Ticketkontrolle in der Bahn
Gestern hatte ich das Vergnügen, mal wieder mit der Deutschen Bahn zu fahren. Nachdem ich früher ja jahrelang mit der Bahn gefahren bin und in dieser Zeit so einiges erlebt habe, kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass dieses “Vergnügen” mitunter ein sehr zweifelhaftes sein kann.
Allerdings hatte ich bei der Fahrt am gestrigen Tag nichts zu meckern, es war tatsächlich ein Vergnügen. Sowohl bei Hin- und Rückfahrt war der Zug pünktlich, die Innenräume waren angemessen sauber, die Temperatur angenehm durch die Lüftung gekühlt, die Lautsprecher für die Durchsagen funktionierten einwandfrei… ich war positiv überrascht.
Auf der Rückfahrt gab es kurz vor Ende der Fahrt sogar noch ein unfreiwilliges Unterhaltungsprogramm bei der Ticket-Kontrolle, von dem ich euch gerne berichten möchte.
Der Schaffner -oder wie es heutzutage ja heißt: der Zugbegleiter- betrat das Abteil mit den Worten, die die Damen und Herren während der Ausbildung bei der Bahn wahrscheinlich intravenös eingetrichtert bekommen: “Schönen guten Tag, die Fahrkarten bitteeeee…”
Wichtig scheint es in dem Zusammenhang stets zu sein, den abschließenden “e”-Laut unnatürlich in die Länge zu ziehen. Vielleicht erhofft man sich bei der Bahn dadurch eine erhöhte Aufmerksamkeit seitens der Fahrgäste, ich weiß es nicht. Jedenfalls ist mir das schon öfter aufgefallen, dass viele Schaff… Zugbegleiter das “e” etwas länger ziehen, als es eigentlich notwendig wäre. Dies jedoch nur als kleine Randnotiz.
Er betrat also das Abteil, rief uns Fahrgästen seinen Spruch entgegen und musste nur kurz warten, bis alle artig in ihren Taschen und Portemonnaies nach ihren Tickets kramten, um sie dem Zugbegleiter pflichtbewusst zur Kontrolle vorzuzeigen.
Alle Fahrgäste? Nicht ganz. Ein Fahrgast blieb regungslos sitzen und schlief den Schlaf der Gerechten. Als der Zugbegleiter an dessen Platz angekommen war, sprach er ihn mehrmals in immer lauter werdendem, aber stets höflichen Ton an, um ihn zu wecken. Der Kerl blieb davon jedoch unbeeindruckt und schlief offenbar weiter.
So fragte der Zugbegleiter die Personen, die in der Nähe des Schlafenden saßen, ob er bereits die ganze Zeit schlafe. Allerdings vermochte niemand, diese Frage eindeutig zu beantworten, da der Mann recht unscheinbar in seiner Nische gesessen haben musste und nicht weiter beachtet worden war.
Der Zugbegleiter fasste sich ein Herz und stupste den Schlafenden leicht an, während er ihn weiterhin ansprach. Ich glaubte, kurzzeitig einen Anflug von Unbehagen ihm zu erkennen. Wahrscheinlich malte er sich vor seinem inneren Auge schon aus, dass ausgerechnet in seinem Zug kurz vor Ende der Fahrt ein Toter oder jemand mit Herzinfarkt oder ähnlichem saß. Glücklicherweise reagierte der Fahrgast auf die sanften Stöße (wie sich DAS jetzt wieder anhört^^) des Zugbegleiters und wachte grummelnd auf.
Schnell wurde durch seine Art der Artikulation klar, dass er angetrunken -und leider auch etwas aggressiv- war. Der Zugbegleiter hatte das zum Glück auch sofort wahrgenommen und war darum bemüht, die Sache nicht eskalieren zu lassen. Zwischen ihm und dem angetrunkenen, leicht verwirrten Fahrgast entwickelte sich folgender Dialog:
Fahrgast: “Was ist denn?”
Zugbegleiter: “Ihren Fahrausweis bitte.”
