Songtexte twittern bald kostenpflichtig?

Foto: Thommy Weiss & Gerd Altmann / pixelio.de
Wenn es um -mal mehr, oftmals aber leider auch weniger sinnvolle- Entscheidungen im Bezug auf Urheberrechte und deren Verletzungen geht, dann gehen die ersten Gedanken zumeist in die USA, von wo aus schon so manch abstruse Idee gestartet wurde. Auch hier aus Deutschland sowie einigen anderen europäischen Staaten ist man da inzwischen einiges gewohnt.
Aber auch auf dem Rest der Welt haben Mitarbeiter von Firmen, die sich für das geistige Eigentum diverser Künstler einsetzen wollen, “interessante” Denkansätze. Ein neuer solcher Ansatz kommt nun beispielsweise aus Japan, wo eine solche Vereinigung zum Schutz geistigen Eigentums namens JASRAC auf die Idee gekommen ist, dass das Zitieren von Song-Texten (Lyrics) auf Twitter ja eigentlich eine Verletzung von Urheberrechten darstellt, da die Künstler, deren Songs hier öffentlich zitiert werden, kein Geld dafür sehen.
Was zunächst wie ein grotesker Aprilscherz aussieht, ist tatsächlich ernst gemeint. Wie bei Mc Clurs Asia Music News nachgelesen werden kann, bestanden in Japan zunächst aufgrund von panischen Meldungen bei Bekanntwerden dieser Überlegungen die Ängste bei japanischen Twitterern, dass diese künftig für derlei Zitate nachträglich zur Kasse gebeten werden könnten.
Immerhin dieser Ansatz wurde inzwischen von der JASRAC dementiert. Vielmehr prüfe man intern momentan die Möglichkeiten bzw. die Rechtslage, ob man von den Plattform-Inhabern, also den Betreibern von Twitter, nicht entsprechende Zahlungen einfordern könne.
Doch ganz egal, wo man sich das Geld für die Aktion letztlich holen möchte, sollte man sich den Kern der Überlegungen mal deutlich auf der Zunge zergehen lassen:
Da soll Geld gezahlt werden, wenn jemand bei Twitter, wo die Meldungen auf max. 140(!) Zeichen begrenzt sind, Ausschnitte aus einem Song-Text zitiert!?!
Ich kann mich noch gut an die Zeit erinnern, wo nach und nach die Seiten ausstarben, die Song-Texte in ihren Datenbanken bereit hielten, weil es zu entsprechenden Abmahnungen durch die Content-Industrie gekommen war. Natürlich lag das Recht am Text beim jeweiligen Urheber / Künstler und dessen Einverständnis zur Veröffentlichung des Textes auf einer Website lag höchstwahrscheinlich nur in den seltensten Fällen vor. Aber: wir reden hier nicht über den Download von MP3-Dateien, sondern lediglich über die Bereitstellung der nackten Song-Texte.
Von wem wurden solche Seiten denn genutzt? Von bösen Raubkopierern, die sich das Geld für die CD gespart hatten und den Text nun unter der Dusche selbst gesungen haben? Wohl kaum. Eher von Fans, die das Lied ihres Lieblingsstars gern mitsingen wollten oder von Personen, die sich einfach für den Text interessierten, die vielleicht englisch besser lesen als hören können. Kurzum: ich glaube, dass dieses Vorgehen damals schon ein ziemlicher Schritt in die falsche Richtung war.
Und die jetzigen Überlegungen der JASRAC würden dem, sofern die Pläne entsprechend konkretisiert und umgesetzt werden, sogar noch einen draufsetzen., eben da die Nachrichten bei Twitter auf 140 Zeichen beschränkt sind und somit Lyrics allenfalls auszugsweise angeschnitten werden könn(t)en.
Was mag wohl dann passieren, wenn man einen Satz twittert, der zufällig auch Bestandteil eines Songs ist? Soll ja durchaus vorkommen, auch im deutschsprachigen Raum. Oder wird das umgekehrt irgendein findiger, aber finanziell arg gebeutelter Künstler ausnutzen, um sich die Taschen wieder zu füllen, indem er schnell ein paar Lieder veröffentlicht, in denen die am häufigsten genutzten deutschsprachigen Sätze udn Floskeln genutzt werden?
Was meint ihr zu den JASRAC-Überlegungen? Völlig durchgeknallt? Oder könnt ihr das vielleicht sogar nachvollziehen? Ich bin auf eure Meinungen gespannt.
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bisherige Kommentare: 49
Hm, ich könnte ja mal einen Twittersong schreiben, den Text schützen lassen und dann die eigentlichen Urheber verklagen… müßte doch eigentlich gehen, oder? *grübel*
Ich meine, ich bin schon fast abgemahnt worden, weil ich meine eigenen Songtexte auf meiner homepage habe. Die GEMA und andere Verwertungsgesellschaften sind echt nicht mehr meine Freunde…
Irgendwo kann man es auch übertreiben – wobei die Urheberrechte natürlich weiterhin geschützt gehören.
bisherige Kommentare: 49
Noch ein nachtrag: Ein tweet ist wohl ein Kleinzitat. Und laut Wikipedia “(…) Daher wird erwartet, dass der Urheber diesen relativ geringen Eingriff in sein Verwertungsrecht hinzunehmen hat.”
dat wird wohl nix mit der Idee
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Solche Ideen sind wie immer der Totale Schrott. Immerhin ist die Gefahr, wie du bereits schriebst sehr groß das irgend ein Möchtegern einen text mit alltäglichen Floskeln veröffentlicht.
