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Wie in den Medien “alte Kamellen” erfolgreich aufgewärmt werden
30 Kommentare | veröffentlicht von Sascha in gemischt
Könnt ihr euch noch daran erinnern, wie im Sommer letzten Jahres plötzlich der Aufschrei in den Medien groß war, als bekannt wurde, dass in der Lebensmittelindustrie aus Kostengründen vermehrt auf sog. Analog-Käse gesetzt wird? Dabei handelt es sich um “künstlichen Käse”, bei dessen Herstellung statt teurer Milch bzw. Milchfett günstiges Tier- oder Pflanzenfett verarbeitet wird.
Quasi zeitgleich wurde man dann darüber informiert, dass beim Käse noch lange nicht Schluss sei! Auch Schinken würde inzwischen -vor allem im Bereich von Fertig-Pizzen- durch ein Schinken-Imitat ersetzt, welches nur aus wenigen Fleischstücken, zum Großteil aber aus Wasser und Stärke-Gel bestand. Schnell wurde diese Kreation von den Medien “Mogel-Schinken” getauft.
Sowohl in den Medien als auch in der Bevölkerung war die Empörung groß. Wie konnte so etwas nur passieren? Niemand wollte etwas mit diesem unappetitlichen Zeug zu tun haben. Es solle gefälligst schleunigst eine deutliche Kennzeichnungspflicht her, damit man auf Verpackungen sofort sehen kann, wo noch echter Käse und echter Schinken verwendet werden bzw. wo dieser “neumodische Mist aus dem Labor” enthalten sei.
Inzwischen ist der Sommer schon lange vorbei, das Sommerloch war mit dem Thema gut gefüllt, aber inzwischen kräht kein Hahn mehr danach. Ich muss zugeben, auch ich habe mich nicht mehr näher mit dem Thema auseinandergesetzt, bis ich vor wenigen Tagen eher zufällig beim Recherchieren im Internet auf einen interessanten Aspekt aufmerksam geworden bin:
Festmachen möchte ich das am Beispiel der Website des Sterns. Dort ist aus dem Sommer letzten Jahres noch ein Artikel zum Thema Mogelschinken.

Dort heißt es direkt in der ersten Zeile unter der Überschrift “Nach dem Analogkäse sorgen nun auch Schinkenimitate für Ärger.”
Aber war dieser “Ärger” mit den Schinken-Imitaten wirklich so neu? Nein! Denn dieses Schinken-Imitat ist keineswegs eine sonderlich neue Erfindung. Auch wird sie nicht erst seit letztem Sommer vermehrt im Lebensmittelbereich eingesetzt. Das hat der Stern sogar selbst im Jahr 2005(!) in Artikel zu Schinkenimitaten bei Tiefkühlpizza festgestellt, und sich dabei auf Ergebnisse aus Untersuchungen, die bis ins Jahr 1993 zurückreichen, gestützt:

Da frage ich mich ja schon, warum dann im letzten Jahr die mediale Aufregung plötzlich so groß war, als das Thema nicht neu, sondern nur erneut thematisiert wurde? Dass sich die Verwendung des Schinken-Imitates nicht allein auf Tiefkühlpizza beschränken würde, dürfte doch schon anno 2005 jedem halbwegs logisch denkenden Menschen klar gewesen sein.
Man wird den Verdacht nicht los, dass da einfach ein altes Thema wieder aus der Kiste gekramt wurde, weil es im Zusammenhang mit der Analog-Käse-Hysterie gerade so gut passte. So ließ sich die Empörung noch steigern und das allseits gefürchtete Sommerloch praktischerweise füllen.
Ich habe nichts dagegen, wenn Medien Skandale aufdecken wollen. Ich habe auch nichts dagegen, wenn Medien einfach informieren wollen. Aber bei Beispielen wie diesem hier sieht es für mich manchmal so aus, als wollten die Medien nicht informieren, sondern einen Skandal um des Skandals willen schüren, weil ein Skandal Quote bedeutet.
Dabei hätte es sich doch gerade in einem solchen Fall angeboten, im neuen Artikel auf den alten zu verweisen, mit dem Hinweis, dass man ja bereits vor 4 Jahren über das Thema berichtet habe – das hätte von Erfahrung mit dem Thema, Qualität, Sachverstand und vielleicht auch Weitsicht gezeugt. Stattdessen entschied man sich, lieber die Hysterie mit einem angeblich neuen Skandal anzufeuern.
Mal sehen, ob die Thematik dann in 4 Jahren, wenn sich niemand mehr daran erinnert, wieder als frischer Lebensmittelskandal “auf den Tisch kommt”. Was denkt ihr?
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30 Rückmeldungen zu Wie in den Medien “alte Kamellen” erfolgreich aufgewärmt werden
Kommentare
Michelle | 10. März 2010 um 20:20 Uhr
bisherige Kommentare: 12
eliterator | 10. März 2010 um 22:36 Uhr
bisherige Kommentare: 8
du willst es wohl in den Bild-Blog (6vor9) schaffen?
Tarik | 11. März 2010 um 02:17 Uhr
bisherige Kommentare: 36
Eigentlich ist es mir ziemlich egal, ob das Thema alt oder neu ist.
Ich hätte schon lieber ein Käsebrötchen mit Käse und nicht mit irgendeinem Imitat…
Heuni | 11. März 2010 um 10:06 Uhr
bisherige Kommentare: 7
Jedes Jahr gibt es mehrere “Mini”-Skandale wie Analog-Käse, Schinken-Imitat oder Gott weiß was.
Mal sehen, was 2010 so “auf den Tisch” kommt
Michelle | 11. März 2010 um 10:54 Uhr
bisherige Kommentare: 12
Danke für die nette Begrüßung! Ich kann leider den Foodwatch-Artikel nicht wiederfinden (hatte ich ohnehin ganz klassisch in der Zeitung gelesen). Du kannst es aber mal mit den beiden Links versuchen:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,635569,00.html (“Da gibt es zum Beispiel sogenannte Surimi-Garnelen im Angebot, die in Wahrheit aus gepresstem Fischeiweiß bestehen. Die werden sogar gefärbt und so geformt, dass sie aussehen wie Garnelen.”)
https://www.xing.com/net/foodwatch/etikettenschwindel-400757/surimi-23790912/
Ich finde ja, es sollte dem Verbraucher schon zuzutrauen sein, die Zutatenliste zu lesen. Wer das nicht will, hat eben Pech gehabt. Wenn ich im Wald Pilze suche, nehme ich ja auch nur die essbaren und packe nicht einfach aus Zeitmangel oder falsch verstandenem Vertrauen schlicht alles in den Korb.
Alles Käse(-: | 11. März 2010 um 13:11 Uhr
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Ich denke gerade Printmedien wie der Stern wärmen alte Themen immer wieder auf. Ist doch auch viel billiger als neue News zu generieren und ein Stern muss auch erst mal gefült werden.
Kaum einer sucht wie du 5 Jahre zurück!
Bei GMX auf der Homepage fällt mir das auch öfters auf. Immer wieder entdecke ich Artikel, von denen ich schwören könnte, dass ich die irgendwie schon mal (dort) gelesen habe.
Aber mal ehrlich, dass mit dem Käse finde ich echt eine Sauerei. Auf der Pizza will ic das ja noch hinehmen, schließlich sollte jedem klar sein, dass eine Pizza nicht gerade mit Nährstoffen glänzt, aber wenn ich im Supermarkt z.B. geriebenen Käse kaufe hört es doch auf.
Erdbeere | 11. März 2010 um 17:15 Uhr
bisherige Kommentare: 79
Böswillige Journalisten sagen nun: ” na die Leute vergessen eben schnell, bei den vielen Säuen die durch die Straße getrieben werden. Da muss man auch mal das eine oder andere wiederholen dürfen”.
So oder so ähnlich wird die Argumentationskette aufgebaut sein.
Zumindest von mir kann ich behaupten, dass ich in den Bäckereien o. bei uns im Betriebsrestaurant, mich immer darüber erkundige, ob ich auch echten Käse bzw. generell echtes Essen angeboten bekomme.
So viel Mündigkeit muss sein!
Sonnige Grüße
Erdbeere
Erdbeere | 11. März 2010 um 20:35 Uhr
bisherige Kommentare: 79
Also aus unserem Betriebsrestaurant (schick) kam die Antwort nach ca. 3 Tagen. Man hatte, auch aus eigenem Intersse des Kassieres heraus, nachgefragt
Definitiv kein Analog-Käse ( na ja, das glaube ich einfach Mal, so mal unsere Kantine nicht schlecht ist.
Schönen Abend noch, und ich vermiss dich auf meinem Blog, wo ich doch gerade so einen unterhaltsamen kl. Artikel eingestellt habe. Muss ich noch twitter
Käse | 11. März 2010 um 22:41 Uhr
bisherige Kommentare: 8
@Sascha: Klar gibt es auch Billigkram, aber wenn ich beim Italiener extra Käse bestelle und extra bezahle, dann erwarte ich auch extra mehr, in dem Fall halt Käse – echten Käse.
Wenn ich im Supermarkt eine Markenpizza für 3-5 Euro kaufe und die heißt z.B. Vierjahreszeiten, dann erwarte ich auch irgendwie 4 mal Käse.
Es geht ja um die klare Kennzeichnungspflicht – Käse – kein Käse – Schinken – kein Schinken – Zucker – kein Zucker – Alkohol – kein Alkohol.
Papa Schlumpf | 12. März 2010 um 01:16 Uhr
bisherige Kommentare: 13
Ganz ehrlich, ich will gar nicht allzuviel von diesen Diengen hören, denn dann würde ich nichts mehr essen, trinken, atmen etc. wollen/dürfen.
Aber erschreckend ist das ganze allemal, wie manche Unternehmen immer noch mehr Geld verdienen wollen – kein Funken menschlichkeit mehr
Heuni | 12. März 2010 um 11:37 Uhr
bisherige Kommentare: 7
Passend dazu: http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,682149,00.html
Steffi | 12. März 2010 um 16:22 Uhr
bisherige Kommentare: 25
*hihi*………
Mir ist schon ein paar mal aufgefallen, dass die medien alte Beiträge von irgendwelchen Dingen wieder rauskramen…..
