Der Blogger-Adventskalender, Söckchen Nr. 9: Überleben auf dem Weihnachtsmarkt

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Heute ist es nun soweit, dass 9. Söckchen des Blogger-Adventskalenders wird geöffnet… und zwar genau hier, auf meinem Blog.

Bislang konntet ihr bei den Teilnehmern von anderen Blogs bereits einige tolle Gewinne abräumen, interessante Dinge über das Weihnachtsfest lernen, schöne Bilder bestaunen und leckere Rezepte finden. Eine Sache allerdings ist bisher thematisch noch weitgehend vernachlässigt worden: sie gehören einfach zu Weihnachten dazu, sind meist zu hause auf den Marktplätzen, rund um die Rathäuser der Städte, bereits von weitem ist ihr Leuchten zu sehen, weihnachtliche Musik zu hören und der Duft von Weihnachtsgebäck, Lebkuchen und Maronen zu riechen. Die Rede ist -ihr werdet es schon ahnen- von den Weihnachtsmärkten.

Ich habe hier in meiner Heimatstadt das Pech, mit einem eher traurigen Weihnachtsmarkt „gesegnet“ zu sein. Ein paar lieblos verstreute Fressbuden mit Würstchen- und Reibekuchenangebot, eine Bude mit Süßigkeiten und der obligatorische, vergleichsweise große Glühweinstand – das war es auch schon. Keine Buden, an denen Weihnachtsschmuck oder traditionelles Handwerk angeboten und gezeigt wird. Und frischen Lebkuchen und dergleichen sucht man am Süßwaren-Stand auch eher vergeblich. Glücklicherweise gibt es hier in der Umgebung genug andere Städte, die etwas mehr Liebe zu ihren Weihnachtsmärkten entfalten, so dass man nach kurzer Fahrt doch noch schöne Weihnachtsmärkte findet, die dazu einladen, ein wenig herumzuschlendern, den Weihnachtsduft zu riechen und in Weihnachtsstimmung zu kommen.

Doch egal, ob man nun auf guten oder schlechten Weihnachtsmärkten unterwegs ist, eines findet man wirklich auf jedem solchen Markt: den allseits beliebten Glühweinstand!

Dass es beim Glühwein-Konsum feste Regeln gibt, ist hingegen nicht überall bekannt. Dies soll sich nun ändern, weswegen ich hiermit den Inhalt einer E-Mail eines Kollegen veröffentliche, welche dieser mir vor einigen Tagen freundlicherweise hat zukommen lassen:


RITUALE ZUM ÜBERLEBEN AUF EINEM WEIHNACHTSMARKT

Ja, es mag sich einfach anhören, aber das ist es wahrhaftig nicht, weil es beim Glühwein-Trinken auf dem Weihnachtsmarkt feststehende Rituale und Regeln gibt, an die man sich unbedingt halten muss:

1. Glühwein bestellen

Einen einzelnen Glühwein bestellen geht schon mal gar nicht. Damit sagt man, dass man ’ne knickrige Sau ist, keine Freunde hat oder Antialkoholiker ist, also quasi das Allerletzte. Ergo: immer mindestens zehn Stück bestellen.

Hierbei gilt: Nie vorher abzählen, wie viele Leute um einen herum stehen und dann genau die Anzahl bestellen! Das machen nur Knauser. Einfach irgendeine Zahl über die Theke grölen.

Ganz falsch: Die Umstehenden fragen, ob sie überhaupt noch einen Glühwein haben wollen. Wichtige Regel: Gefragt wird nicht – Saufen ist schließlich kein Spaß.

2. Großzügigkeit zeigen

Wenn der Glühwein dann endlich da ist, nicht blöd in der Gegend rumgucken und überlegen, wem man denn einen in die Hand drücken soll. Am besten die Tassen wild in der Umgebung verteilen, denn nur so zeigt man seine Großzügigkeit. Nur der kleinkarierte Pisser stellt sich da an.