Es sind halt die großen Firmen welche Angst haben das “ihre” Ideen und Potenzialle “gestohlen” werden.
Das die eigentlichen Eigentümer der Songs, meistens durchaus solche Projekte wie Lyrikwebseiten begrüßen, vergessen diese Firmen leider zu oft.
Ich würde mich freuen, wenn die Künstler mehr ihre Vermarktung selbst in die Hand nehmen würden, dann wäre sicher das Problem, Musik allein als Geldzweck zu sehen, sicher bald behoben.
fg
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Es wird immer schlimmer um Kampf ums Geld und das wird noch lange nicht das Ende sein. Es ist einfach nur noch traurig
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@Broken Spirits
So würde ich das prinzipiell auch sehen. Allerdings gibt es möglicherweise im japanischen Recht noch einige andere Regelungen -eben zumindest bezogen auf Japan-, von denen ich nichts weiß… japanisches Recht ist nicht unbedingt mein Steckenpferd^^
@Nargilem
Zumal das Internet heutzutage mit seinen zahllosen Video- und Musikportalen ja auch durchaus eine Bühne bietet, durch die man als Künstler mit der breiten Masse in Kontakt treten kann. Aber ich fürchte, letztlich verlassen sich auch die Künstler lieber auf das klassische Vermarktungsmodell mit dem starken Label im Rücken, welches große Anzeigen schalten kann.
@Sven
Vor allem, wenn es solch grotesken Formen annimmt.
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Ich würde dieser JASRAC ja gern zurufen: “Tu das nicht!” (Die Ärzte, “Tu das nicht”) – Aber ich würde wohl höchstens zur Antwort bekommen: “Das bedeutet Krieg!” (Farin Urlaub, “Krieg”)
Ich bin ja der Meinung, dass das Urheberrecht nicht verschärft, sondern eher seine Anwendung teilweise etwas gelockert (bzw. kulanter gehandhabt) gehören würde, v.a. dann wenn man bei Fan-Videos oder eben Lyrics-Webseiten absolut keine böse Absicht erkennen kann.
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@Jü
Ich lasse deinen Kommentar mit den Zitaten jetzt mal so drinstehen. Du bist schuld, wenn ich dafür kostenpflichtig abgemahnt werde
Ernsthaft: es würde sicherlich zu besseren Ergebnissen führen, wenn man an die Thematik -wie von dir angesprochen- mit dem nötigen Fingerspitzengefühl herangeht. Wo der Schaden liegen soll, wenn ein Fan auf seiner Seite über “seinen” Star berichtet und vielleicht Song-Texte veröffentlicht, ist wirklich nur schwer zu sehen. Das könnte man wohl besser unter dem Begriff Fan-tum oder Werbung behandeln.
Leider scheint es aber so, dass der Zug der kulanten Handhabung bereits vor langer Zeit abgefahren ist
bisherige Kommentare: 49
ohoh…oh… Deine Antwort auf @Nargilem würde ich so nicht stehen lassen. Es gibt genug (prominente) Beispiele, die das ganz anders sehen und die sich auch richtig Ärger eingehandelt haben mit den Plattenfirmen, weil sie eher an die Fans gedacht haben als an den Profit. Metallica ist da unter den großen eine unrühmliche Ausnahme.
Gerade kleinere Bands (ich zum Beispiel
) oder neue, gerade bekannt werdende Bands (da gehöre ich nicht zu
) sehen das etwas anders.
Für diesen kommentar ist das zu ausführlich, wäre aber für mich durchaus mal ein interessanter Blogeintrag. Gerade weil man recht viel recherchieren muß. Ich mag sowas ja eigentlich, aber die Zeit, die Zeit…. wann soll ich da noch Musik machen?
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Also in meinen Augen ist das einfach nur “Kleinkarriert”. Wie soviel in letzter Zeit.
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Hi Sascha,
leider muss man sehr aufpassen in Bezug auf: was man sagt, was man einbindet, wen man verlinkt usw.
Den Gipfel dieser Ergüsse, sah ich neulich in einer Reportage. Da sollten Kindergartenkinder ernsthaft für das Vortragen von Weihnachtsliedern, Gema zahlen. Also, das schlägt dem Fass wirklich den Boden aus. Krass!
Guter Artikel
Gruß
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@Broken Spirits
Klar gibt es auch andere Beispiele und einige zeigen ja auch durchaus, dass das Internet tatsächlich erfolgreich als solche Plattform genutzt werden kann. Insgesamt macht das aber wohl nur einen kleinen Teil aus. Aber wie du schon schreibst, kann das bei der kommenden Musiker-Generation ja schon ganz anders aussehen
Die Zeit für einen entsprechenden Artikel solltest du dir nehmen, das könnte wirklich interessant sein. Muss ja nicht von heute auf morgen fertig werden.
