Koran-Verbrennung nur “schädlich” oder auch “falsch”?

Bücherverbrennung
Bild: Gustave Doré (1866)

Habt ihr schon von Terry Jones gehört? Terry Jones ist Pastor und Vorsitzender einer kleinen Kirchengemeinde in Florida, des Dove World Outreach Center. Seine Gemeinschaft umfasst gerade einmal 50 Mitglieder, sorgt aber derzeit für Aufsehen.

Diese Kirchengemeinde will nämlich am 11. September 2010, also dem Jahrestag der Anschläge auf das World Trade Center, zum “Gedenken an die Opfer der Anschläge” auf ihrem Gelände Exemplare des Korans verbrennen!

Über das Internet und sonstige Medien haben sie weltweit dazu aufgerufen, ihrem Beispiel zu folgen und sich an der Aktion zu beteiligen. Nach amerikanischem Recht fällt die Sache angeblich unter das Recht der freien “Meinungsäußerung”, kann also nicht verboten werden. Die Behörden haben sie mit einem Kunstgriff dennoch verboten, indem sie sich auf Probleme mit dem Brandschutz berufen. Die Kirchengemeinde hat bereits erklärt, dass sie die Verbote keinesfalls beachten will und die Bücherverbrennung auf jeden Fall durchgeführt werden solle.

Die öffentliche Aufregung ist groß, allerdings erstaunt teilweise die Argumentation.

Dass z.B. tausende Muslime in Afghanistan und Indonesien öffentlich dagegen protestieren und auf die Straße gehen, dürfte nicht weiter verwunderlich sein, schließlich handelt es sich beim Koran um ihre heilige Schrift. Ähnlich würden vermutlich auch tausende gläubige Christen sich empören, wenn derart medial zu einer großen Bibel-Verbrennung aufgerufen würde.

Aber auch bei amerikanischen Politikern und Militärs gibt es offene Kritik am Vorhaben der Kirchengemeinschaft – jedoch mit Argumentationen, die zu denken geben können.

So warnt General David Petraeus davor, dass die Bilder von der Verbrennung des Korans von Extremisten in Afghanistan und rund um die Welt genutzt werden könnten, um den Hass auf die westliche Welt zu schüren und somit amerikanische Soldaten und Zivilisten überall auf der Welt in Gefahr zu bringen.

Auch aus amerikanischen Politikerkreisen hört man ähnliches. Das Vorhaben von Terry Jones entspräche nicht den amerikanischen Interessen. Das Außenministerium fürchtet um das Ansehen Amerikas und weist darauf hin, dass die Welt Amerika “nicht an der Aktion eines Pastors oder seiner 50 Anhänger” messen dürfe.

An dieser Stelle soll keine Diskussion darüber entfacht werden, dass im Namen von Religionen immer wieder gewalttätige Konflikte geschürt werden. Dies liegt wohl oftmals weniger an den Religionen selbst, als an der oft engstirnigen Auslegung, wie diese von den Menschen interpretiert werden.

Auch sind die Argumentationen der amerikanischen Militärs und der amerikanischen Politik nicht falsch. Natürlich darf man nicht am Verhalten von einigen wenigen Menschen auf die Einstellung eines ganzen Staates schließen. Sicherlich würden auch Bilder von einer Koran-Verbrennung von islamistischen Extremisten genutzt werden, um den Hass auf Amerika zu steigern und somit die Sicherheit von Amerikanern im Ausland gefährden.

ABER: ist es nicht dennoch traurig -und vielleicht auch ein Stück weit bedenklich-, dass immer nur die Rede davon ist, dass die Aktion schädlich sei, weil sie Amerika schlecht dastehen ließe und Amerikaner gefährden könnte? Warum kommt scheinbar niemand in Amerika mal auf die Idee zu sagen, dass diese Aktion des Dove World Outreach Centers falsch ist, weil in dieser Art Bücherverbrennungen generell falsch sind?!

Oder bin ich als Deutscher für das Thema aufgrund der geschichtlichen Ereignisse einfach nur zu sehr sensibilisiert?


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