Inspiration – wie komme ich auf neue Ideen?

Puzzle

Foto: Willi Heidelbach / pixelio.de

Vor kurzem erhielt ich eine E-Mail von Long, der mich im Zusammenhang mit seinem Blog-Projekt Inspiration der Woche fragte, was ich besonders inspirierend finde.

Obgleich die Frage eigentlich relativ simpel ist, ist sie in meinen Augen nicht so leicht zu beantworten… aber das haben gute Fragen ja hĂ€ufig an sich.

ZunĂ€chst ist zu klĂ€ren, was genau man unter Inspiration versteht. FĂŒr mich ist Inspiration jeglicher Vorgang, der mich dazu verleitet, neue Ideen unterschiedlichster Art und GĂŒte zu (er-)finden. Das können Ideen fĂŒr einen neuen Blogartikel sein, genauso wie es Ideen zur Lösung eines Problems sein können, oder dazu ein bestimmtes Bild malen zu wollen… oder eben Ideen fĂŒr etwas ganz anderes.

An dieser Stelle tut sich bereits ein Problemfeld auf:

Manche Sachverhalte und Lebenslagen erfordern ganz spezielle Ideen, auf die man mehr oder weniger gezielt hinsteuern möchte oder zusteuern muss. Wenn ich beispielsweise ein ganz spezielles Problem mit meinem PC habe, gleichzeitig aber keine Ahnung, wie ich dieses konkret lösen kann, dann hole ich mir entsprechende Anregungen und LösungsvorschlÀge zumeist aus dem Internet.

Die Frage ist, ob dies dann bereits eine Inspiration darstellt. Wenn man sich eine genaue Lösungsanleitung “ergoogelt”, kann man dies wohl verneinen. Wenn man hingegen auf der Suche nach einer Lösung nur hier und da gewisse Fetzen von möglichen LösungsansĂ€tzen aufschnappt und daraus letztlich eine eigene Lösung entwickelt, so kann man hier in meinen Augen durchaus von einer Inspiration sprechen. Ich wĂŒrde sie als zielgerichtete Inspiration bezeichnen wollen, da sie eben “vorsĂ€tzlich” herbeigefĂŒhrt wurde, gerichtet auf das Ziel, ein spezielles Problem zu lösen.

Hiervon zu unterscheiden ist die zufĂ€llige Inspiration, die eher beilĂ€ufig und zufĂ€llig zu bestimmten, neuen Ideen fĂŒhrt. Hierunter fĂ€llt beispielsweise der Einkauf im Supermarkt, wo ihr eigentlich nur ein paar Lebensmittel kaufen wollt, wobei euch dann jedoch ein spezieller Gegenstand, eine Formulierung auf einer Packung oder ein Ereignis mit Kunden oder Mitarbeitern des Marktes auffĂ€llt und ihr plötzlich die Idee habt, darĂŒber zu bloggen.

Noch interessanter ist in meinen Augen die kreative Inspiration. Hierbei macht ihr gerade etwas -oder eben auch nicht- und es passiert etwas -oder eben auch nicht- oder es fÀllt euch etwas auf, was bewirkt, dass ihr eine Idee bekommt, die mit dem, was ihr gerade beobachtet habt, eigentlich rein gar nichts zu tun hat, durch irgendwelche Konstruktionen in eurem Gehirn aber trotzdem gerade die Idee ausgelöst hat, die ihr dann habt.

Diese Form der kreativen Inspiration, die ich jetzt einfach mal -genau wie die anderen Formen der aufgezĂ€hlten Inspirationen- so genannt habe und die alle keinen Anspruch auf wissenschaftliche Korrektheit oder gar Existenz haben, ist fĂŒr mich die spannendste Form der KreativitĂ€t.

Ideen, die zielgerichtet auf ein Problem bzw. dessen Lösung entstehen, sind eine schöne Sache und sicherlich Grundlage unseres menschlichen Fortschritts. Aber sie sind gemeinhin auch am vorhersehbarsten.

