Entwicklung von WordPress, nicht nur am Beispiel der Trackback-Problematik

Am Wochenende schrieb Tanja auf ihrem Blog einen Artikel darüber, dass sie auf ihrem Blog immer noch Probleme mit den Trackbacks / Pingbacks hat. Obwohl sie den im Internet kursierenden Tipp mit der Bearbeitung der Datei cron.php durchgeführt hat, gehen ihr immer wieder Track- und Pingbacks verloren.

Bei mir konnte ich ähnliche Tendenzen erkennen. Zwar ist mit der bearbeiteten cron.php, die übrigens bei größeren WordPress-Updates regelmäßig auf den alten Stand zurückgesetzt bzw. überschrieben wird und somit nach entsprechenden Updates immer wieder erneut bearbeitet werden muss, die Gesamtsituation bezüglich der Trackbacks und Pingbacks schon spürbar besser, aber 100%ig funktioniert die Lösung leider dennoch nicht.

Tanja behilft sich momentan damit, dass sie -wenn entsprechende Ping- und Trackbacks nicht ankommen- den Artikel immer wieder und wieder aktualisiert, bis es alle Trackbacks / Pingbacks schaffen. Das kann aber auch hin und wieder 10-15 Aktualisierungen dauern, was eine durchaus unbequeme Lösung darstellt, zu der es aber zur Zeit anscheinend keine Alternative gibt. Aber ACHTUNG: wer nun künftig auch -neben bearbeiteter cron.php- mit der “Aktualisieren-Lösung” liebäugelt, der sollte Folgendes beachten, da ihr sonst schnell fälschlicherweise als Spammer eingeordnet werden könntet!

Wenn ihr einen Artikel veröffentlicht, werden darüber automatisch die in WordPress eingetragenen Ping-Dienste informiert (im Admin-Bereich unter Einstellungen -> Schreiben, ganz unten, tituliert als Update-Services). Das ist insofern gut, als dass so diverse Seiten und Suchmaschinen automatisch darüber informiert werden, dass auf eurer Seite neuer Content vorhanden ist.

Das Problem ist, dass die Ping-Dienste auch bei jeder Aktualisierung des Artikels informiert werden, dass sich “etwas auf eurem Blog getan” hat. Klickt man nun 15-mal auf den Aktualisieren-Button, um seine Trackbacks / Pingbacks alle durchzusetzen, werden auch 15x die entsprechenden Ping-Dienste innerhalb kürzester Zeit “angepingt”. Dies wird von einigen Ping-Diensten dann so interpretiert, dass da jemand krampfhaft versucht, Aufmerksamkeit zu erhaschen, um zu spammen. Folglich landet man bei diesen Diensten auf der Blacklist, mit der Folge, dass eure Pings künftig nicht mehr angenommen bzw. nicht mehr bearbeitet werden.

Dies lässt sich mit einem kleinen Plugin, auf welches mich ebenfalls Tanja hingewiesen hat, jedoch leicht verhindern. Das Plugin heißt MBP Pingoptimizer und wurde auch schon von Andreas in der Vergangenheit ausführlich vorgestellt, weswegen ich mir längere Erläuterungen dazu an dieser Stelle spare. Kurz gesagt passt das Plugin auf, dass ihr bei Aktualisierungen nicht erneut die Ping-Dienste informiert, so dass ihr nicht Gefahr lauft, dort als Spammer zu erscheinen.

Noch etwas zu den Ping-Diensten: wer diese bislang noch nicht kannte und nun glaubt, dass er dort so viele Dienste wie möglich eintragen müsse, um seinen Blog möglichst bekannt zu machen, der irrt! Weniger ist hier aus mehreren Gründen definitiv mehr!

Zum einen braucht es Zeit, bis alle eingetragenen Ping-Dienste angepingt wurden, weswegen sich bei der Nutzung von längeren Listen, die es durchaus im Internet zu finden gibt, die Veröffentlichung eines geschriebenen Artikels mitunter spürbar verzögern kann.

