Kurz-URLs – Fluch und Segen

Viele von euch werden sicherlich schon einmal von Kurz-URLs zumindest gehört haben. Für alle anderen sei kurz erwähnt, dass es sich hierbei um kostenlose Internet-Services handelt, bei denen man eine lange Internet-Adresse eingibt und diese dann in eine kurze URL “umgewandelt” wird.

Beispiel: So kann aus

http://www.ich_bin_eine_furchtbar_lange_url.de/html/texte/Jahrgang/Monat
/Tag/furchtbar_langer_titel.html?Variable=blablabluppundnochzweidrei

ganz leicht mittels eines solchen Kurz-URL-Service “http://u.nu/abc123” werden.

Das ist natürlich keine Zauberei. Der lange Original-Link wird dabei einfach beim Kurz-URL-Anbieter in einer Datenbank gespeichert und mit einer erstellten Kurz-URL verknüpft. Ruft nun jemand die Kurz-URL auf, wird er an die lange Original-Adresse weitergeleitet. Soweit zur Funktionsweise.

Als die ersten Kurz-URL-Dienste auf den Markt kamen, dachte ich zunächst, was der Quatsch solle, da sich mir nicht so recht ein Sinn erschließen wollte. Schließlich gab man URLs ja eher selten mündlich weiter, sondern verschickte sie in E-Mails oder per Instant-Messanger, wo man den Link einfach hineinkopieren konnte und wo es kaum eine Rolle spielte, ob der Link nun 10 oder 100 Zeichen lang war. Das einzige halbwegs brauchbare Argument für Kurz-URLs war, dass man so vermeiden konnte, dass Links von einigen E-Mail-Programmen “umgebrochen” wurden, so dass sie nicht mehr anklickbar waren.

So richtig interessant wurden die Kurz-URLs erst, seit Dienste wie Twitter genutzt wurden, bei denen man auf 140 Zeichen pro Nachricht beschränkt wird. Bei solchen Webangeboten zählt eben jedes Zeichen, weswegen Kurz-URLs dort zur Weitergabe von Links schon fast Pflicht sind. Und wie das so ist, schossen aufgrund des plötzlichen Erfolgs mehr und mehr Kurz-URL-Dienste wie Pilze aus dem Boden.

Doch der Boom der Kurz-URL-Dienste hat nun auch durchaus negative Folgen, vor denen man sich jedoch -und dies will ich euch nun zeigen- schützen kann:

Das Problem mit den Kurz-URLs liegt nämlich auf der Hand – man sieht nicht, wohin sie führen, bis man den Link angeklickt hat… und dann kann es ja bereits zu spät sein!

Bedenkt, dass es Seiten gibt, bei denen bereits dann Schad-Code ausgeführt werden kann, wenn ihr die Seite einfach nur betretet / aufruft. Ein wenig können sich Nutzer des Browsers Firefox davor schützen, indem sie das Plugin NoScript (hier bereits vorgestellt) installieren, welches unter anderem die ungewollte Ausführung von JavaScript verhindert.

Aber selbst mit NoScript ist man nicht auf der komplett sicheren Seite. Stellt euch doch einfach mal den nicht ungewöhnlichen Fall vor, dass irgendein “Witzbold” euch einen Kurz-URL-Link schickt, der auf eine Seite mit verbotenen Inhalten führt… oder auf die momentan so aktuell diskutierten Seiten mit einem Stoppschild. Was, wenn dieser unfreiwillige “Zugriff” dann von entsprechenden Stellen geloggt wird und man plötzlich ins erweiterte Raster irgendwelcher Behörden gerät? Dieses Beispiel mag überzogen wirken und stellt natürlich schon ein ziemliches Extrem dar, soll aber dadurch zur anschaulichen Verdeutlichung dienen, welche Gefahren vom Missbrauch der Kurz-URLs ausgehen können.

Viel häufiger -und nicht unbedingt weniger nervig- wird man einfach auf Fälle treffen, in welchen Spammer einen Spam-Link mittels Kurz-URL “getarnt” haben. Eine Kurz-URL der Marke “http://kuerz.es/123abc” ist nun einmal definitiv weniger verräterisch als “www.bigger-penis.com/Viagra”.

Doch es gibt auch hier Abhilfe. So gibt es für Firefox-User auf www.longurlplease.com ein Plugin für den beliebten Browser, welches die kurzen URLs wieder lang anzeigt bzw. sie so “auflöst”, dass zumindest der richtige Anfang des Links angezeigt wird. So könnt ihr leicht sehen, ob sich z.B. hinter der Kurz-URL wirklich ein Link auf das versprochene YouTube-Video verbirgt, oder ob euch der Link auf eine ganz andere Seite entführen möchte.

Wer mit einem anderen Browser unterwegs ist, kann ebenfalls einen Blick auf die o.g. Seite riskieren, denn für andere Browser besteht immerhin die Möglichkeit, den Service über die Lesezeichen-Funktion des Browsers zu nutzen.

Wer twittert und dazu ein eigenständiges Programm nutzt, sollte beachten, dass einige Twitter-Clients inzwischen ebenfalls Funktionen anbieten, um kurze Links “aufzulösen”, damit hier keine bösen Überraschungen warten. Gerade bei Twitter, wo täglich eine unüberschaubar große Anzahl von Links zwischen den Usern hin- und hergeschickt werden, sollte man tatsächlich darauf achten, worauf man klickt.

Beim von mir verwendeten Programm TweetDeck befindet sich beispielsweise in den Settings unter dem Punkt “General” die Option “Show preview information for short URLs”, um genau diese Funktion zu aktivieren. Nach einem Klick auf die Kurz-URL öffnet sich ein kleines Fenster, in welchem unter anderem angezeigt wird, wohin der Link tatsächlich führen würde, wenn man ihn denn anklickt. Zwar ist damit ein (unbequemer) zusätzlicher Klick verbunden, dafür hat man dann aber ein höheres Maß an Sicherheit zu wissen, wohin ggf. die Reise geht… und wenn plötzlich zig Werbefenster aufspringen, hat man es meist mit mehr als nur einem zusätzlichen Klick zu tun ;)

Habt ihr euch schon einmal Gedanken um die Gefahren von Kurz-URLs gemacht? Nutzt ihr Plugins oder Clients mit den vorgestellten Funktionen bzw. spielt ihr mit dem Gedanken, solche zu nutzen? Oder ist euch das alles viel zu viel Aufwand für eine zu kleine “Gefahr”? Ich bin auf eure Meinungen gespannt.


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