Verwaltungs-Irrsinn – wenn zwei sich streiten… freut sich kein Dritter

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Mönchengladbach ist eine Stadt, der es finanziell -wie so vielen Städten heutzutage- nicht besonders gut geht. Die Verwaltung ist gezwungen, an allen Ecken und Enden zu sparen, so dass zur Zeit viele Projekte, die eigentlich dringend gefördert oder in Angriff genommen werden müssten, nicht umgesetzt werden können.

Das zeigt sich dann in Kindergärten und Schulen, denen eine Sanierung gut zu Gesicht stünde, man sieht es an Straßen, die -wenn überhaupt- nur notwendig „geflickt“ werden können und letztlich auch in städtischen Verwaltungsorganen, die aus Gründen von Einsparungen nur temporär oder zu schwach besetzt sind.

Die Gründe für die Misere sind gewiss vielfältig und sollen an dieser Stelle gar nicht weiter thematisiert werden. Es sollte nur aufzeigen, dass das Geld in der Stadtkasse momentan äußerst knapp ist und die Stadt zu Einsparungen in so ziemlich jedem Sektor gezwungen ist.

Umso erstaunlicher ist es, wenn man dann im Regionalteil der RP lesen muss, wie das Geld teilweise förmlich zum Fenster hinausgeworfen wird. Nein, es geht hier nicht um Politiker, die sich die eigenen Taschen füllen. Der Fall ist viel skurriler, da die Stadt eigentlich nur gute Absichten hat… wenngleich man über die Umsetzung dennoch nur den Kopf schütteln kann:

Die Stadt Mönchengladbach hat einen 30 Hektar großen Park, genannt der „Bunte Garten“. Der Name ist durchaus passend, denn neben bunten Blumenbeeten bietet der Park eine vielfältige, bunte Mischung thematisch entsprechend gestalteter Ecken, z.B. den Stein-, Apotheker- oder auch -für Blinde- den Duft- und Tastgarten-Bereich.

So ein Park will natürlich auch gepflegt werden. Wird er auch. Unter anderem von einem weiblichen und einem männlichen Mitarbeiter, die sich ein Büro dort teilen. Das Problem ist, dass sich diese beiden irgendwann einmal, es ist laut RP schon Jahre her(!), ziemlich in die Haare bekommen haben und den Streit seither nicht beilegen konnten. Dummerweise sind die beiden zwar häufig getrennt voneinander im Park beschäftigt, trafen sich aber auch immer wieder im Büro, so dass es dort mächtig Krach gab.

Nun mag man sich an der Stelle bereits fragen, ob zwei erwachsene Menschen tatsächlich nicht fähig und in der Lage sind, nach Jahren einen Streit beizulegen. Andererseits weiß man ja aus diversen Nachbarschaftsstreitigkeiten, wie verbissen manche Menschen das nach einer Zeit sehen. Da ist der Grund des Streites oft gar nicht mehr bekannt, man streitet sich vielmehr einfach deswegen, weil man es einfach nicht mehr anders kennt.

Die Stadtverwaltung versuchte das Problem salomonisch zu lösen, indem die Mitarbeiterin in ein leerstehendes Dachgeschoss-Büro eines nahegelegenen Verwaltungsgebäudes umquartiert wurde. Da hatte aber die Berufsgenossenschaft -wohl auch aufgrund von Brandschutzbedenken- etwas dagegen.

Also wurde die Mitarbeiterin erneut umquartiert, wieder in ein städtisches Bürogebäude, so dass keine neuen Mietkosten entstanden. Das Büro war allerdings 1km vom Park entfernt. Eigentlich keine schlimme Sache, 1km ist ja nicht die Welt, das ließe sich sogar zu Fuß noch problemlos zurücklegen. Das sahen die Vorgesetzten der Mitarbeiterin aber anders, weswegen sie von der Verwaltung verlangten, dass eine andere Lösung herbeigeführt werden müsse.

Die kam dann auch: für die Mitarbeiterin wurde ein Container-Büro in der Nähe des Bunten Gartens aufgestellt. Und da Energiesparen ja momentan in aller Munde ist, wurde nicht einfach irgendein Container gewählt, sondern ein extra wärmegedämmtes Exemplar… auch wenn die Mitarbeiterin nur phasenweise in diesem Container weilt. Kostenpunkt für diese Maßnahme: schlappe 53.100 Euro!

Für das Geld hätte man der Dame auch einfach für viele Jahre ein kleines Büroräumchen in der Nähe des Gartens anmieten können. Oder ihr ein Fahrrad spendieren können, mit dem sie den unheimlich weiten Kilometer vom anderen Büro zum Park hätte zurücklegen können.

Zum Vergleich: wenn ich meine alte Schule besuche, muss ich feststellen, dass die Schüler inzwischen auf manchen Gängen den dort stehenden Plastikeimern ausweichen müssen, die dort aufgestellt wurden, da kein Geld da ist, um das Dach abzudichten! Auf der anderen Seite werden über 50.000 Euro rausgeworfen, weil sich zwei erwachsene Menschen auf der Arbeit nicht vertragen, gegenseitig ignorieren oder wenigstens aus dem Weg gehen können.

Wenn man die beiden Dinge mal gegenüberstellt, wird es schon irgendwie besonders ärgerlich, oder? Noch ärgerlicher für so manchen Bürger war es dann, als er lesen durfte, dass die Dame sich wohl ohne Absprache mit Vorgesetzten eigenmächtig Möbel gekauft hatte… natürlich auf Kosten der Stadtkasse. Dies war für sie ohne Folgen geblieben, weil Vorgesetzte den Kauf nachträglich genehmigten – ein fader Beigeschmack bleibt natürlich trotzdem.

Nach der öffentlichen Berichterstattung und dem damit einhergehenden Unverständnis bei Großteilen der Bürger, hat die Verwaltung inzwischen beschlossen, den Container nicht anzuschaffen und den Auftrag zu stornieren. Welche Kosten dennoch entstehen, ist bislang unklar.

Tja, und alles nur, weil sich da zwei Menschen nicht vertragen können. Ich weiß nicht, wie es euch da geht, aber ich muss immer noch mit dem Kopf schütteln.

Habt ihr in eurer Umgebung auch solche Erfahrungen gemacht, wo sich nicht irgendjemand Geld in die eigenen Taschen wirtschaftet, sondern wo Geld einfach förmlich verschwendet wird?


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