Die Streik-Mentalität in Deutschland

Momentan herrscht ja wieder das große Streik-Fieber in Deutschland. Schüler und Studenten streiken für eine bessere Bildung, und die Erzieherinnen streiken seit zig Wochen für bessere Umstände in ihren Jobs in Kindertagesstätten. Zwischendurch haben auch mal wieder einige Ärzte gestreikt, weil sie mit dem Gesundheitssystem nicht zufrieden sind. Daran hat sich zwar nichts geändert, aber dennoch sind die Ärzte erst einmal wieder ruhiger geworden.

Bleiben momentan noch die Studenten sowie die Erzieherinnen. Diese Gruppen scheinen nicht so schnell klein beigeben zu wollen und ziehen ihre Streik-Aktionen durch. Die Medien stürzen sich äußerst dankbar auf dieses Thema, um das langsam auftretende Sommerloch zu füllen. Das hat den Vorteil, dass man hierüber eine Menge lesen kann, wenn man denn will. Wenn ich mir jedoch diese Streiks in ihrer Durchführung so ansehe, mache ich mir ganz eigene, provokative Gedanken und frage mich, was diese Streiks denn wirklich bezwecken sollen:

Da haben wir auf der einen Seite die Studenten, die aus Protest Hörsäle besetzen und sich auf den Boden legen. Es ist noch gar nicht solange her, da war ich selbst Student an einer großen deutschen Uni. Und wenn ich nun von “Protest” lese, indem man Hörsäle überfüllt und auf den Fluren herumlungert, dann muss ich doch mal etwas provokativ fragen, was denn daran nun so “anders” und “protestierend” sein soll als am Normalzustand an deutschen Unis?

Die Erzieherinnen hingegen protestieren nicht, indem sie sich die Kindergruppen mit Kindern überfüllen lassen, sondern sie machen die Läden ganz einfach dicht! Inzwischen seit mehreren Wochen. Pech für berufstätige Eltern. Die müssen sich entweder in sog. Notgruppen organisieren oder einfach mal Oma und Opa reaktivieren… die freuen sich wahrscheinlich momentan am meisten über die Situation, da sie seit langer Zeit doch mal wieder richtig gebraucht werden.

Ich gebe ehrlich zu, dass ich keine Ahnung habe, was eine deutsche Durchschnittserzieherin momentan so verdient. Aber ich weiß, dass sie sicherlich einen verdammt harten Job hat. Fast jeder hat doch schonmal eine kleine Gruppe von ca. 10 Kindern auf einem Kindergeburtstag erlebt. Selbst wenn man ein “Unterhaltungsprogramm” für die Rabauken hat, laut und hektisch ist es trotzdem. Nach 3-4 Stunden ist man mit den Nerven meist ziemlich am Ende. Erzieherinnen haben täglich mit einem Vielfachen solcher Kinder zu tun, die sie bei Laune halten müssen, deren Geschrei und Hektik sie ertragen müssen, denen sie am besten auch noch Werte vermitteln, weil ja sonst niemand mehr dafür Zeit hat… und das alles tagtäglich, für mehrere Stunden. Sollte die deutsche Durchschnittserzieherin da tatsächlich weniger verdienen, als für so einen Job angemessen ist, dann gebt ihr halt das Geld. Zahlt ja im Endeffekt eh der Steuerzahler. Und da investiere ich lieber Geld in die kommende Generation, also die Zukunft unseres Landes, als in so manch anderen Mist, für den “meine” Steuergelder verschwendet werden.

Was mich bei den Erzieherinnen aber wurmt, das ist die Tatsache, dass es ihnen angeblich ja gar nicht um das Geld geht… bzw. das Geld sei ja nur sekundär von Interesse. Hauptsächlich gehe es ja vielmehr um den Gesundheitsschutz. Da darf man dann als Argumente lesen, dass die Stühle für Erzieherinnen ja viel zu niedrig sind. Und dass man Rückenschmerzen bekommt, wenn man sich so oft bücken muss, um den Kindern die Schuhe zu binden, da man nie eine Schulung bekommt, in der man lernt, wie man sich richtig bückt. Hm…

Man will uns also wirklich weismachen, dass die Kindertagesstätten seit Wochen geschlossen sind, weil man für Erzieherinnen keine großen Stühle organisieren kann? Ich kann das mit den zu kleinen Stühlen wirklich nachvollziehen, aber das kann doch nicht wirklich ein Problem sein, welches sich nicht schnell lösen lässt. Jede Wette, dass Läden wie IKEA schon allein aus Imagegründen solche Dinger zu tausenden spenden würden! Und wenn das Kind aus pädagogischen Gründen dann doch mal auf Augenhöhe sein soll, nimmt man es halt auf den Schoß oder kniet sich zum Racker herunter.

Aber mit hinknien sind wir ja schon beim nächsten Thema: spätestens bei Dingen wie Schulungen für richtiges Bücken ist es dann auch mit meiner Toleranz vorbei. Wen will man denn da eigentlich verarschen??? Weiß sowas in einer Kindertagesstätte wirklich kein einziger Erwachsener, der es dann den anderen zeigen könnte? Dann fragt doch einfach beim nächsten Besuch den Hausarzt, selbst der kann das erklären… in 2 Minuten, ganz ohne stundenlange “Schulung”. Hat er bei mir auch gemacht, ohne dass ich ihn je danach gefragt hätte. Wer es später noch einmal nachlesen möchte, kann auch mal einen Blick bei Google riskieren, da wird man vor entsprechenden Ratgebern fast erschlagen… völlig kostenlos, völlig ohne langwierige Schulung, mit Bildern und in Farbe!

Leute, wie gesagt, ich habe wirklich kein Problem damit, wenn ihr mehr Geld für euren sicherlich harten Job verlangt. Aber bitte, dann steht doch wenigstens dazu und schiebt nicht irgendwelche Schein-Argumente wie fehlende “Bück-Schulungen” vor. Das kostet euch im Endeffekt nur Sympathiepunkte.

Ich habe wirklich kein Problem damit, wenn Leute sich nicht alles gefallen lassen und stattdessen protestierend oder streikend auf die Straße gehen. Gemeinhin wird ja oft sogar gesagt, dass wir heutzutage in Deutschland zwar gerne über alles meckern, aber viel zu selten auf die Straße gehen würden. ABER: wenn man schon an solchen Protesten teilnimmt, dann sollte man a) von der Sache wirklich überzeugt sein und sich damit nicht nur einen freien Tag erschleichen wollen, b) darauf achten, dass in der Aktion deutlich herauskommt, wogegen man eigentlich protestiert und warum man dies tut und c) sollte man ehrlich sagen, was man wirklich fordert.

Oder sehe ich das falsch? Welche Meinung habt ihr zum Thema Streik? Habt ihr vielleicht schonmal selbst ernsthaft gestreikt?


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