3. Bezahlen und Nachbestellen

Wer zahlt wann welche Runde? In der Regel kommt jeder der Reihe nach dran. Ganz miese Wichser saufen die ersten neun Runden an der Theke mit und wenn sie an der Reihe wären, müssen sie plötzlich ganz dringend pinkeln.

Der erste Besteller bestimmt die Dauer des Projekts: Wenn er zwölf Glühwein bestellt,
müssen alle solange warten, bis zwölf Runden durch sind. Wichtig ist, dass der Strom nie abreißt.

Also: Wenn alle noch ungefähr die Hälfte im Glas haben, sofort die nächste Runde ordern und das neue Glas ungefragt in die Hand drücken. Was dann total peinlich ist: Mit zwei Tassen in der Hand an der Theke stehen. Daher ist Tempo angesagt beim reinschütten, ist schließlich kein Kindergeburtstag.

4. Beschleuniger

Richtig fiese Schweine bestellen zwischendurch noch eine Runde Korn oder -die absolute Hölle- „Meyers Bitter“, eine Art grünes Schlangengift, das mit dem Eiter von toten Fröschen verfeinert wurde. Hier wird es dann ernst, selbst für erfahrene Glühwein-Profis. Sollte sich so was andeuten, kann man bloß noch die Flucht ergreifen.

Merke: Glühweinsaufen auf dem Weihnachtsmarkt kann man mit etwas Planung und Glück überleben; nach Meyers Bitter aber weigert sich sogar der Notarzt, diese Schweinerei wieder zu beleben.

5. Pausen

Konsequent durchgezogen, bist du normalerweise gegen halb Neun stramm wie die Kesselflicker. Um diese Zeit kannst du allerdings selbstverständlich noch nicht nach Hause, wegen ansonsten aufkommendem Weichei-Verdacht.

Was also dann? Richtig: Pause machen!

Dafür hat der erfahrene Profi in der Regel zwei Sachen vorgesehen:

a) Bratwurstfressen

Vorteil: An der Bude gibt’s kein Meyers Bitter, da bist du also eine ganze Weile sicher vor der
Alkoholvergiftung.

Nun sind aber die Bratwurststände auf Weihnachtsmärkten immer so konzipiert, dass die Nachfrage grundsätzlich größer ist als das Angebot. In der Bude arbeiten auch meistens Fachkräfte, denen man beim Grillen die Schuhe besohlen kann. Einzige Qualifikation: Sie können mit einem Sauerstoffanteil in der Luft von unter 1% überleben. Deswegen wirken sie auch so scheintot.

Nun sagt der Laie: „Was für’n Scheiß, das könnte man doch viel besser organisieren.
Zackzack kämen die Riemen über den Tresen.“ Falsch, grundlegend falscher Ansatz! Die mickrigen Bratwurstbuden mit den Untoten am Grill sind mit voller Absicht so konstruiert worden. Hier kann man Asyl beantragen von der Sauferei und je länger man auf die Wurst warten muss, desto mehr steigen die Überlebenschancen.

b) Tanzen

Im Vergleich zum Bratwurst-Asyl natürlich die schlechtere Alternative, weil anstrengend und mit Frauen.

Aber irgendwann geht halt keine Wurst mehr rein und du musst in den sauren Apfel
beißen. Also zack, einen Rochen von den Bänken gerissen und irgendwie bescheuerte Bewegungen machen. Wenn Du Glück hast, spielt die Kapelle mehr als zwei Stücke und du kannst Dir ein paar Glühwein-Rationen aus den Rippen schwitzen. Hast Du Pech, kommt sofort nach dem ersten Stück der Thekenmarsch und du arme Sau stehst wieder da, von wo du gerade geflohen bist.

6. Sektbar

Eine richtig gruselige Bude, quasi die Abferkelbox auf den besseren Weihnachtsmärkten. Hier ist es meist so voll und so eng hier bleibst du auch noch stehen, wenn’s eigentlich nicht mehr geht.

