Post will Porto wegen E-Mails erhöhen

E-Mails sind im Laufe der Jahre immer beliebter geworden. Das ist auch kein Wunder, schließlich liegen die Vorteile gegenüber dem klassischen Postversand auf der Hand. Während ein Brief oder per Brief verschickte Unterlagen mindestens 1-2 Tage unterwegs sind, ist die E-Mail für gewöhnlich innerhalb kürzester Zeit beim Empfänger… und dies entweder gänzlich kostenlos oder für sehr geringe, monatliche Gebühren beim jeweiligen Mail-Anbieter.

Zudem lässt sich eine Menge Papier sparen, was zum einen die Umwelt freut, zum anderen auch für weniger Papier-Berge in Büros sorgt. E-Mails lassen sich auch leichter archivieren und wiederfinden als Briefe, die “irgendwo” abgelegt oder abgeheftet werden. Ebenso lassen sich Dateien zur weiteren Ver- oder Bearbeitung problemlos und schnell zwischen den Bearbeitern versenden.

Aus diesen Gründen verwundert es nicht, dass vor allem im Geschäftsbereich E-Mails im Vergleich zu klassischen Briefen immer populärer werden. Aber auch privat greifen nicht nur jüngere Menschen inzwischen oftmals gerne zur Tastatur, um mit anderen Menschen in Kontakt zu bleiben, anstatt einen (handschriftlichen) Brief zu verfassen, der dann auch noch zum nächsten Briefkasten gebracht werden muss.

Das sorgt bei der Post selbstverständlich für sinkende Einnahmen, worüber man nicht sonderlich erfreut ist. Aber Post-Chef Frank Appel hat hierfür schon eine Lösung im Programm:

Um die sinkenden Einnahmen auszugleichen, möchte Herr Appel laut Bericht der Wirtschaftswoche in Berlin durchsetzen, dass das Porto erhöht wird.

Da mag man sich schon die Frage stellen, in welcher Welt der Herr Appel denn wohl so lebt? Es mag ja durchaus sein, dass die Portogebühren der Post -wie Herr Appel sagt- in den letzten 12 Jahren nicht erhöht wurden. Ob es aber eine sinnvolle Idee ist, es dann in der jetzigen Phase zu tun, erscheint mir doch recht fragwürdig.

Zugegeben, ich bin kein hochbezahlter Top-Manager, aber für mich als Laien stellt sich die Sachlage eigentlich ziemlich deutlich dar: wenn die Portogebühren erhöht werden, werden dadurch ganz sicher keine alten Kunden zurückgewonnen. Und ob die bestehenden Kunden durch teurere Gebühren unbedingt animiert werden, mehr Briefe zu verschicken, darf wohl auch bezweifelt werden. Im Zweifel ist wohl eher davon auszugehen, dass durch die Maßnahmen nur noch weitere Kundschaft “vergrault” wird und letztlich noch mehr Einnahmen wegbrechen.

Warum setzt man sich stattdessen denn nicht einmal kritisch mit der Situation auseinander? Es ist doch völlig klar, dass aufgrund der eingangs bereits dargelegten Vorteile der E-Mails ein Unterfangen, die Geschäftswelt wieder vermehrt zum klassischen Brief-Versand zu bewegen, von Beginn an zum Scheitern verurteilt sein dürfte. Da werden Briefe nur noch verschickt, weil es entweder Gewohnheit ist oder in Fällen, in denen der Brief “etwas hermachen soll”, da so ein Brief persönlicher ist als eine E-Mail.

Damit sind wir auch schon beim Punkt: der Bereich, in dem die Post noch punkten kann, ist eindeutig der zwischenmenschliche Bereich. Briefe und Postkarten werden weitgehend aus emotionalen Gründen versandt. Das ist auch nachvollziehbar. Natürlich freut man sich über eine nette E-Mail eines Freundes oder Bekannten. Noch mehr freut man sich in der Regel jedoch, wenn überraschend von jenem Bekannten oder Freund ein handschriftlicher Brief oder eben eine Karte im Briefkasten liegt, da dies noch ein wenig persönlicher ist, wenn man etwas “handfestes” von der Person hat.

Wäre hier nicht viel eher der Punkt, an welchem die Post ansetzen müsste? Und zwar nicht dadurch, dass sie die Gebühren erhöht, sondern dadurch, dass sie sich bewusst wird, dass dies künftig wohl ihr Kerngeschäft im Bereich der postalischen Briefzustellungen sein wird. Wenn man überhaupt noch mit Briefzustellung überleben will, muss man die damit verbundene Note der Persönlichkeit hervorheben und unterstützen.

Sei es nun, dass man die Leute mit entsprechender Werbung einfach mal gezielt dafür sensibilisiert. Oder dadurch, dass man günstig entsprechend individuelle Karten im Sortiment hat. Oder indem man Tipps und Ideen für schöne Überraschungen mittels des Mediums Brief publik macht.

Doch anstatt hier mit Kreativität, Witz und Phantasie an das Thema konstruktiv heranzugehen, soll nun in -meiner Meinung nach- blindem Aktionismus einfach an der Preisschraube gedreht werden, mit der Folge, dass man sich am langen Ende nur noch tiefer mit dem Karren in den Dreck bewegt.

Was ist mit euch? Findet ihr persönliche Briefe und Karten nicht auch schön? Habt ihr allgemeine oder vielleicht auch sehr spezielle Ideen, was die Post machen oder an Service anbieten könnte, um die Leute wieder vermehrt zum Schreiben von solch persönlichen Briefen und Karten zu animieren? Oder gibt es vielleicht andere Dienstleistungen, die ihr euch von der Post in dem Zusammenhang schon länger wünschen würdet, und mit denen die Post ihre Einnahmen wieder erhöhen könnte? Vielleicht haben wir ja Glück und jemand von der Post liest hier früher oder später mit, um sich mit guten Ideen einzudecken. Schließlich helfen Blogger ja auch gerne, erst recht, wenn es um Kreativität und Phantasie geht ;)


Artikel weiterempfehlen und Blog unterstützen:

    
  


Ähnliche Artikel: