Beschwerdebrief eines Mieters

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Heute ist nach längerer Zeit mal wieder ein Brief eines Mieters auf meinem Schreibtisch gelandet, bei welchem ich während des Lesens nur mehrfach erstaunt den Kopf schütteln konnte. Dabei dachte ich, dass ich inzwischen schon einiges „gewohnt“ sei.

So erinnere ich mich z.B. an die Mängelanzeige einer älteren Mieterin, die aus Kostengründen keinen Brief, sondern eine entsprechende Mitteilung auf einer Postkarte(!) schickte. Gerade in letzter Zeit kommt es auch immer häufiger vor, dass Mieter -um Geld zu sparen- auf den Abschluss diverser Versicherungen verzichten. Sobald dann doch mal etwas passiert, bekommen wir dann Briefe, in denen die Mieter darstellen, dass sie sich entsprechende Versicherungen nicht leisten konnten oder wollten und nun -voller Selbstverständlichkeit- fordern(!), dass ja deshalb wohl logischerweise wir für den Schaden aufkommen sollen, denn schließlich müsse ja jemand den Schaden zahlen.

Aber das ist alles nichts im Vergleich zu dem Brief, den ich diesmal in die Finger bekam. Da er nicht sonderlich lang ist, erlaube ich mir mal, den Brief hier in kompletter Länge -natürlich anonymisiert- wiederzugeben:

Sehr geehrte Gesellschaft,

leider muß ich feststellen, daß die Heizungsanlage im Hause seit Anfang dieses Monats außer Betrieb ist.
Bereits im Vormonat wurde unzureichend geheizt.

Nach diesseitiger Auffassung muß bei entsprechenden Außentemperaturen die Beheizung des Wohnung gewährleistet sein. Es ist einem Mieter nicht zumutbar, an kalten Sommertagen zu frieren.

Ich habe mir bereits ein teures elektrisches Heizgerät anschaffen und dieses auch des öfteren in Betrieb nehmen müssen. Hierdurch entstehen mir höhere Stromkosten und, daraus resultierend, ein größerer Abschlagsbetrag für die NVV.

Bitte sorgen Sie umgehend für Abhilfe.

Hochachtungsvoll

Max Mustermann

Der Mann wohnt jetzt seit drei Monaten in seiner Wohnung. Insofern fängt das schon einmal gut an und ich kann mir vorstellen, dass wir noch viel „Spaß“ mit ihm haben werden. Ich weiß nicht, wie der Sommer in diesem Jahr bei euch so ist. Bei uns wechseln sich sonnige und regnerische Tage in schöner Regelmäßigkeit ab, aber selbst wenn man dieses Jahr nicht von einem Jahrhundertsommer sprechen kann, kalt war es dennoch seit Monaten nicht mehr.

Hier stehen zumeist die Fenster weit offen, um für ein wenig Durchzug und Abkühlung zu sorgen, bei uns im Büro laufen die Ventilatoren im Dauereinsatz – und Herr Mustermann beschwert sich, dass er an diesen „kalten Sommertagen“ friert. Und nein, krank ist er nicht. Ich frage mich wirklich, woher der Mann wohl gebürtig stammen könnte?

Interessant fanden wir dann auch den Umstand, dass er sich ein teures Heizgerät anschaffen und betreiben konnte – für die Zahlung seiner Miete hat es bislang jedenfalls in 3 Monaten noch nicht gereicht!

Ganz ehrlich, da frage ich mich -völlig unabhängig davon, dass ich das Anliegen des Mannes bei den momentanen Temperaturen nicht so ganz nachvollziehen kann- schon manchmal: kommen sich die Leute nicht selbst ein wenig „blöd“ vor, wenn sie auf der einen Seite vollmundig Forderungen stellen, ohne auf der anderen Seite erst einmal ihren Verpflichtungen nachzukommen?


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