Doch der Preis, den du für die Stehhilfe zahlst ist hoch: Du musst Sekt aus mickrigen Blumenvasen saufen. Ziemlich eklig alles.

Wenn es keine Sektbar gibt, gibt es meist eine Cocktailbar oder einen anderen Schuppen, der unter irgendeiner weihnachtlichen Bezeichnung anderen Alkohol als Glühwein vertickt: Cocktail heißt aber nicht Caipirinha oder Margherita sondern Hütchen oder Wodka-O. Also vorsichtig: Hier kann es ganz schnell zu Ende gehen.

7. Kotzen

Bevor du endlich nach Hause darfst, kommt noch ein ganz wichtiger Punkt, nämlich das Kotzen. Klingt zwar scheiße, du wirst aber dankbar sein, wenn Dein Körper Dir dieses Geschenk bereitet.

Du hast Platz für neue Bratwürste und vielleicht sogar Glück, dass du die letzten zwanzig Glühwein noch erwischst, bevor sie dein Gehirn erreicht haben. Der Profi jedenfalls kotzt oft und gern.

8. Die Letzten

So, jetzt wären wir auch schon bald beim Heimgang. Haha. Wenn du aber den Zeitpunkt
verpasst hast -und das wirst du-, und du kommst vom Pinkeln oder Bratwurstkotzen wieder an die Theke und es sind bloß noch zwanzig Mann übrig, dann Ätsch: Arschkarte gezogen.

Ab jetzt geht es um so spannende Sachen wie Fass-Aussaufen (es ist immer mehr drin, als man denkt) oder Absacker trinken. Wenn’s ein Meyers Bitter ist, kannst Du Dir gleich den Umweg über den Notarzt sparen und den Bestatter anrufen. Jeder passt jetzt auf, dass keiner heimlich abhaut. Die ersten sacken der Einfachheit halber direkt vor der Theke zusammen, damit sie jedenfalls nicht noch mehr saufen müssen.

Trauriger Vorteil dieser Phase des Weihnachtsmarkts: Du musst nicht mehr extra zur Toilette latschen für Pinkeln und Kotzen: geht jetzt alles vor Ort.

9. Nach Hause gehen

Fällt aus. Mach Dir keine Illusionen: alleine schaffst du’s nicht mehr. Taxis gibt’s nicht in der Nähe, und wenn, würden sie dich in deinem Zustand ganz bestimmt nicht mitnehmen. Deine Frau / Freundin kommt nicht, um dich zu holen, die ist froh, dass dieses Wrack nicht in der Wohnung liegt und der Gestank in die Polstermöbel und Gardinen zieht. Was bleibt ist…

10. Der Morgen danach

Du wirst wach von einem Zungenkuss, wie du ihn noch nie in Deinem ganzen Leben gekriegt hast. Leidenschaftlich küsst du zurück. Dann machst du deine verklebten Augen auf und blickst in das fröhliche Gesicht des zottigen Köters von dem Glühweinfritzen. Und mit einem eigenen Beitrag zum Thema Würfelhusten fängt der Tag wieder an. Dein Kopf fühlt sich an wie nach einem Steckschuss.

Jetzt hilft nur noch: Stütz-Glühwein bis die Maschine wieder halbwegs normal läuft.


Soweit meine Tipps zum Überleben an Glühweinständen auf Weihnachtsmärkten. Abschließend möchte ich natürlich nicht unerwähnt lassen, dass man solche Weihnachtsmärkte natürlich auch viel besinnlicher erleben kann, wenn man es mit dem Glühwein nicht übertreibt 😉

Morgen wird dann das nächste, bereits das zehnte, Söckchen im Blogger-Adventskalender geöffnet. Wo genau? Hmm… entweder bei Andreas, Oliver oder Michaela. Findet es heraus 😉


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