Klugschiss der Eltern

Es wird mal wieder Zeit für ein weiteres Kapitel der -das darf ich wohl behaupten, ohne dass es nach Eigenlob riecht- beliebten Klugschiss-Serie hier auf meinem Blog.

Diesmal sorgte für die Inspiration ein Mann namens Ralph Caspers. Ich kenne ihn z.B. aus “Wissen macht Ah!” einem Wissensmagazin für Kinder. Er war und ist jedoch wohl auch noch in anderen solchen Formaten, wie z.B. der Sendung mit der Maus, tätig.

Von eben jenem Ralph Caspers hatte ich nun eher zufällig das Buch “Scheiße sagt man nicht” in die Finger bekommen. Hierin hat er sich mit 100 Eltern-Regeln und Eltern-Sprüchen beschäftigt und diese wissenschaftlich auf ihren Wahrheitsgehalt hin untersucht und überdies versucht, ihren Ursprung zu finden. Dabei kamen mitunter ganz interessante Dinge heraus. Hier einige wenige Beispiele:

“Iss den Teller auf, sonst gibt es morgen schlechtes Wetter!”

Dass das nicht stimmt, dürfte eigentlich klar sein. Ich habe es in aufopferungsvollen Selbstversuchen bereits selbst getestet. Zudem gibt es wohl immer jemanden in der Stadt, der seinen Teller nicht auf- bzw. leergegessen hat, auch wenn am folgenden Tag dann strahlender Sonnenschein ist.

Doch interessant ist in dem Zusammenhang der Ursprung dieser Aussage, welchem Caspers in seinem Buch auf den Grund gegangen ist. Demnach lässt sich der Spruch möglicherweise aus einer norddeutschen Weisheit ableiten, wo man früher gerne sagte:

“Wenn du dien Teller leer ittst, dann gifft dat morgen goodes wedder.”

Klingt zunächst nach der norddeutschen Art des allgemein bekannten Satzes. Jedoch sollte man beachten, dass “wedder” nicht unbedingt mit “Wetter” übersetzt werden muss, sondern auch “wieder” heißen könnte, wonach es also morgen wieder -als Belohnung- Gutes geben würde, wenn man denn heute seinen Teller leer isst.

“Geh nicht mit nassen Haaren raus, sonst erkältest du dich!”

Dieser Irrtum, der sich bis heute gehalten hat, geht zurück auf die Zeiten, als Viren noch unbekannt waren. Damals ging man -angesichts der Feststellung, dass es im Winter vermehrt zu Erkältungen kam- davon aus, dass die Unterkühlung des Körpers für die Krankheit verantwortlich war. Demnach wollte man unter allen Umständen solche Unterkühlungen vermeiden, wie sie z.B. auch dadurch ausgelöst wurden, wenn man mit nassen Haaren nach draußen ging.

Erst später entdeckte man, dass einzig und allein Viren für Erkältungen verantwortlich sind. Da hatte sich der Begriff der Er”kältung” jedoch schon so sehr etabliert, dass selbst heute noch viele Menschen davon ausgehen, dass die Temperatur des Körpers die Ursache für einen Schnupfen ist.

Was daran allerdings tatsächlich wahr ist, ist die Tatsache, dass der Körper bei Unterkühlung -also auch bei nassen Haaren im Wind- mehr Energie aufwenden muss, um die Temperatur zu stabilisieren und dadurch zumindest anfälliger für Virus-Infektionen wird.

“Möhren sind gut für die Augen!”

Mit diesem “Wissen” bin auch ich aufgewachsen. Doch man kann so viele Möhren futtern, wie man will, eine Brille man dadurch nicht verhindern können.

Der Grund dafür ist, dass der Spruch nur zur Hälfte der Wahrheit entspricht. Tatsächlich ist das in Möhren enthaltene Beta-Carotin zwar zur Unterstützung der Sehschärfe prinzipiell geeignet, es beschränkt sich jedoch auf die Förderung zur Fähigkeit der Unterscheidung von Kontrasten, also Hell und Dunkel. Sonstige Fördereigenschaften im Bezug auf die Sehkraft hat Beta-Carotin nicht.

Da die Möhren aber eigentlich ganz gut schmecken und neben dem Beta-Carotin noch einige andere gesunde Stoffe für den Körper enthalten, kann man dennoch weiterhin beruhigt Möhren knabbern, um seinem Körper etwas Gutes zu tun.

Interessant ist in dem Zusammenhang erneut, wie es überhaupt zu dem Irrglauben, dass die Möhren die Sehkraft generell verbessern würden, kam. Laut Caspers könnten hieran die Briten schuld sein. Diese hatten im Zweiten Weltkrieg ein neues Radarsystem entwickelt. Um diesen Vorteil gegenüber dem Gegner geheimhalten zu können, soll das Gerücht gestreut worden sein, dass die plötzlich besseren Ergebnisse der britischen Piloten damit zusammenhingen, dass diese große Mengen an Möhren essen würden, um eben die Sehkraft zu verbessern.

Fazit

Ja, ich mag solche Bücher. Man amüsiert sich gut und lernt nebenher noch das ein oder andere – ist doch praktisch, oder?^^ Zumal das Buch mit 8.95 Euro auch etwas für Leseratten und angehende Klugscheisser mit schmaleren Geldbeuteln ist. Hier nochmal die Daten zum Buch, damit ihr es bei Interesse beim Buchhändler eures Vertrauens erwerben könnt:

“Scheiße sagt man nicht!”
Ralph Caspers
Rohwolt Taschenbuch Verlag
ISBN 978-3-499-62212-0
Preis: 8.95 Euro

Dieser Artikel stellt ausdrücklich KEINE Werbung dar! Ich habe weder Geld noch sonstige Gegenleistungen dafür bekommen und werde auch im Nachgang keine solchen erhalten, dass ich diesen Artikel geschrieben habe.

Wie sieht es bei euch aus? Seid ihr in eurer Kindheit auch mit immer wiederkehrenden, nervigen Sprüchen konfrontiert worden, deren Wahrheitsgehalt ihr zumindest anzweifelt? Oder seid ihr inzwischen gar selbst Eltern und “beglückt” euren Nachwuchs mit solchen Regeln und Sprüchen, einfach, weil ihr sie selbst noch so von früher kennt?


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