Greift die Telekom die Netzneutralität im mobilen Internet an?

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Foto: Angela Parszyk / pixelio.de

Die Telekom sorgt für Aufsehen, indem sie offen Überlegungen anstellt, an der Netzneutralität im mobilen Internet zu rütteln. Für alle, denen der Begriff Netzneutralität nichts sagt, möchte ich ihn erst einmal versuchen, halbwegs verständlich zu erklären.

Immer, wenn ihr etwas im Internet sendet oder empfangt, seien es E-Mails, Webseitenaufrufe oder sonstige Daten, dann werden entsprechende Datenpakete über die Leitungen bzw. die bildlich gesprochene „Daten-Autobahn“ geschickt. Netzneutral verhalten sich die Internet-Provider, wenn sie hierbei keine Datenpakete bevorzugen, sondern alle gleich behandeln, also -wieder bildlich gesprochen- kein Datenpaket auf der „Überholspur“ fahren darf, nur weil es von einer „besonderen Quelle“ kommt. Umgekehrt muss auch keine Quelle mehr Zahlen, nur weil sie mehr Datenverkehr herstellen.

Das heißt also, dass die Daten zum Abruf von der privaten Homepage von Tante Trude aus Buxtehude genauso behandelt werden muss, wie die Datenpakete zur aktuellen Schlagzeile von CNN, auch wenn an letzterer wahrscheinlich mehr Menschen interessiert sind, als an Tante Trudes neuesten Bildern aus ihrem Gewächshaus.

Was will die Telekom nun ändern?

Nun, in einem Interview mit dem Manager Magazin hat der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom, René Obermann verlauten lassen, dass es im Rahmen der Überarbeitung bestehender Geschäftsmodelle Überlegungen gibt, bestimmte Anbieter, welche das Mobilfunknetz für datenintensive Dienste nutzen, kostenpflichtig zur Kasse zu bitten. Namentlich nannte er Dienste-Anbieter wie Google.

Vorstellbar wären hier z.B. die Nutzung von Google-Maps bei kostenlosen Navigations-Lösungen oder auch das zum Google-Konzern gehörende Videoportal YouTube, welches auch im nicht-mobilen Internet zu den großen Traffic-Lasten gehört.

Im Artikel des Manager Magazins ist ferner neben Google auch von Apple als solchem Dienste-Anbieter die Rede, welcher mit seinen Apps das Mobilfunknetz entsprechend belasten soll.

Es ist also zunächst angedacht, für diese intensivere Nutzung der „Datenautobahn“ im Mobilfunkbereich die Betreiber der verursachenden Quellen, sprich die Dienste-Anbieter selbst zur Kasse zu bitten. Stellt sich nur die Frage, ob die diesbezüglich entstehenden Kosten nicht früher oder später in irgendeiner Weise an die Endverbraucher weitergegeben werden?

Was glaubt ihr: kann sich ein solcher Verstoß gegen die Netzneutralität durch die Telekom im Alleingang durchsetzen lassen? Und welche Folgen könnte dies langfristig haben?


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