Außerdem sind in solchen elend langen Listen viele internationale Ping-Dienste mit aufgeführt. Wer jedoch ein rein deutschsprachiges Blog betreibt, dem wird es im Normalfall herzlich wenig bringen, wenn er seine neuen Artikel bei Ping-Diensten in Timbuktu publik macht. Das Einzige, was man davon erwarten kann ist, dass man damit den ein oder anderen zusätzlichen Spam-Bot auf den eigenen Blog aufmerksam macht.

Letztlich sei noch erwähnt, dass inzwischen einige Ping-Dienste untereinander vernetzt sind. Ping man einen dieser größeren Ping-Dienste an, leitet dieser den Ping an andere Dienste weiter. Trägt man nun eine Vielzahl von Ping-Diensten ein, welche vielleicht untereinander vernetzt sind, pingen diese sich untereinander den veröffentlichten Beitrag dutzende Male zu, mit der Folge, dass der jeweilige Artikel wieder x-fach bei einzelnen Ping-Diensten aufläuft und als Spam gewertet werden könnte. Hier hilft dann auch der Einsatz des oben beschriebenen Plugins ganz ausdrücklich nicht!

Wer sich als deutschsprachiger Blogger da auf die wesentlichen Ping-Dienste konzentrieren mag, der findet hier einen interessanten Artikel zum Thema, in welchem die Zahl der Ping-Dienste auf lediglich 3 Stück zurückgeschraubt wurde.

Doch nun genug davon. Wer sich noch genauer mit diesen Themen und Problematiken auseinandersetzen möchte, der findet bei Tanja eine gute Informationsquelle mit interessanten, weiterführenden Links.

Worauf ich eigentlich hinaus möchte, ist eine Diskussion zum Thema WordPress allgemein. Ich habe es bereits in den Kommentaren bei Tanja angedeutet und möchte es an dieser Stelle noch einmal wiederholen und vertiefen:

Ich gehöre ja nun wahrlich nicht zu den Menschen, die vorschnell mit Meckereien auf sich aufmerksam machen – vor allem nicht bei kostenlos zur Verfügung gestellten Produkten, wie es bei WordPress der Fall ist.

Dennoch muss ich zugeben, dass ich momentan ein wenig enttäuscht über die Entwicklung von WordPress bin, und zwar ganz allgemein.

Hierbei geht es mir weniger darum, dass die aktuelle WordPress-Version 2.8.x in mehrfacher Hinsicht fehleranfällig war und innerhalb ungewohnt kurzer Zeit mehrfach gepatched werden musste – so etwas mag zwar lästig sein, aber es kann immer mal vorkommen.

Aber nehmen wir nur das Beispiel mit den fehlerhaften Track- und Pingbacks, ein Problem, welches nunmehr seit der Version 2.7 besteht. Dass seither bei einer Vielzahl von WordPress-Usern dieses Problem besteht, dürfte unstreitig bekannt sein. Aber statt von Entwicklerseite nach einer tragfähigen Lösung zu suchen, wird nur darauf verwiesen, dass dies an falsch konfigurierten oder schlichtweg zu schwachen Servern der jeweiligen Hoster liegen soll.

Mir mag das nicht so ganz einleuchten, lief die Track- und Pingback-Funktion in Zeiten vor Version 2.7 doch auch weitgehend fehlerlos. Aber gehen wir zugunsten der Entwickler einmal einen kurzen, hypothetischen Augenblick davon aus, dass es tatsächlich so ist. Dann bleibt ja trotzdem festzustellen, dass WordPress eine Software ist, die für den Massenmarkt programmiert wird. Dementsprechend sollte die Software dann doch auch bei der Masse der User funktionieren, oder? Momentan ist dies jedoch im Hinblick auf die Trackback-Funktion ganz und gar nicht so! Vielmehr muss sich der Großteil der Blogger mit verlorengegangenen Pingbacks herumärgern, die einfach nicht “durchkommen”.