Fahrgast: “Häää?”
Zugbegleiter: “Ich würde gerne ihr Ticket sehen.”
Fahrgast: “Watt is???”
Zugbegleiter: “Ihr Ticket… der Zettel, auf dem steht, wohin sie fahren.”
Der Fahrgast wühlte in seiner Geldbörse und hielt dem Zugbegleiter schließlich ein Stück Papier unter die Nase.
Fahrgast: “Da!”
Zugbegleiter: “Was ist das denn? Das ist doch kein Ticket.”
Fahrgast: “Hä? Watt is et denn??”
Zugbegleiter: “Das ist ein Notizzettel oder eine Einkaufsliste.”
Fahrgast: “Ja… ja… und ist das etwa nichts?”
Zugbegleiter: “Richtig, für mich ist das nichts. Wo wollen Sie denn eigentlich hin?”
Fahrgast: “Nach hause.”
Zugbegleiter: “Aha. Und wo ist das?”
Fahrgast: “Na, bei mir. Watt fragen se denn so doof?”
Zugbegleiter: “Zeigen Sie mir doch mal bitte Ihren Ausweis.”
Fahrgast: “Warum?”
Zugbegleiter: “Damit ich nachschauen kann, woher Sie kommen. Sie haben ja tief und fest geschlafen. Vielleicht hätten Sie schon längst aussteigen müssen.”
Fahrgast: “Aussterben müssen? Bevor ich aussterbe, sterben eher alle von Ihrer Sorte aus.”
Zugbegleiter: “Haben Sie Ihren Personalausweis dabei?”
Fahrgast: “Ja klar, den hab ich hier irgendwo…”
Der Fahrgast fing an, erneut in seiner Geldbörse zu kramen, bis er auf einmal triumphierend rief:
Fahrgast: “Haha! Ich hab hier noch etwas viel besseres! Ich habe ein Job-Ticket!”
Zugbegleiter: “Na, das ist doch wunderbar.”
Der Zugbegleiter kontrollierte das Ticket, es war anscheinend alles in Ordnung. Er gab dem Fahrgast das Ticket zurück und fragte, während er sich aufmachte, zu den nächsten Fahrgästen zu gehen, noch einmal beiläufig:
Zugbegleiter: “Warum haben Sie mir das Job-Ticket nicht einfach sofort gezeigt?”
Fahrgast: “Sie hatten mich doch nicht danach gefragt! Sie wollten doch nen Zettel haben!!”
Der Zugbegleiter ging dann ohne weiteren Kommentar weiter und kontrollierte mit einem leichten Kopfschütteln die übrigen Fahrgäste. Im Abteil zeichnete sich auf den meisten Gesichtern ein unauffälliges Lächeln ab.
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Ha, was für ne lustige Geschichte.
Aber das hat der doch mit Absicht gemacht.
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So muss das sein, aber auf der anderen Seite machen die ja auch nur ihren Job und verdienen damit ihr Geld zum überleben in unseren System
Lieben Gruß
Sven
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Ja, es gibt aber Zugbegleiter, die meinen immer ihre Frustration an armen Reisenden auslassen zu müssen. Anderst kann ich mir das nicht erklären, wenn man ein Ticket löst, das zwar erst in 10 Min. gülitg ist, aber man bereits in den Zug einsteigt – weil sonst isser ja weg – und dann noch Strafe zahlen muss, weil es ja noch nicht gilt. Versteh ich nicht. Geld wurde ja bezahlt, also was will der dann, wenn nicht schikanieren.^^
Und den Versuch zu erklären warum man jetzt schon eingestiegen ist sollte man besser unterlassen, da werden se dann ausfallend
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Au ja, eine Bahnfahrt, die ist lustig, eine Bahnfahrt, die ist schön…
Ich bin fast täglich mit der DB unterwegs und habe von Randalierern bis Kindergartenausflug schon fast alles erlebt.
