Spammer inzwischen vorgehen, möchte euch für das Thema ein wenig sensibilisieren und euch zeigen, wie man derartiges „Pack“ dennoch erkennen kann.

An meiner Ausdrucksweise könnt ihr erahnen, dass ich für solche Leute nicht viel übrig habe. Wohlgemerkt: ich habe nichts dagegen, wenn jemand auf einem Blog sinnvolle Kommentare abgibt, um damit auch in eigener Sache vielleicht ein wenig Werbung für die eigene Seite zu machen. Aber ich habe etwas gegen die Personen, die das ganze professionell „ausschlachten“, um für andere in deren Auftrag dadurch einen finanziellen Vorteil zu erwirtschaften.

Folgendes war passiert:

Als ich in meinem Blog die neuesten Kommentare las, entdeckte ich, dass in zeitlich sehr kurzen Abständen mehrere neue Kommentare von neuen Lesern in meinem Blog geschrieben worden waren. Nun sind neue Leser nichts generell ungewöhnliches. Aber wenn 6 neue Leser jeweils im Abstand von 1-2 Minuten auf meinen Blog gestoßen sein sollen, um dann auch noch in unterschiedlichsten Beiträgen (sowohl in aktuellen als auch älteren) zu Kommentieren, dann werde ich zumindest vorsichtig skeptisch. Mein Interesse war jedenfalls geweckt und ich sah mir die Kommentare ein wenig näher an.

Es waren durchweg Kommentare, wie man sie sich wünscht und von einem Spammer nicht unbedingt vermuten würde. Sie waren mehr als 2 Sätze lang und setzten sich durchaus mit den jeweiligen Themen der Artikel auseinander. Auch führten die Links jeweils zu unterschiedlichen, privaten Blogs. Also gab es eigentlich nichts Ungewöhnliches zu entdecken. Einem groben Blick hätte diese „Fassade“ durchaus standgehalten. Da mein Misstrauen durch das ungewöhnlich kurze Intervall der Kommentareingänge jedoch geweckt war, sah ich genauer hin.

Und das hat sich gelohnt! Denn ich sah, dass alle Kommentare -obgleich unterschiedliche (Nick)Namen und unterschiedliche Blog-Adressen verwendet wurden, alle die gleiche E-Mail-Adresse als Absender angegeben hatten.

Spam-Kommentare

Beim Namen gehe ich von einem Pseudonym aus, aber dennoch: die jedesmal gleiche E-Mail-Adresse war -neben der schnellen Kommentarfrequenz- natürlich ein großer Fehler des Spammers, denn somit war er leicht zu identifizieren! Doch selbst, wenn er sich die Mühe gemacht hätte, jedesmal eine andere Mail-Adresse zu nutzen, wäre er aufgeflogen, denn auch seine IP war stets gleich. Während eine Mail-Adresse schnell gewechselt ist, gestaltet sich das mit einer IP schon ungleich schwieriger. Selbst, wenn man eine Veränderung der IP durch Disconnects herbeiführt, bleibt zumindest ein gewisser IP-Bereich immer gleich.

Also, wenn verdächtig viele Neu-Kommentatoren bei euch auftauchen und / oder es in kurzer Zeit viele neue Kommentare auf eurem Blog gibt und / oder sich die Kommentare plötzlich auf viele ältere Beiträge beziehen, dann freut euch nicht gleich über einen neuen Leser, sondern seid ruhig mal ein wenig misstrauisch und nehmt die „Neuen“ unter die Lupe.

Manch einer von euch wird sich jetzt wahrscheinlich fragen, was meine Aufregung soll. Schließlich wurden ja sinnvolle Kommentare hinterlassen und es wurde auch nicht auf eine spezielle Seite verlinkt, sondern immer auf unterschiedliche private Blogs.

Kommen wir zunächst zum letztgenannten Punkt, den Blogs. Auch diese habe ich mir mal genauer angesehen. Sie wurden alle bei kostenlosen Freehostern geführt, waren alle ohne Impressum. Alle waren noch relativ „frisch“, es gab in jedem nur 4-5 Artikel. Das ist zwar eigentlich nicht schlimm, brachte mich aber dazu, erneut genauer hinzusehen. Alle Artikel bis auf einen waren ziemlich kurz gehalten und mit nichtssagendem Inhalt gefüllt. Hier sollte augenscheinlich einfach nur der Eindruck erweckt werden, dass hier ein Blogger einen „echten“ Blog führt. Dem war aber nicht so! Denn in jeweils einem Artikel auf JEDEM der Blogs gab es einen Text mit Link zu einem Unternehmen mit seinem „Vergleichsrechner für private Krankenversicherungen“.