Mir leuchtet einfach nicht ein, warum man seitens der Entwickler dennoch stur dabei bleibt, dass dies ein Problem der nicht ausreichenden Hardware sein soll und somit quasi am Großteil der Masse “vorbei programmiert”, statt gemeinsam mit den Usern nach einer vernünftigen Lösung zu suchen. Gerade was die Pingbacks und Trackbacks angeht, handelt es sich dabei ja um einen geradezu wesentlichen bzw. zentralen Aspekt einer Blog-Software, einen Aspekt, der den Sinn einer solchen Software ja gerade ausmacht. Wenn dieser Aspekt bei der Masse der User nicht vernünftig funktioniert und die Bloggosphäre demnach nicht -wie es eigentlich sein sollte- vernünftig vernetzt ist, dann schadet dies auf lange Sicht erst der bloggenden WordPress-Community und somit am langen Ende auch den WP-Entwicklern.

Die sind -wenn man den Ankündigungen für Version 2.9 glauben darf- eifrig damit beschäftigt, immer neue Funktionen in den Core zu übernehmen. Auch dies ist eine Entwicklung, die mich nicht ganz glücklich macht. Denn jede fest im Core übernommene Funktion, für die man früher bei Bedarf ein Plugin verwendet hat, bedeutet, dass das System noch mehr aufgebläht und noch träger wird.

Ich habe hier bei mir noch einige alte WordPress-Versionen gefunden und einfach mal testweise ausprobiert. Natürlich sind diese Versionen schon allein aus Sicherheitsgründen heutzutage keine Alternative mehr. Allerdings wird deutlich, dass die alten Versionen damals von Haus aus einen zugegebenermaßen kleinen Funktionsumfang hatten, dafür im Gegenzug aber recht schnell reagierten, wohingegen man heute bei entsprechenden Klicks im Backend gemütlich zur Tasse Kaffee greifen darf, bevor das System reagiert und die Seite aufgebaut hat.

Warum besinnt man sich nicht auf seine Wurzeln zurück? Warum stellt man nicht einfach ein simples, sicheres Blog-System zur Verfügung, welches sich auf seine wesentlichen Funktionen konzentriert, in welchem also z.B. das Track- und Pingback-System vernünftig gelöst ist? Welche Funktionen dann fehlen, kann jeder User für sich selbst entscheiden und mit entsprechenden Plugins individuell nachrüsten.

Als Gegenargument wird dann häufig genannt, dass a) durch die vielen Plugins das System auch wieder träge wird und b) die unterschiedlichen Plugins für unsauberen Code sorgen.

Zu a) möchte ich entgegnen, dass es dann aber die Entscheidung jedes einzelnen Users ist, wie träge er sich sein Blog-System machen möchte bzw. welche zusätzlichen Funktionen neben den reinen Blog-Funktionen er wirklich braucht. Wer auf multimedialen Schnickschnack verzichten kann und will, der soll dies doch auch bitte einfach tun dürfen. Und wer solche Funktionen doch benötigt, wer nimmt dann eben entsprechende Verlangsamungen in Kauf – aber eben ganz individuell.

Gegen b) kann man natürlich nicht viel sagen. Selbstverständlich ist es “sauberer”, wenn der Code Core-seitig schon implementiert ist, als wenn diverse Plugins daran “herumwerkeln”. Andererseits ist die WP-Community so groß, dass sie inzwischen eine Vielzahl fähiger Plugin-Entwickler hervorgebracht hat, die ihr Handwerk verstehen und recht sauber -auch im Hinblick auf andere Plugins- programmieren. Und mal ehrlich: so schön ein absolut sauberer Code auch sein mag, muss sich ihm wirklich alles unterordnen? Steht er über Punkten wie Individualität, Flexibilität, Usability, Alltagstauglichkeit und Funktionalität? Zumal man einen komplett sauberen Code doch -solange das Pluginsystem existiert- sowieso nie erreichen kann.

Wie seht ihr das? Wie steht ihr zur momentanen Entwicklung von WordPress? Sowohl ganz allgemein, als auch auf die Sache mit den Trackbacks und Pingbacks bezogen. Ich bin gespannt auf eure Meinungen und Ansichten.


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