Harmonie zu Weihnachten – Zeichen der Besinnung oder künstlicher Unsinn?

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Vor einigen Tagen hat sich Michaela auf ihrem Blog mal ein wenig Luft gemacht und sich über die Heuchelei unterm Weihnachtsbaum aufgeregt. Sie hat dort insbesondere die „gespielte Freundlichkeit und gedrungene Fröhlichkeit im Kreise der Familie“ angeprangert:

Mitgefühl und Anteilnahme wird geheuchelt. Alle machen einen auf heile Welt. Wir haben uns plötzlich lieb und das auf Knopfdruck. Pflichtgeschenke werden verteilt und es wird ein Gesicht der Freude aufgelegt.

Ganz Unrecht hat sie mit dieser Behauptung tatsächlich nicht. Es ist ja wirklich in der Vorweihnachtszeit spürbar, wie plötzlich allen daran gelegen ist, Harmonie zu zelebrieren sowie Liebe und Freude zu versprühen.

Dennoch bin ich, nachdem ich mir einige Tage Gedanken zu dem Thema gemacht habe, die dann letztlich zu diesem Artikel hier führten, für mich persönlich zu dem Schluss gekommen, dass ich mit dem Verhalten der Menschen in der Vorweihnachtszeit weniger hart ins Gericht gehen möchte, auch wenn Michaela im Kern sicherlich Recht hat. Gerne möchte ich meine Einstellung hier auch darlegen und begründen.

Ich bin einfach der Ansicht, dass die Menschen sich nicht absichtlich „verstellen“ oder im Angesicht der Weihnachtszeit absichtlich eine „positive Maske“ aufsetzen wollen. Es passiert einfach… und ich finde es noch nicht einmal schlimm oder schlecht!

In meinen Augen ist dieses plötzlich in der Weihnachtszeit zur Schau gestellte Bedürfnis nach Liebe, Harmonie, Frieden und Glück und das damit einhergehende Verhalten der Menschen einfach etwas, das entsteht, weil die Menschen sich in der Weihnachtszeit -endlich(!)- einmal im Jahr ein wenig Zeit nehmen, um sich auf sich und ihr Umfeld zu besinnen.

Selbstverständlich könnte man das jederzeit im Jahr tun und wahrscheinlich wäre es auch tatsächlich besser, wenn man dies mehrfach im Jahr täte. Aber wie so oft brauchen die Menschen schlichtweg bestimmte Ereignisse, um in eine spezielle Stimmung zu kommen oder sich über bestimmte Dinge Gedanken zu machen. Da muss erst ein Robert Enke sich selbst das Leben nehmen, damit man sich in der breiten Öffentlichkeit -natürlich nur für einen begrenzten Zeitrahmen- bewusst mit dem Problem der Krankheit „Depression“ auseinandersetzt. Da musste vor einigen Jahren erst eine Jahrhunderflut halb Ostdeutschland überschwemmen, damit das Volk gemeinsam zusammenrückt und ohne über Geldsorgen zu jammern Solidarität zeigt.

Und genauso muss es halt alljährlich immer erst Weihnachten werden, damit sich der Großteil der Menschen mal eine kurze Auszeit vom hektischen Alltag nimmt, um über sich und seine Umwelt zu sinnieren, und um zu merken, dass sowohl Körper als auch Seele etwas Harmonie und Frieden brauchen, um daraus Kraft und positive Energie zu gewinnen.

Natürlich übertreiben es auch hier wieder einige und lassen das Harmoniestreben in Stress ausarten, aber im Kern bin ich der Ansicht, dass es der überwiegende Teil der Menschen zur Weihnachtszeit schon ehrlich meinen, wenn sie plötzlich einfach etwas sentimentaler sind. Das merkt man ja auch deutlich an der zu dieser Zeit erhöhten Spendenbereitschaft der Menschen.

Selbstverständlich wäre es schön, wenn diese Einstellung nicht immer nur zu Weihnachten so offen in der breiten Öffentlichkeit zelebriert würde, sondern sich dies durch das Jahr hindurchziehen würde. Dem ist aber nicht so, damit müssen wir einfach leben. Jeder einzelne kann ja gerne versuchen, es im Verlauf des Jahres anders zu handhaben und sich seine persönlichen Harmonie-Oasen schaffen. Gesund ist dies bestimmt.

Allerdings bin ich der festen Überzeugung, dass es kaum jemand schafft, diese Einstellung dauerhaft im Jahr aufrecht zu erhalten. Dazu sind die Hektik und der Stress des Alltags zumeist schlichtweg zu omnipräsent. Von daher finde ich es schön, dass man sich wenigstens zur Weihnachtszeit den Luxus gönnt, sich eine Auszeit vom hektischen Alltag zu nehmen und etwas mehr Harmonie zu gönnen.

Klar wirkt das dann irgendwie wie „auf Knopfdruck“, aber wenn die meisten Menschen nun einmal ein bestimmtes Datum oder Ereignis brauchen, um eine Besinnung zu vollziehen, dann ist das nur menschlich. Ich kann den Leuten da jedenfalls nicht böse sein, sondern bin froh, eine gesteigerte positive Atmosphäre im gesamten Land wenigstens zu Zeiten wie Weihnachten erleben zu dürfen.

Und somit wünsche ich euch allen nun ein frohes und tatsächlich besinnliches Weihnachtsfest, in welchem ihr nicht nur ständig darauf bedacht sein solltet, gegenüber der Familie auf Knopfdruck „einen auf Frieden und Harmonie zu machen“. Gönnt euch stattdessen zunächst auch mal ein wenig Ruhe und Zeit für euch selbst, dann kommt die „echte“ Harmonie von ganz allein 😉 Und die kann man dann natürlich auch wunderbar im Kreise der Familie von Herzen teilen.


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