Foxconn – Maßnahmen gegen Suizid

Siegfried Springer / pixelio.de
Von der Firma Foxconn haben viele von euch sicherlich in den letzten Wochen gehört, oder? Foxconn ist einer der größten Elektronik- und Computerteilehersteller weltweit. Unter anderem produziert das Unternehmen für Apple, Dell, Intel, Sony, Nintendo, Microsoft, HP und viele weitere namhafte Anbieter von Computer- und Unterhaltungselektronik.
In die Schlagzeilen geriet Foxconn vor einigen Wochen, nachdem sich innerhalb kurzer Zeit gleich mehrere Mitarbeiter der Produktionsfabrik in Shenzen das Leben genommen hatten. Schuld daran sollen die teilweise unmenschlichen Arbeitsbedingungen in der Fabrik gewesen sein. Die Arbeitszeit soll 70 Stunden pro Woche, aufgeteilt auf 6 Tage, betragen, wobei es den Mitarbeitern verboten ist, während dieser Arbeitszeit miteinander zu sprechen. Zudem soll ein hohes Tempo eingefordert und viel Druck auf die Mitarbeiter ausgeübt werden.
Bislang wurden nun schon einige Maßnahmen ergriffen, um weitere Suizide der Mitarbeiter zu vermeiden. Die geforderten oder eingeleiteten Maßnahmen sind jedoch mitunter bedenklich.
So machte man sich in der Führungsetage von Foxconn tatsächlich Gedanken, wie man den Selbstmorden entgegenwirken könnte. Schließlich sind derartige Vorkommnisse -erst recht in der Häufigkeit- schlecht für das Image des Unternehmens.
Doch anstatt etwas an den Arbeitsbedingungen zu ändern, hatte man eine viel “bessere” Idee: man ließ die Mitarbeiter eine Vereinbarung unterschreiben, in welcher sich die Mitarbeiter unter anderem verpflichten, sich auf Geheiß der Unternehmensleitung in psychologische Behandlung zu begeben, wenn die Leitung der Meinung ist, dass selbstmörderische Tendenzen erkennbar seien. Zudem verpflichtet man sich mit seiner Unterschrift praktischerweise dazu, keinen Suizid zu begehen!
So einfach kann es manchmal also sein. Wer würde sich jetzt als Mitarbeiter, der am Ende seiner Kräfte ist, noch trauen, sich das Leben zu nehmen? Schließlich hat man sich ja schriftlich verpflichtet, dies nicht zu tun. Was wohl passiert, wenn man vertragsbrüchig wird und sich trotzdem umbringt? Wird man dann gefeuert?
Wie man sieht, war diese Maßnahme der Leitung reiner Aktionismus, um nach außen hin zeigen zu können, dass man “etwas tut”. Dass hiervon letztlich kein Erfolg zu erwarten sein dürfte, liegt auf der Hand, denn wie bereits dargestellt, gibt es nichts, was einen Selbstmörder in irgendeiner Weise davon abhalten könnte, “vertragsbrüchig” zu werden.
Das sahen wohl auch die Demonstranten so, die vor einigen Tagen gegen die Zustände bei Foxconn demonstrierten und dabei Schilder mit Aufschriften wie “”Mitarbeiter sind keine Maschinen” hochhielten.
Als Grundproblem hatten die Demonstranten somit richtigerweise die Arbeitsbedingungen ausgemacht. Nur scheint die Lösung des Problems auch bei den Demonstranten noch nicht so recht ausgearbeitet zu sein. So rief etwas die Organisatorin der Aktion in Hongkong, Debby Chan, Foxconn zu Gehaltserhöhungen auf.
Tolle Idee! Natürlich scheinen Gehaltserhöhungen bei 70 Stunden pro Woche und einem Monatslohn von umgerechnet nicht einmal 250 Euro durchaus angebracht. Aber an den grundsätzlichen Umständen würde etwas mehr Geld wohl kaum etwas ändern. Druck, Belastung und kalte Atmosphäre würden dennoch verbleiben und die Psyche der Mitarbeiter belasten… daran ändert auch ein wenig mehr “Schmerzensgeld” nichts, oder?
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Ja, unmenschliche Arbeitsbedingungen sind natürlich schrecklich. Aber warum gerade jetzt? Warum soviele? Ich meine, die Leute arbeiten doch schon jahrelang unter diesen Bedingungen. Warum ist dann schon nicht viel früher was passiert?
Btw, hab ich mal gelesen, das Selbstmorg sogar ansteckend ist. Vielleicht spielt das auch mit eine Rolle.
Letztlich wird mehr Gehalt oder ein Vertrag nichts daran ändern. Ich denke auch, dass das ganze System in dem diese Menschen leben, früher oder später zu schwierigen Problemen führt. Aber wo tut es das nicht.
