Warum gekürzte RSS-Feeds kontraproduktiver Unsinn sind

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Über Twitter habe ich heute davon erfahren, dass der in Deutschland recht populäre Blog Basic Thinking seinen RSS-Feed nur noch gekürzt anbietet. Neben der Artikelüberschrift bekommt man im Feed-Reader nur noch die ersten paar Sätze angezeigt. Will man den kompletten Artikel lesen, muss man auf die Seite des Blogs wechseln.

Nun bin ich seit jeher kein Leser von „Basic Thinking“ gewesen, so dass mich das Thema eigentlich nicht weiter stören sollte. Tut es auch nicht. Was mich jedoch stört, ist die sich daran anschließende Diskussion, die doch eigentlich vorhersehbar war. Einige Leser waren nämlich mit dieser Maßnahme nicht unbedingt einverstanden und schrieben dies auch in den Kommentaren, was wiederum andere Leser dazu veranlasste, gegen die vermeintlichen „Querulanten“ vorzugehen.

Doch alles der Reihe nach. Was war nun genau passiert und vor allem – warum interessiert das sogar mich so sehr, dass ich diesem Vorgang einen eigenen Artikel widme?

Wie gesagt, hatten sich die Betreiber des Blogs dazu entschlossen, den RSS-Feed nur noch in der gekürzten Variante anzubieten. Der Grund hierfür war, dass sie mehr Werbeeinnahmen generieren wollen oder müssen. Dazu müssten die Leser aber Werbung anklicken. Wer nun nur in einem Feed liest und nicht auf die Blog-Seite kommt, kann die dort enthaltene Werbung aber nicht sehen und erst recht nicht anklicken, was ja erst die eigentliche Einnahme generiert.

Der Gedanke der Blogbetreiber von Basic Thinking: sie bieten nur noch gekürzte Feeds an, so dass die Leser zum Lesen der Artikel zwangsläufig auf die Webseite kommen MÜSSEN, mit der Folge, dass sie dann auch die Werbung dort wahrnehmen und ggf, anklicken, so dass zusätzliche Einnahmen generiert werden.

Ich mag solche gekürzten RSS-Feeds nicht! Und ich denke auch, dass der Ansatz der „Basic Thinking“-Betreiber nicht funktionieren wird.

1. Blogs kann man nicht einfach mit Nachrichten-Seiten vergleichen

Bei Nachrichten-Seiten kann ich teilweise noch mit gekürzten RSS-Feeds leben, da bei News oftmals das Lesen der Überschrift ausreicht, um eine Art News-Flash zu bekommen und über die Neuigkeiten auf der Welt ganz grob informiert zu sein. Außerdem stellen Nachrichten-Seiten oftmals eben einfach nur Nachrichten dar, es kommt dort weniger auf eine gegenseitige Kommunikation mit den Lesern an.

Bei Blogs sieht die Sache in meinen Augen anders aus. Mal abgesehen von dem Umstand, dass man Artikel auf Blogs -egal ob es sich nun um Technik-, Internet- Katzen- oder sonstwie private Blogs handelt- nur selten anhand einer Überschrift und ggf. ein paar Anfangszeilen in ihrem Gesamt-Gehalt vernünftig erfassen kann, tritt bei Blogs ganz klar das Web2.0-Argument in den Vordergrund.

Bei Blogs geht es doch gerade um die gegenseitige Kommunikation und Diskussion mit den Lesern. Würde man diese nicht wollen oder nicht beabsichtigen, könnte man auch eine einfache, statische Website mit einem CMS laufen lassen, ganz ohne Kommentare. Zum Kommentieren muss ich aber auf die jeweilige Internetseite gehen, im Feed-Reader kann ich nicht kommentieren.

Das bedeutet doch, wenn ich meinen Artikel so gestalte, dass er meine Leser zum Kommentieren anregt, was beim Betrieb eines Blogs ja durchaus ein Ziel sein könnte, dann kommen diese von ganz allein auf die Seite, ohne dass man dieses Verhalten mit gekürzten Feeds erzwingen müsste.

2. Gekürzte Feeds steigern nicht zwangsläufig die Besucherzahlen

Die Idee ist, dass nun alle Leser, die vorher die Seite nur im Feed-Reader gelesen haben, jetzt auf die Seite kommen, um dort zu lesen. Ob das tatsächlich so läuft, darf wohl bezweifelt werden. Zum einen fällt eine gewisse Anzahl von Lesern weg, die keine gekürzten Feeds lesen wollen und daher den Feed direkt aus dem Reader gelöscht haben. Aber auch beim Rest ist fraglich, ob diese nun wirklich jeden Artikel anklicken?