Für die, die von dem Teil des Internets nicht so viel Ahnung haben, versuche ich es mal in ganz einfachen Worten zu erklären, was hier versucht wurde. Dann wird vielleicht auch deutlich, warum ich mich so sehr gerade über DIESE Form des Spammens aufrege.

Jede Seite im Internet wird von Google bewertet. Je besser die Bewertung, desto höher erscheint man bei entsprechenden Suchanfragen in den Suchergebnissen bei Google (oder natürlich auch anderen Suchmaschinen). Nun versucht der Spammer, die Seite des Unternehmens bei Suchbegriffen für bestimmte Schlüsselwörter weit nach oben zu bringen, damit Leute, die bei Google nach einem Vergleichsrechner für private Krankenversicherungen suchen, bei diesem Unternehmen landen.

Um die Bewertung der Unternehmensseite zu erhöhen, hat der Spammer die angeblich privaten Blogs erstellt, in denen er mit den entsprechenden Schlüsselbegriffen auf das Unternehmen verlinkt. Allerdings sind diese frischen Blogs selbst noch nichts „wert“, weswegen Google den Links zum Unternehmen nur wenig bis gar keine Bedeutung zumisst. Darum geht der Spammer nun auf seine Runden durch die Bloggs und spammt dort herum, in der Hoffnung, dass seine Kommentare (mit den Links zu den angeblich privaten Blogs) bestehen bleiben.

Unsere Blogs haben nämlich bei Google meist schon einen gewissen Wert. Dementsprechend sind auch unsere Links etwas wert. Und genau diese „Wertigkeit“ vererben wir quasi mit den Links auf die angeblich privaten Blogs des Spammers. Dadurch sollen seine Blogs „wertiger“ werden, so dass im letzten Schritt seine Links auf das Unternehmen „wertig“ werden.

Ich finde dieses Vorgehen extrem berechnend und abstoßend. Der Spammer wirbt ja gerade nicht(!) für (s)einen privaten Blog, sondern eigentlich die ganze Zeit nur in letzter Konsequenz für ein professionelles Unternehmen im Hintergrund, welches Versicherungsvergleiche anbieten möchte. Hierfür macht der Spammer uns und unsere Blogs zu willenlosen Werkzeugen, die als Link-Maschine missbraucht werden, um die Wertigkeit unserer Links zu „melken“.

Ich habe nichts gegen Werbung auf Blogs, aber dann sollte man mit offenen Karten spielen und sich nicht auf diese Weise hinterhältig über 5 Ecken Link-Wertigkeit erschleichen! Besonders schlecht wird mir, wenn man sich vor dem Hintergrund nochmal die Kommentare ansieht, die der Spammer hinterlassen hat. In all diesen Kommentaren gab er sich ja für andere Personen aus und hat von angeblich privaten Erfahrungen und Schicksalen gesprochen, die sich so natürlich nie real abgespielt haben. Hier als Beispiel mal etwas, dass er kommentiert hat auf meine Frage, wie ihr damals den Tag der Wiedervereinigung erlebt habt:

Spam-Kommentar

Wer mich kennt oder hier schon länger mitliest, der weiß, dass ich im Grunde ein ziemlich verständnisvoller Mensch bin, der sachlich ist und sich stets bemüht, Dinge auch aus der Perspektive anderer Menschen zu sehen. Aber diese schamlose Form des Spammens und die Instrumentalisierung von Bloggern hat mich wirklich sehr aufgeregt. Eben weil es keine herkömmliche Form des Spammens ist, sondern ganz gezielt Blogger über den wahren Hintergrund der Kommentare getäuscht werden, indem ganz individuelle, teilweise persönlich wirkende Kommentare verfasst werden, deren Inhalte sich letztlich komplett als erstunken und erlogen herausstellen, nur um einem Blogger einen Link auszuquetschen!

Meine einzige Befriedigung besteht darin, dass die ersten Blogs des Spammers bereits gelöscht wurden. Auch in den Google-Ergebnissen ist die Seite des Unternehmens nirgends auf den ersten Seiten zu finden. Ich möchte euch, liebe Blogger, mit diesem Artikel jedoch dafür sensibilisieren, weiterhin aufmerksam zu sein, eben auch für Kommentare dieser Art. Lasst euch nicht als willenlose Werbeschleuder missbrauchen! Gegen DIE Art von Spammern helfen leider keine Plugins, sondern nur Aufmerksamkeit und Menschenverstand.


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