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Dez/09

23

Harmonie zu Weihnachten – Zeichen der Besinnung oder künstlicher Unsinn?

Vor einigen Tagen hat sich Michaela auf ihrem Blog mal ein wenig Luft gemacht und sich über die Heuchelei unterm Weihnachtsbaum aufgeregt. Sie hat dort insbesondere die “gespielte Freundlichkeit und gedrungene Fröhlichkeit im Kreise der Familie” angeprangert:

Mitgefühl und Anteilnahme wird geheuchelt. Alle machen einen auf heile Welt. Wir haben uns plötzlich lieb und das auf Knopfdruck. Pflichtgeschenke werden verteilt und es wird ein Gesicht der Freude aufgelegt.

Ganz Unrecht hat sie mit dieser Behauptung tatsächlich nicht. Es ist ja wirklich in der Vorweihnachtszeit spürbar, wie plötzlich allen daran gelegen ist, Harmonie zu zelebrieren sowie Liebe und Freude zu versprühen.

Dennoch bin ich, nachdem ich mir einige Tage Gedanken zu dem Thema gemacht habe, die dann letztlich zu diesem Artikel hier führten, für mich persönlich zu dem Schluss gekommen, dass ich mit dem Verhalten der Menschen in der Vorweihnachtszeit weniger hart ins Gericht gehen möchte, auch wenn Michaela im Kern sicherlich Recht hat. Gerne möchte ich meine Einstellung hier auch darlegen und begründen.

Ich bin einfach der Ansicht, dass die Menschen sich nicht absichtlich “verstellen” oder im Angesicht der Weihnachtszeit absichtlich eine “positive Maske” aufsetzen wollen. Es passiert einfach… und ich finde es noch nicht einmal schlimm oder schlecht!

In meinen Augen ist dieses plötzlich in der Weihnachtszeit zur Schau gestellte Bedürfnis nach Liebe, Harmonie, Frieden und Glück und das damit einhergehende Verhalten der Menschen einfach etwas, das entsteht, weil die Menschen sich in der Weihnachtszeit -endlich(!)- einmal im Jahr ein wenig Zeit nehmen, um sich auf sich und ihr Umfeld zu besinnen.

Selbstverständlich könnte man das jederzeit im Jahr tun und wahrscheinlich wäre es auch tatsächlich besser, wenn man dies mehrfach im Jahr täte. Aber wie so oft brauchen die Menschen schlichtweg bestimmte Ereignisse, um in eine spezielle Stimmung zu kommen oder sich über bestimmte Dinge Gedanken zu machen. Da muss erst ein Robert Enke sich selbst das Leben nehmen, damit man sich in der breiten Öffentlichkeit -natürlich nur für einen begrenzten Zeitrahmen- bewusst mit dem Problem der Krankheit “Depression” auseinandersetzt. Da musste vor einigen Jahren erst eine Jahrhunderflut halb Ostdeutschland überschwemmen, damit das Volk gemeinsam zusammenrückt und ohne über Geldsorgen zu jammern Solidarität zeigt.

Und genauso muss es halt alljährlich immer erst Weihnachten werden, damit sich der Großteil der Menschen mal eine kurze Auszeit vom hektischen Alltag nimmt, um über sich und seine Umwelt zu sinnieren, und um zu merken, dass sowohl Körper als auch Seele etwas Harmonie und Frieden brauchen, um daraus Kraft und positive Energie zu gewinnen.

Natürlich übertreiben es auch hier wieder einige und lassen das Harmoniestreben in Stress ausarten, aber im Kern bin ich der Ansicht, dass es der überwiegende Teil der Menschen zur Weihnachtszeit schon ehrlich meinen, wenn sie plötzlich einfach etwas sentimentaler sind. Das merkt man ja auch deutlich an der zu dieser Zeit erhöhten Spendenbereitschaft der Menschen.

Selbstverständlich wäre es schön, wenn diese Einstellung nicht immer nur zu Weihnachten so offen in der breiten Öffentlichkeit zelebriert würde, sondern sich dies durch das Jahr hindurchziehen würde. Dem ist aber nicht so, damit müssen wir einfach leben. Jeder einzelne kann ja gerne versuchen, es im Verlauf des Jahres anders zu handhaben und sich seine persönlichen Harmonie-Oasen schaffen. Gesund ist dies bestimmt.

Allerdings bin ich der festen Überzeugung, dass es kaum jemand schafft, diese Einstellung dauerhaft im Jahr aufrecht zu erhalten. Dazu sind die Hektik und der Stress des Alltags zumeist schlichtweg zu omnipräsent. Von daher finde ich es schön, dass man sich wenigstens zur Weihnachtszeit den Luxus gönnt, sich eine Auszeit vom hektischen Alltag zu nehmen und etwas mehr Harmonie zu gönnen.

