Mutter und Sohn

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Meine Mutter ist eigentlich nicht auf den Mund gefallen. Es ist somit fast unmöglich, sie sprachlos zu machen – aber eben nur fast.Ich kann mich noch gut an ein Ereignis erinnern, wo auch sie nicht mehr wusste, was sie noch sagen sollte.

Sie hatte beim Einkaufen eine Frau getroffen, die sie nur beiläufig kannte. Wenn man sich auf der Straße begegnete, grüßte man sich, wechselte vielleicht hier und da ein paar Worte, aber man kannte sich eigentlich nicht wirklich.

So lief es auch bei diesem Aufeinandertreffen. Man grüßte sich im Supermarktgang und betrieb ein wenig Smalltalk über dieses und jenes. Irgendwie wurde dann der Sohn der Frau zum Thema des Gesprächs. Die Dame beklagte sich bei meiner Mutter, dass ihr Junge sein Kinderzimmer jetzt unbedingt so düster einrichten wollte. Nach Ansicht der Dame würde er sich ganz merkwürdig entwickeln und auf die Weise doch sicherlich nie eine Freundin bekommen. Dabei würde sie sich in der Zukunft doch so sehr Enkelkinder wünschen.

Man konnte der Frau förmlich ansehen, wie sie beim Erzählen trauriger wurde. Ich persönlich muss ja sagen, dass ich es auch als ziemlich nervig empfinde, wenn Eltern auf ihre Kinder zukommen und das Thema „Enkelkinder“ auf die Tagesordnung bringen… aber das soll hier jetzt nicht das Thema sein.

Wie gesagt, die Frau wurde dabei sichtlich trauriger, was meine Mutter schließlich veranlasste, ein wenig Trost spenden zu wollen. So sei es doch durchaus normal, dass manche Kinder vor allem in der Jugend ihr Zimmer auch mal etwas „düsterer“ einrichten wollen, um sich damit von den Eltern klar abzugrenzen. Das mit der Freundin würde dann sicherlich noch werden und für Enkelkinder sei doch sicherlich auch noch Zeit.

Schließlich fragte meine Mutter dann, wie alt der Sohn denn genau sei, worauf die Frau erklärte, dass er nächsten Monat 37 Jahre alt werde! Tja, da stand dann auch meine Mutter erst einmal mit offenem Mund da. Es dauerte einen gewissen Moment, bis sie sich wieder gefasst hatte. Aber was will man in so einer Situation schon erwidern? So stammelte sie dann nur noch einmal, dass sich das sicherlich alles noch zum Guten entwickeln würde.

Danach mussten wir plötzlich ganz dringend weg, weil noch ein anderer, wichtiger Termin anstehen würde. Was das für ein wichtiger Termin gewesen sein soll, habe ich nie verstanden, wir sind danach doch einfach nur nach hause gefahren 😀

Aber wie hättet ihr in der Situation wohl reagiert? Zumal die Frau ja auch vorher ganz bewusst vom „Kinderzimmer“ gesprochen hatte!


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