Ideen, die man aufbauend auf eigenen Erlebnissen oder Phantasien hat, sind da schon interessanter, eben weil sie nicht so stark durch ein Ziel bestimmt sind, sondern sich aus einer jeweiligen Situation heraus entwickeln, ohne dass es dieser Entwicklung zwingend bedurft hĂ€tte. Dadurch wirkt diese Form der Inspiration -zumindest fĂŒr mich persönlich- spannender, da sie dynamischer scheinen.

Jedoch geht nichts ĂŒber die kreative Form der Inspiration. Gerne bezeichnen wir solche Inspirationen im Alltag auch als Gedankenblitze, die aus heiterem Himmel kamen. Warum uns bestimmte Ideen kommen, die mit dem gerade Erlebten keinen Zusammenhang zu haben scheinen, aber dennoch fĂŒr eine Idee ursĂ€chlich sind, das kann wohl niemand mit Sicherheit sagen. Vielleicht liegt es an plötzlich aufgebauten EiweißbrĂŒcken im menschlichen Gehirn, an den passenden chemischen Reaktionen zur richtigen Zeit, am Zusammenspiel von Bewusstsein und Unterbewusstsein – vielleicht auch an einer Verbindung all dieser Dinge oder auch an etwas vollkommen anderem.

Fakt ist jedoch, dass wohl jeder von uns schon einmal -oder auch hĂ€ufiger- diese Form der Inspiration erlebt haben dĂŒrfte.

Sowohl bei mir, als auch bei Personen, mit denen ich mich darĂŒber in der Vergangenheit unterhalten habe, war es eigentlich immer so, dass diese Form der KreativitĂ€t dann auftrat, wenn man sich in einem Zustand der Entspannung befand, sein Hirn quasi grĂ¶ĂŸtenteils “abgeschaltet” hatte und sich nicht auf etwas bestimmtes konzentrierte.

Um nun Longs eingangs gestellte Frage zu beantworten, wie ich persönlich es schaffe, diesen Zustand herbeizufĂŒhren: dies gelingt mir teilweise beim Hören von beruhigender -nicht notwendigerweise klassischer- Musik. Auch bei SpaziergĂ€ngen ist das schon vorgekommen, wenn ich diese allein unternahm. Hier allerdings eher bei “Nacht-SpaziergĂ€ngen”, wenn kaum noch ein Auto fĂ€hrt, die Luft angenehm kĂŒhl und “sauber” scheint und auch sonst kaum etwas ablenkendes zu hören oder zu sehen ist.

Auf meinem Nachttisch befindet sich ĂŒberdies immer ein kleiner Notizblock, da mit gute Ideen auch gerne mal kurz vor dem Einschlafen in den Sinn kommen. Ein weiterer Ort, der fĂŒr mich persönlich ein Hort des Ideenreichtums ist, ist -man möge es mir verzeihen- die Toilette!

Ich gehöre zu der Sorte Mann, die auch mal mehr als nur ein paar Minuten auf “dem Lokus” verschwinden kann. FĂŒr mich persönlich ist es einfach sehr entspannend, wenn man dort sitzt, sich sicher sein kann, dass man dort nicht gestört wird, das sonore Summen der LĂŒftung im Hintergrund, kein Fernseher oder Ă€hnliches, was einen ablenken könnte… da schweifen die Gedanken von ganz allein ab und produzieren Ideen.

Seit ich mein Smartphone habe, muss ich allerdings aufpassen, dass ich mich auf dem Klo nicht durch das Telefon ablenken lasse, indem ich damit ĂŒber w-LAN online gehe ;) Ansonsten ist das fĂŒr mich jedoch immer noch der perfekte Ort fĂŒr kreative Ideen.

Wie ist es denn bei euch? Könnt ihr meinen Inspirations-Unterscheidungen zustimmen? An welchen Orten oder zu welchen Zeiten habt ihr die kreativsten Inspirationen? Und geht es euch da so wie mir, dass die kreativen Inspirationen vor allem im Zustand der Entspannung kommen?


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