Mir persönlich ist das völlig wurscht, mit dem Käse und dem Schinken, ich kaufe eh solche Dinge frisch vom Bauern. Manchesmal denke ichauch, dass sie ein wenig panikmache betreibenund es übertreiben. Siehe dochnur die Schweinegrippe ![]()
LG Steffi
Seba | 12. März 2010 um 16:48 Uhr
bisherige Kommentare: 23
lol … Spinat sollte man nicht nochmal aufwärmen
@Allgemein: Die Medien machen das halt den Quoten wegen. Der Rest ist latte. Die wollen nur Zuschauer – ist im TV das gleiche Spiel ..
Und solche “SCHOCKMELDUNGEN” das wir alle beim ESSEN verarscht werden – interessieren nun einmal die ganze Welt. Die werden regelmässig wieder aufgewärmt – echt traurig, aber wahr!
Frank | 12. März 2010 um 17:16 Uhr
bisherige Kommentare: 8
Hm, interessant ist aber irgendwie trotzdem, wie abgehärtet Mancher schon gegen solche Meldungen ist.
Das bringt mich gleich wieder zurück zur Schweingrippe – Epedemie – die Pest der Neuzeit kinen interessiert es – alles Käse(-:
Fulanos Worte | 12. März 2010 um 23:39 Uhr
bisherige Kommentare: 55
Manchmal glaube ich, dass deutsche Volk hat diese Medien verdient. Politiker erzählen ja schließlich auch alle paar Jahre den gleichen Unsinnn und werden doch wiedergewählt.
Gruß
Fulano
Papa Schlumpf | 14. März 2010 um 17:01 Uhr
bisherige Kommentare: 13
@Sascha: so ganz ist das nicht richtig ===> @Papa Schlumpf
Auch dich heiße ich hier auf meinem Blog als neuen Kommentator ganz herzlich Willkommen.
War vorher schon da (Rene`) grins
Frank | 14. März 2010 um 22:48 Uhr
bisherige Kommentare: 8
Zum Wahlverhalten der Deutschen fällt mir eh nichts mehr ein, wobei man faier Weise sagen muss, dass die Auswalh zwar von Quantität, aber wirklich nicht von Qualität glänzt.
Steiniger hin oder her, da fiel mir außer Angi auch nicht ein.
Btw Papa Schlumpf: Gibt es die Schlümpfe eigentlich auf DVD ?
Magrat | 15. März 2010 um 10:09 Uhr
bisherige Kommentare: 140
Ach ja, der Analog-Käse… Erst vor einigen Tagen kam mein lieber Mann vom Bäcker um die Ecke und erzählte, daß es dort nun Käse-Brötchen gibt, für die ganz stolz Werbung gemacht wird: “Mit echtem Käse!”
Tarik | 15. März 2010 um 23:50 Uhr
bisherige Kommentare: 36
@Sascha: Das ist doch schon längst zum Kaufgrund geworden.
Jedes Produkt schmückt sich mit dem Namen “Original” oder ähnlichem.
Aber mal ganz abgesehen davon, gibt es hier in Argentinien DVD-Verleihe, die mit 100% Original werben.
Die meisten verleihen zu großen Teilen Raubkopien… ![]()
(Es gibt auch welche, die fast ausschließlich Raubkopien haben, das verringert natürlich den Preis.)
Schaps | 16. März 2010 um 13:37 Uhr
bisherige Kommentare: 52
Du vergisst, dass es heute üblich ist, andere Texte zu “remixen”! Außerdem was war denn Anfang 2005 los? Da war die Arbeitslosigkeit bei 5,5 Mio oder so und kein Schwein hat sich für falschen Schinken interessiert, nur für falsche Versprechungen der Politiker
Frank | 16. März 2010 um 14:57 Uhr
bisherige Kommentare: 8
@Papa: Krass Schlümpfe auf DVD – ob das unsere Kleine (fast 3) noch begeistern kann ?
@Schnaps: Was auch imemr es damit zu tun hat, habe ich die aktuellen Arbeitslosenzahlen falsch in Erinnerung ? Wir sind doch eigentlich auf 3R Niveau, oder ?
Seba | 29. März 2010 um 16:39 Uhr
bisherige Kommentare: 23
@Re: “Liest einen keiner, verschwindet man schließlich ganz schnell vom Markt. ”
Jup .. beste Beispiel BiLD – die Schreiben was. . und steigern Auflage .. Blutspritzer wohin man nur sieht – jetzt metaphorisch gemeint!
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Was ist eigentlich aus dem Analog @
11. März 2010 um 15:52 Uhr

Naja, über Analogkäse und Mogelschinken kann man sich ja noch mit Vergnügen aufregen. Viel seltsamer fand ich da schon den entsetzten Aufschrei von Foodwatch, dass in Surimi ja gar kein Garnelenfleisch drin sei…