Klar wirkt das dann irgendwie wie “auf Knopfdruck”, aber wenn die meisten Menschen nun einmal ein bestimmtes Datum oder Ereignis brauchen, um eine Besinnung zu vollziehen, dann ist das nur menschlich. Ich kann den Leuten da jedenfalls nicht böse sein, sondern bin froh, eine gesteigerte positive Atmosphäre im gesamten Land wenigstens zu Zeiten wie Weihnachten erleben zu dürfen.

Und somit wünsche ich euch allen nun ein frohes und tatsächlich besinnliches Weihnachtsfest, in welchem ihr nicht nur ständig darauf bedacht sein solltet, gegenüber der Familie auf Knopfdruck “einen auf Frieden und Harmonie zu machen”. Gönnt euch stattdessen zunächst auch mal ein wenig Ruhe und Zeit für euch selbst, dann kommt die “echte” Harmonie von ganz allein ;) Und die kann man dann natürlich auch wunderbar im Kreise der Familie von Herzen teilen.



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13 Rückmeldungen zu Harmonie zu Weihnachten – Zeichen der Besinnung oder künstlicher Unsinn?

Kommentare

Magrat | 23. Dezember 2009 um 13:30 Uhr
bisherige Kommentare: 136

Meine Einstellung dazu ist sehr.. ambivalent. Einerseits kann ich mich diesem “Weihnachtsding” und dem einen oder anderen sentimentalen Gefühl nicht entziehen, andererseits sehe ich es größtenteils so, wie die Michaela es beschreibt.

Ich mag es nicht, wenn jedes Jahr auf’s Neue die Großeltern anfangen, sich gegenseitig verrückt zu machen: Wer besucht wen an welchem Tag und was gibt es zu essen?!

Wenn es nach mir ginge, ich könnte auf das ganze Theater verzichten. Aber nach mir geht es nicht, deshalb findet auch bei uns ein mehr oder weniger “traditionelles” Weihnachtsfest statt, wenngleich in abgespeckter Version, quasi “Weihnachtsfest Elements” statt “Weihnachtsfest Extended” ;-)

Und zu sehen, wie sich die drei Rüben freuen, wenn endlich der große Tag gekommen ist, naja, das versöhnt mich dann wieder etwas…

In diesem Sinne: auch dir, Sascha, ein schönes Weihnachtsfest!
:)

Gucky | 23. Dezember 2009 um 14:54 Uhr
bisherige Kommentare: 82

Ich bin kein gläubiger Christ… nicht mehr. Obwohl ich römisch-katholisch getauft bin und in diesem Sinne erzogen wurde.
Da Weihnachten – und das vergessen viele oder es wird nicht mehr wahrgenommen – ein christliches Fest ist (die Geburt von Gottes Sohn), gibt mir das nix weil ich eben nicht mehr dran glaube.
Wenn ich allerdings kleine Kinder hätte (mein Sohn ist erwachsen und hat selbst schon wieder ein Kind bzw. seine Frau :-) ), würde ich ihnen den Zauber von Weihnachten den ich als Kind erleben durfte, nicht nehmen und so tun als ob…
Genauso möchte ich keinem anderen Menschen das Weihnachtsfest vermiesen. Ich mache die üblichen Wünsche und die kommen sogar von Herzen, aber für mich persönlich gibt es an Weihnachten nix zu feiern !
Natürlich hast du recht, daß man abseits von dem religiösen Aspekt einfach mal zur Besinnung kommen kann und soll.
Ich selber habe durch meine finanzielle Situation nix zu verschenken. Trotzdem schenken mir meine Freunde was obwohl sie wissen, daß sie außer meiner Dankbarkeit nix zurückbekommen.
Vielleicht kann ich das an anderer Stelle und zu einer anderen Zeit (außer Weihnachten) mal wieder gut machen mit etwas, was ich kann aber was für mich kein Geld kostet sondern nur etwas meiner Zeit.
Also was ich letzendlich meine, daß man freundlich und hilfsbereit das ganze Jahr sein kann und nicht nur an Weihnachten.
Und nicht zuletzt ist es gerade am Weihnachtsfest, wo die Psychiatrien voll sind und viele Menschen sich umbringen.
Und vom Frieden auf Erden sind wir ja auch noch weit entfernt… :shock:

Gucky | 23. Dezember 2009 um 15:00 Uhr
bisherige Kommentare: 82

Ach noch vergessen… und ich möchte dir auch ein schönes Weihnachtsfest wünschen… :D

rundumkiel | 23. Dezember 2009 um 16:21 Uhr
bisherige Kommentare: 12

Ein wirklich schöner Beitrag mit gut reflektierter Sicht. Ich stimme zu. Tatsächlich besinnen sich viele Menschen in der Weihnachtszeit einmal auf Werte, die den Rest des Jahres keine so große Rolle für sie spielen. Aber einmal ist ja bekanntlich besser als keinmal. Also: Seien wir gnädig… Ich wünsche dir ein frohes und schönes Weihnachtsfest… LG von rundumkiel

Arven (Michaela) | 23. Dezember 2009 um 21:10 Uhr
bisherige Kommentare: 24

Lieber Sascha,
Für dich und deine Lieben ein tolles Weihnachtsfest. Viele besinnliche Stunden und wunderschöne Augenblicke…