@Nila
Und mit jedem mal reitet man sich damit noch tiefer rein und setzt sich unter Druck, beim nächsten mal noch kleinkarierter zu Werke zu gehen
@Erdbeere
Das ist wirklich mal ein krasses Beispiel. Ich würde so etwas ja unbedenklich unter dem Begriff “allgemeines Kulturgut” führen und mir gar keine Gedanken dazu machen… aber wenn man bei der GEMA arbeitet, gehört möglichst absurdes um-die-Ecke-denken wohl zur Einstellungsvoraussetzung dazu^^
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Unglaublich. Bald will die Gema noch Geld von uns, wenn wir unter der Dusche singen
Gruß
Fulano
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Wenn ich immer solche “Urheberrecht” Meldungen lese, denke ich das die dann doch lieber gleich das ganze Internet abschalten sollten um das “Urheberrecht” von & in keinster Weise zu verletzten.
Letzendlich gehts doch gar net um das eigentliche “Urheberrecht” sondern vielmehr nur darum, die eigenen Kassen zu befüllen.
Das schlimme daran ist, das das in den nächsten Jahren wohl noch schlimmer wird (dann zie i den Stecker)
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@Fulano
Wobei man der Fairness halber ja sagen muss, dass im vorliegenden Fall die GEMA mal nicht ihre Finger im Spiel hat.
Ich sehe die entsprechenden Mitarbeiter schon an den Haustüren lauschen
@Papa Schlumpf
Ach, selbst wenn man das Netz abschalten würde, würden die noch genug neue Einnahmequellen erschließen. Ich kann mich noch daran erinnern, wie die Diskussion aufkam, ob denn nicht Handyklingeltöne auf der Straße ein öffentliche Aufführung eines Musikstücks darstellen würden, was dann entsprechen zu vergüten wäre!! Unglaublich!
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@Fulanos Worte – nur wenn Dir unter der Dusche jemand zuhört!
Prinzipiell denke ich aber auch, dass diese 140 Zeichen nicht diese tolle juristische, ausreichende Schöpfungshöhe erreichen, um geschützt zu sein.
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Schon damals das mit den Songtextseiten war unglaublich! Und diese neue Idee zeigt einmal mehr wie realitätsfern die Musikindustrie eigentlich lebt. Unglaublich was da vor sich geht. Aber die (vermeintlich) sinkenden Einnahmen haben natürlich nichts mit Missmanagement zu tun, nein! Das kann nur an externen Dingen liegen. Alles was diese Industrie im letzten Jahrzehnt geschafft hat, ist, Fans zu vergraulen und sich immer weiter lächerlich zu machen. Ich freu mich schon auf die Zukunft, in der wir nicht mehr mit soner Scheiße überschwemmt werden, die dann auch noch als Massenphänomen bezeichnet wird, nur weil sie in den Charst steht.
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@Marc
Da gebe ich dir absolut recht… auch wenn mancher Profi-Twitterer das mit der Schöpfungshöhe bei 140 Zeichen vielleicht sogar anders sehen würde
@Schaps
Klare Worte, das finde ich gut. Um den heißen Brei herumreden ist einfach nicht deine Sache
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“Oder wird das umgekehrt irgendein findiger, aber finanziell arg gebeutelter Künstler ausnutzen, um sich die Taschen wieder zu füllen, indem er schnell ein paar Lieder veröffentlicht, in denen die am häufigsten genutzten deutschsprachigen Sätze udn [sic] Floskeln genutzt werden?”
Na das wär ja mal eine gute Idee. Ob das irgendwo auf der Welt klappen würde?
Na auf jeden Fall ist die ganze Sache wirklich Schwachsinn.
“Ich kann mich noch gut an die Zeit erinnern, wo nach und nach die Seiten ausstarben, die Song-Texte in ihren Datenbanken bereit hielten, weil es zu entsprechenden Abmahnungen durch die Content-Industrie gekommen war.”
Sowas gab es? Also ich finde Songtexte problemlos…
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@SailorBusch
Och, mir würde da spontan ein Land der unbegrenzten Klage-Möglichkeiten einfallen, wo man mit der Masche gewiss Geld herausschlagen könnte
Und ja, dieses Vorgehen gegen Lyrics-Seiten gab es früher mal sehr stark. Ich nehme an, seit der massiven Verbreitung von MP3s kräht da allerdings kaum noch ein Hahn nach. Damals sind sogar manche deutschen Fan-Seiten abgemahnt worden, wo Minderjährige ihrem Star einfach “huldigen” wollten und neben Bildern, die sie nicht verwenden durften auch Song-Texte abgedruckt hatten, was ihnen ebenfalls zur Last gelegt wurde. Was man bei den Bildern ggf. noch nachvollziehen mag, kann man bei den Songtexten wohl nur noch schwerlich verstehen.
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