Eher dürfte es doch darauf hinaus laufe, dass nur die Artikel im Feed angeklickt werden, die auch irgendwie neugierig machen. Artikel, die einen nicht direkt mit der Überschrift oder dann mit den ersten Zeilen fesseln, könnten „untergehen“, obwohl der restliche Artikel vielleicht wirklich interessant und lesens- bzw. kommentierenswert wäre.

3. Gekürzte Feeds sind unpraktisch

Ich konnte lesen, dass einige Menschen kurze Feeds sogar recht praktisch finden und eh immer nur die Überschriften lesen, um dann zu entscheiden, welche Artikel sie komplett auf der jeweiligen Seite lesen wollen.

Der überwiegende Teil dürfte die gekürzten Feeds jedoch eher unpraktisch finden. Würde jeder Blogbetreiber nur gekürzte Feeds anbieten, müsste man dutzende Tabs im Browser öffnen, um alle Blog-News lesen zu können. Oder man muss sie nacheinander öffnen und lesen. Was auf dem Computer noch mit ein wenig Aufwand möglich ist, wird auf den immer populärer werdenden mobilen Endgeräten -also in erster Linie den Handys- eine ziemlich frickelige Angelegenheit.

Dort springt man nicht so einfach zwischen mehreren Anwendungen hin und her. Auch gibt es immer noch Leute, die sich morgens vor dem Weg mit Bus oder Bahn zur Schule, Uni oder Arbeit die aktuellen Feeds herunterladen und so auf dem Weg zur Schule, Arbeit oder Uni lesen, ohne online sein zu müssen… ja, noch hat hierzulande nicht jeder eine Internet-Flatrate oder spezielle Daten-Tarife für sein Mobiltelefon. Auch solche Leute können mit gekürzten Feeds im Bus dann natürlich herzlich wenig anfangen.

4. Werbeeinnahmen können kein Argument sein

Es wird damit argumentiert, dass dieses Vorgehen notwendig ist, um die angesprochenen Werbeeinnahmen zu generieren. Dem kann man entgegenhalten, dass es durchaus möglich ist, Werbung auch einfach in den RSS-Feed einzubauen, wie es von so manchen Seiten auch praktiziert wird. Dazu heißt es dann nur, dass man dieses Verfahren getestet und für nicht gut befunden habe. Die Leute klicken im Feed nicht auf die angebotenen Werbebanner.

Das kann ich mir durchaus gut vorstellen. Aber: wer im Feed nicht auf Werbebanner klickt, der klickt auch auf der Seite selbst wohl kaum auf diesen Werbebanner, denn inhaltlich gibt es zwischen beiden keinen Unterschied.

Hier sind wir auch gleich beim nächsten Punkt: das Einblenden von Werbung wird nur selten vergütet, meist ist es notwendig, dass diese auch angeklickt wird. Ob ein Leser, der gezwungen ist, aufgrund eines gekürzten Feeds auf eine Seite zu kommen, aber nun unbedingt in der Laune ist, einen Werbebanner anzuklicken? Wohl kaum. Erst recht nicht, wenn er es auch im Feed schon nicht getan hat.

5. Werbe-Blocker

Zusätzlich kommt hinzu, dass eine Vielzahl der Menschen, die im Internet surfen, einen Werbeblocker im Einsatz haben dürfte. Diese User bekommen Werbebanner gar nicht zu Gesicht, egal, ob sie nun auf die Seite gezwungen werden oder nicht. Von diesen Usern sind dann auch keinerlei Einnahmen zu erwarten.

Nun kann man über Sinn und Unsinn solcher Werbe-Blocker natürlich vortrefflich streiten. Ich persönlich setze einen solchen Werbeblocker ein. Ansonsten würde ich auf manchen Seiten von Werbung schlichtweg erschlagen werden. Wenn ich jedoch bestimmte Seiten regelmäßiger lese und auf der Seite mit Werbebannern dezent umgegangen wird, dann deaktiviere ich für diese Seiten den Blocker durch einen Eintrag in die Whitelist. Wie genau dies geht, habe ich am Beispiel des wohl bekanntesten Werbeblockers, AdBlock Plus, hier bereits ausführlich dokumentiert. Gefällt mir ein Artikel auf einer Seite besonders gut, ist es in der Vergangenheit auch vorgekommen, dass ich „zum Dank“ dann auf einen der Werbebanner geklickt habe.