Sehr interessant war auch eine junge Dame, die lauthals am Telefon mit ihrem Freund Schluss machte und ihm androhte den Lack seines Autos zu zerkratzen. Mein Abend war gerettet.
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Vielleicht liegt es daran, dass ich einen Gutteil meines Lebens nicht an Bord der DB, sondern der ÖBB verbracht habe, aber “Schönen guten Tag, die Fahrkarten bitte” hört sich für mich schon sehr vielversprechend an, egal in welcher Betonung.
Auf der österreichischen Schaffner-Akademie lernt man nämlich offensichtlich nur ein (oftmals hingenuscheltes) “Zugestiegen bitte”, da muss man als Reisender den Sinn erst einmal herausschälen.
Der von dir zitierte Dialog ist aber wirklich köstlich, wobei der Schaffner schon wirklich ein rarer Ausbund an Sanftmut gewesen sein muss…
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Lustige Geschichte, aber leider ist Bahnfahren nicht immer lustig.
Ich weiß schon, warum ich mich seit Ende der Schulzeit erfolgreich der Bahn verweigere. Ich bin ja auch für Umweltschutz, aber da hört es auf. Ich werde weiterhin mit dem Auto fahren. Um das zu ändern, müssen die sich schon eine ganze Menge einfallen lassen.
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Es gibt einfach Storys die kann man so gar nicht erfinden. Echt, witzig
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Echt übel. Ich glaube es gibt viele Leute, die auf diese Weise versuchen, sich überall – nicht nur in der Bahn – durchzumogeln. Dabei merken sie nur nicht, dass sie sich selbst schaden und vor allem sich lächerlich machen.
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@Nadine
Nee, ich glaube, der war wirklich einfach total “dicht”. Der grummelte auch Minuten später noch in seinen Bart, wie unverschämt er doch behandelt worden sei und was das alles überhaupt solle
@Sven
… und abwechslungsreich ist der Job wohl allemal^^
@zero
Klar, mit Logik brauchst du denen in solchen Momenten nicht zu kommen. Wobei diese ganzen Zeitbeschränkungen bei den Tickets oftmals einfach unpraktikabel und im Ansatz schon schlech durchdacht sind… und Kunden sowie Bahnpersonal dürfen dann gegenseitig ausbaden, was sich die Vorstände der Bahn da tolles ausgedacht haben.
@Teo
Ja, das sind die Erlebnisse, für die ich früher die regelmäßigen Bahnfahrten auch immer geliebt habe. So etwas erlebt man dann wirklich nur im öffentlichen Personenverkehr
@Jü
Naja, es war schon spät, vielleicht war der Schaffner auch einfach nur zu müde, um noch einmal aufbrausend zu werden^^ War aber auch gut so, denn sonst hätte die Sache vielleicht wirklich aus dem Ruder laufen können.
@Newton
Wäre es ein Anfang, wenn sich irgendwelche Mädels aus der Kino-Werbung in einem Wagon gegenseitig mit Duschgel einseifen würden?
@Retronaut
Das war so ein Moment, für den würde so mancher Drehbuchautor und Gag-Schreiber ein kleines Vermögen geben, nur um live dabei gewesen zu sein^^
Das ist wahr
@Sonja
Stimmt. Wobei der Kerl wohl einfach nur zu alkoholisiert war. Er hatte ja immerhin ein gültiges Job-Ticket dabei.
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Genial, am besten fand ich: “Aussterben müssen?” – Hah! Der Knaller! Ich wär sicher vor Lachen vom Sitz gefallen!
Allerdings bin ich so gut wie nie mit dem Zug unterwegs. Oder Bus. Oder Straßenbahn. Oder… Naja, da kommt immer der Monk in mir zum Vorschein, obendrein verliere ich schnell den Überblick (welchen Überblick eigentlich?) über… alles. *verwirrt-drein-schau*
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@Frau Magrat
Da entgeht dir auf jeden Fall eine Menge Spaß… andererseits aber auch eine Menge Ärger
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der Dialog ist ja geil.
ich bin gestern nach Bonn gefahren, heute zurück und kein einziges Mal kontrolliert worden! Obwohl gestern ein Schaffner im Zug war. Er hat’s wahrscheinlich nicht weiter geschafft.
aber Zug fahren ist doch immer wieder ein Erlebnis…
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Ausgestorben sind anscheinend die unhöflichen DB-Mitarbeiter. Ich muss echt sagen, dass sich in den letzten Jahren einiges zum Besseren verändert hat.