Lieben Gruss, Michaela

Sascha | 24. Dezember 2009 um 00:10 Uhr
bisherige Kommentare: 1279

@Frau Magrat
Ob man sich verrückt machen lässt, bleibt ja jedem selbst überlassen. Wenn sich andere in der Familie bei uns verrückt machen, können sie das gerne tun, wir gehen das Fest bei uns dafür sehr entspannt an… wer wen zum Essen besucht, ist natürlich immer ein gewisses Problem, aber dafür hat sich bislang noch jedes Jahr eine Lösung gefunden :D

@Gucky
Du hast natürlich recht, dass Weihnachten vom Ursprung her ein christliches Fest ist. Aber ich denke, das hat sich im Laufe der Zeit -wie so viele Feste- verselbstständigt, so dass man auch als “Nicht-Christ” Weihnachten in gewissem Rahmen feiern kann. Natürlich nicht im Hinblick auf die Geburt Christi, und nach Möglichkeit auch nicht einfach nur im Hinblick auf das “Kommerz-Weihnachten”, sondern eben als Möglichkeit für jeden einzelnen von uns, einmal in Ruhe durchzusatmen, das Jahr Revue passieren zu lassen und sich auf sich selbst zu besinnen… dafür muss man ja kein gläubiger Christ sein ;)

Natürlich verkenne ich nicht, dass das Fest inzwischen vom Kommerz “durchtränkt”, aber das sind Dinge, die mit dem besinnlichen Teil ja gar nix zu tun haben und auf die man sich nicht einlassen muss, wenn man nicht will/kann. In unserer Familie praktizieren wir das seit einigen Jahren sehr erfolgreich mit dem Nicht-Beschenken – und es klappt! Hat sogar den Vorteil, dass man viel entspannter durch die Vorweihnachtszeit kommt :)

@rundumkiel
Danke für die Bestätigung. Wobei es natürlich schöner wäre, wenn sich die Leute auch im restlichen Jahr entsprechend verhalten würden. Manchmal reicht es, wenn man es den Leuten zwischendurch einfach mal bewusst macht.

@Arven
Vielen Dank, wünsche ich euch allen natürlich auch :)

Uwe | 24. Dezember 2009 um 12:26 Uhr
bisherige Kommentare: 10

Frohes Fest und geruhsame Tage, bis das neue Jahr eintrifft! :)

plerzelwupp | 24. Dezember 2009 um 12:38 Uhr
bisherige Kommentare: 137

Auf den ersten Blick könnte man das so deuten – das ist sicherlich nicht ganz von der Hand zu weisen.
Allerdings sehe ich den “Zweck” von Weihnachten anders. Denn gerade in unserer hektischen und betriebsamen Welt soll “Mitgefühl, Anteilnahme, heile Welt und Liebe” nicht vorgeheuchelt, sondern bezweckt werden. Zwei Tage des Besinnens.

In diesem Sinne wünsche ich auch Dir, deiner Familie, deinen Lieben und Deinen Besuchern “frohe Weihnachten”

Thomas | 24. Dezember 2009 um 15:02 Uhr
bisherige Kommentare: 17

Sehr guter Beitrag! Weiter will ich dazu gar nicht ausholen, Du hast es auf den Punkt gebracht.

Frohe Weihnacht Dir und Deiner Familie.

Sascha | 24. Dezember 2009 um 15:37 Uhr
bisherige Kommentare: 1279

@Uwe
Und das geht bekanntlich schneller als man denkt^^

@plerzelwupp
Noch schöner wäre es natürlich, wenn Mitgefühl und Anteilnahme -zumindest ein kleiner Teil hiervon- dann auch mit ins neue Jahr “herüber gerettet” werden könnten, so dass man sich für den Alltag ein klein wenig dieser Haltung bewahrt.

@Thomas
Manchmal liegt erst in der Kürze die rechte Würze. Danke :)

Daniel | 25. Dezember 2009 um 01:04 Uhr
bisherige Kommentare: 2

Ich wünsche dir eine frohe und schöne Weihnachtszeit!

Michaela | 25. Dezember 2009 um 08:27 Uhr
bisherige Kommentare: 14

Hallo Sascha,

vielen lieben Dank für die schöne Weihnachtskarte. Meine Familie und ich haben uns wahnsinnig darüber gefreut. Freut mich auch, dass mein Artikel zum nachdenken anregt und Danke für die Erwähnung. :)

Ich wünsche Dir und Deinen Lieben frohe Weihnachten und schöne restliche Festtage.

Liebe Grüße,
Michaela & Familie

Sascha | 25. Dezember 2009 um 17:21 Uhr
bisherige Kommentare: 1279

@Daniel
Danke… und schön, dass ich dich hier nun auch als Kommentator begrüßen darf :)

@Michaela
Nichts zu danken, die Karte war nach dem netten “X-Mas-Survival-Paket”, welches ich von dir erhalten habe, ja wohl das Mindeste ;)

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