Insgesamt muss man aber realistisch festhalten, dass der Großteil der Werbeblocker-Nutzer diesen sicherlich für alle Seiten im Einsatz haben wird, ohne Ausnahmen. In Anbetracht der Verbreitung solcher Werbe-Blocker ist es fast schon fahrlässig, einzig oder in erster Linie nur auf diese Form der Einnahmen zu setzen. Diese Werbeblocker gibt es inzwischen lange genug, so dass diese Problematik nicht neu ist. Man muss sich als Webseiten-Betreiber, der mit seiner Seite wirklich Geld verdienen will, auch fexibel auf solche Dinge einstellen können.

6. Schutz vor Copyright-Verletzungen

In diesem speziellen Fall wurde es zwar nicht thematisiert, doch insgesamt wird beim Thema als Argument FÜR gekürzte Feeds häufig das Argument gebracht, dass die Feeds sonst „gekidnapped“ werden und auf anderen Seiten ausgegeben würden.

Dies ist tatsächlich möglich, allerdings kommt es -soweit ich das beurteilen kann- bei deutschsprachigen Feeds nur noch selten vor. Zwar gibt es Portale, die solche Feeds immer noch im Rahmen einer News-Sammlung darstellen, jedoch sind die Seiten inzwischen so seriös gestaltet, dass die Feeds auf den Seiten nur auszugsweise angezeigt werden. Zudem gibt es genügend Möglichkeiten, den eigenen Feed-Content mit Copyright-Hinweisen und digitalen Fingerabdrücken zu schützen bzw. im Netz problemlos aufzufinden, um ggf. gegen den Urheberrechtsverletzer vorgehen zu können.

7. Fazit

Man möge mich nicht falsch verstehen: selbstverständlich kann jeder Blog-Betreiber in seinem Blog tun und lassen, was er will, solange es nicht gegen das Gesetz verstößt. Und gerade bei Blogs, die NICHT privat geführt werden ist es logisch, dass dort auch irgendwie Geld eingenommen werden muss.

Sollte sich ein Betreiber vor diesem Hintergrund dazu entscheiden, dass er glaubt, seine unternehmerischen Ziele mit gekürzten Feeds zu erreichen, dann soll er dies gerne tun.

Allerdings muss man dann auch mit dem Echo aus der Community leben können. Wie bereits eingangs der Argumentation erklärt, ist ein Blog eben ein Medium, welches in beide Richtungen funktioniert, bei welchem man also auch an der Meinung seiner Leser interessiert ist (oder sein sollte) und sich dementsprechend auch damit auseinanderzusetzen hat. Im Nachgang einen Artikel zu verfassen, in welchem man die Kritiker als „Ehrenrunden-Könige“ beschimpft, die ausgestattet mit einer „Gratis-Mentalität“ nur konsumieren wollen, halte ich hierbei jedoch für wenig professionell. Dass es zu „Gegenwind“ kommen würde, muss doch jedem vorher klar gewesen sein, wenn es nicht sogar so beabsichtigt war!?!

Aber wie gesagt, ich will gar nicht zu spezifisch auf „Basic Thinking“ eingehen, da ich mich mit diesem Blog seit jeher zu wenig befasse. Eher wollte ich mit diesem Beitrag deutlich machen, dass ich zwar grundsätzlich Verständnis dafür habe, wenn ein Blog-Betreiber seinen Blog monetarisieren will, um Geld damit zu verdienen. Allerdings muss es dann auch erlaubt sein, die jeweils eingeschlagenen Wege entsprechend kommentieren zu dürfen.

Und die Kürzung von RSS-Feeds halte ich persönlich, aus den oben dargestellten Gründen, schlichtweg für Unsinn, der auf der einen Seite dem Ziel von zusätzlicher Generierung von Einnahmen wohl kaum gerecht wird, zum anderen aber eine nicht zu unterschätzende Zahl von Lesern vor den Kopf stößt, was im schlimmsten Fall zu negativer Publicity führt, die sich noch zusätzlich negativ auf Werbeeinnahmen auswirken kann.

Wie ist denn eure Meinung zu RSS-Feeds? Stören euch die gekürzten Versionen auch? Oder könnt ihr ihnen vielleicht sogar etwas positives abgewinnen, was ich bei meinen Ausführungen nicht bedacht habe?


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