Stichwort Fahrkartenkontrolle: ich komme gerade aus dem Urlaub in England, wo ich einige Male mit dem Zug gefahren bin (übrigens war die als grundsätzlich verspätet verschrieene britische Bahn stets pünktlich) und da wird an vielen Bahnhöfen mittlerweile beim Rausgehen kontrolliert, ob man ein gültiges Ticket hat.
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@Verena
Ich war ganz froh, dass es der Schaffner in unserem Fall bis zu uns geschafft hat. Zum einen wegen des lustigen Erlebnisses, zum anderen aber auch einfach deshalb, damit ich mich nicht ärgern muss, ein verhältnismäßig teures Ticket gekauft zu haben und dann den ganzen Tag nicht kontrolliert worden zu sein
@juliaL49
Beim Rausgehen? Würde es nicht mehr Sinn machen, das beim Einsteigen zu kontrollieren? Beim Aussteigen hat man die Fahrt doch eh schon hinter sich…
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Jein, denn wenn du den Bahnhof betrittst hast du ja noch nicht zwangsläufig ein Ticket. Es kostet zwar mehr, wenn du das direkt vor Abfahrt oder im Zug kaufst, aber du musst keines haben. Während du bis zum Ende der Zugfahrt auf jeden Fall eines haben musst und das wird eben beim Rausgehen kontrolliert. Auf den Papierkörben steht auch extra “No Tickets. Retain for Inspection”.
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@juliaL49
Ach so, ich dachte, man wird beim Aussteigen aus dem Zug kontrolliert. Von daher erschien es mir logischer, dies beim Einsteigen in den Zug zu machen. Wenn die Kontrolle sich allerdings nicht auf den Zug, sondern den Bahnhof bezieht, sieht die Sache -wie von dir geschildert- natürlich anders aus.
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Leider muss ich mich an das schlechte Abschneiden der deutschen Bahn bei Stiftung Warentest erinnern. Konkret ging es um das Fundbüro der deutschen Bahn, bei dem zurückgebrachte Gegenstände plötzlich nicht mehr auffindbar waren.
In der letzte Stiftung Warentest gab es dazu auch einen Leserbrief. Ein Fahrgast, der kurz nach dem Aussteigen bemerkte, dass er etwas vergessen hat, verständigte sofort die Bahn. Die Zugbediensteten wurden sofort informiert, doch der gegenstand wurde nicht aufgefunden.
Der Zug ging weiter nach Wien (Österreich). Von dort erhielt er einen Anruf von der österreichischen Bundesbahn: Sein Gegenstand (ich weiß leider nicht mehr, was es war) wurde gefunden.
Deine Geschichte und die damit verbundenen Dialoge sind wirklich sehr schön zu lesen – ich musste Schmunzeln. Neulich hatte ich auch einen Dialog im Programm …. Vielleicht sollten wir daraus mal eine Parade machen
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ROFL! Ich hätte mich sicher Schlapp gelacht
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@plerzelwupp
Daran sieht man doch, dass das Leben immer noch die schönsten Geschichten schreibt
@Gilly
Glaub mir, ich musste mich wirklich zusammenreissen, damit mir genau das nicht passiert ist
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@Sascha
Also Mädels mit Duschgel wären ein Anfang…
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@Newton
Hab ich mir gedacht, dass dir das gefallen würde^^
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[...] mit dem Zug unterwegs. Dabei erlebt man so manch lustige Situation, wie beispielsweise damals die Ticketkontrolle in der Bahn. Außerdem lernt man in Zügen eine Menge unterschiedlichster Menschen kennen, seien es nun [...]