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Das ist menschenverachtend ohne Frage. Aber genau deswegen kann sich halb Deutschland ein iPhone leisten.
Man kann übrigens auch auf Selbstmörder bestrafen. Z.B. indem man Witwenrenten oder ähnliches streicht. Kann mir aber nicht vorstellen, dass es dort so etwas gibt.
Gruß
Fulano
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@zero
Wie du schon selbst sagst, vermute ich auch, dass da jetzt einfach eine Lawine losgetreten worden ist. Erst haben sich “nur” 1-2 das Leben genommen, und dann entwickelt sich -so makaber das klingt- eine Eigendynamik. Wenn eine Grenze erst einmal überschritten ist, ist das künftige Überschreiten halt umso einfacher
@Fulano
Ich hab mal aufgeschnappt, dass es irgendwo in Japan(?) eine U-Bahn-Linie gab, wo sich besonders viele Menschen vor den Zug geschmissen haben, da es dort besonders leicht zu realisieren war. Um das zu verhindern, hat man dort wirksam dafür gesorgt, dass Angehörige die “Sauerei” wegmachen müssen – seither ist die Selbstmordrate dort drastisch zurückgegangen.
Da weiß ich nicht, was ich schockierender finden soll: dass man tatsächlich auf solche Ideen kommt, oder dass man sie sogar umsetzen darf? Andererseits zeigen sich an solchen Beispielen, dass in anderen Ländern mitunter tatsächlich gänzlich andere Sitten vorherrschen, was den Umgang mit solchen Themen angeht.
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Naja, man muss ja gar nicht in die Ferne schweifen. Ich glaube, die letzte Meldung zum Thema “Selbstmord berufsbedingt” war eine frz. Bank, in der sich die Mitarbeiter praktisch reihenweise das Leben genommen haben. Und da der Kapitalismus in Zukunft nur *noch* haifischartiger werden wird, werden diese Probleme eher zu- als abnehmen.
(Wobei ich bei dem Foxconn-Fall besonders interessant fand, dass die Firma mal eben so eine Gehaltserhöhung von 20% heraushauen konnte. Da sieht man mal, was da für Gewinnspannen existieren. Unglaublich.)
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Genau so gut könnten man den Mitarbeitern ne Vereinbarung unterschreiben lassen, dass sie zuerst kündigen und sich dann umbringen. Dadruch ist ja sie/er kein Mitarbeiter der Firma mehr und hat damit mit der Frima nix mehr zu tun.
Jedenfalls muss man da schon grundlegende Sachen ändern und nicht nur Gehaltserhöhung.
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@Michelle
So ist es. Kaum wurde da ein wenig Druck auf das Management aufgebaut, waren plötzlich 20% Gehaltserhöhung gar kein Problem, über das lange diskutiert werden müsste. Und die werden ja trotzdem noch einiges an Gewinn machen.
@Schweizer
Vor meinem geistigen Auge sehe ich gerade unweigerlich das Bild der Personalabteilung im obersten Stock, wo man seine Kündigung abgeben kann, um sich danach direkt aus dem geöffneten Fenster stürzen zu “dürfen”.
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“Btw, hab ich mal gelesen, das Selbstmord sogar ansteckend ist.”
Ich denke, das ist wie mit den Amok-Läufen…
Je mehr solche Dinge passieren, desto geringer ist die Hemmschwelle.
Von der Geschichte mit der psychologischen Behandlung könnten die Schulen sich was abkupfern, hierzulande hat man ja meist gar nicht die Möglichkeit, mit einem Schulpsychologen oder ähnlichem zu sprechen.
Zurück zu Foxconn: Die Arbeitsbedingungen müssten dramatisch verändert werden.
Wobei ich glaube, dass die 70 Stunden und der geringe Lohn gar nicht das große Problem sind. (Klar, es ist unmenschlich, aber das gibt es in fast allen Ländern…)
Und so makaber das klingt, aber ich glaube, wenn man den Arbeitern ein bisschen den Stress nehmen würde, sie zwischendurch einen Kaffee trinken lassen würde und sie vor allem miteinander reden lassen würde, wäre das Problem fürs Erste schon einmal gelöst…
Trotzdem sollte man auch an den anderen Arbeitsbedingungen etwas ändern, das will ich ja gar nicht in Frage stellen.
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@Tarik
Ja, das Arbeitsklima ist es, was mir bei Foxconn auch starke Sorgen bereitet. Wenn man ohne Unterlass arbeitet und noch nicht einmal die Chance für einen kleinen Smalltalk mit den Kollegen bekommt, ist es ja fast schon “normal”, dass man irgendwann “durchdreht”, zumal man ja eine ziemlich lange Zeit dort bei der Arbeit verbringt.
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