Dreiste Aktionen bekannter Unternehmen

Sowohl Sara als auch Marc haben vor einigen Tagen in ihren Blogs darüber geschrieben, mit welch dreisten Geschäftsgebaren sie konfrontiert wurden – jedoch nicht etwa von kleinen, dubiosen Briefkastenfirmen, sondern inzwischen sogar von großen, bekannten Dienstleistern!

Eine traurige Entwicklung, zu der auch ich vor ein paar Wochen eine passende “Episode” miterlebt habe, von der ich an dieser Stelle berichten möchte. Auch hier war erschreckenerweise wieder keine kleine No-name-Firma am Werk, sondern ein recht großer, bekannter Kabelnetzanbieter.

Ich war von einem alten Bekannten aus Köln zum Essen eingeladen worden. Als wir so zusammensaßen und über alte Zeiten plauderten, klingelte es plötzlich an der Tür. Es stand ein Mitarbeiter seines Kabelnetzanbieters vor der Tür, bekleidet mit entsprechener Jacke und einem Basecap mit ebenfalls passendem Aufdruck. Er hielt meinem Freund kurz einen Mitarbeiterausweis unter die Nase und sagte, dass es Beschwerden wegen der Empfangsqualität des TV-Empfangs gegeben habe und deswegen die Anschlüsse kurz überprüft werden müssten.

Wie es der Zufall wollte, hatte mein Bekannter in den letzten Wochen tatsächlich öfter über arge Probleme mit seinem Bild geklagt. Von daher dachte er sich nichts böses und ließ den Mitarbeiter in die Wohnung. Ob der Kerl die Info mit der schlechten TV-Qualität tatsächlich hatte und sie geschickt als Vorwand nutzte, um in die Wohnung zu gelangen, oder ob es einfach sein Standard-Vorgehen war, können wir nicht sagen. Jedenfalls hatte er es so geschafft, in die Wohnung zu gelangen.

Er ging ins Wohnzimmer und fragte, wo genau sich die Anschlussbuchse befände. Nachdem mein Freund ihm dies gesagt hatte, ging der Mitarbeiter zu dieser Stelle und führte mit einem “Spezialgerät” eine “Messung” aus. Dabei verwickelte er meinen Bekannten auch durchaus geschickt in ein Unterhaltung über dessen Telefon- und Internet-Anschluss und seinen derzeitigen Anbieter. Der Mitarbeiter erklärte ihm, dass es da jetzt von seiner Firma ein Angebot gäbe, welches viel weniger kosten würde, dafür aber ungleich mehr Leistung böte.

Ich hatte einen guten Blick auf die ganze Angelegenheit. Das “Spezialgerät” des Kerls muss ein wahres Wunderwerk der Technik gewesen sein, denn er konnte es nutzen, ohne es tatsächlich einzuschalten! Die Tatsache, dass er die Messung zur Anschlussleistung für den Fernsehempfang am Radio-Anschluss durchführte, machte den “Experten” nicht unbedingt glaubwürdiger.

Wie gesagt, ich kenne meinen Freund schon einige Jahre, so dass er meinen kritischen Blick schnell erkannte und nun wusste, dass hier irgendetwas nicht stimmte.

Der Kabel-Mitarbeiter fragte, ob er sich kurz an den Tisch setzen könne, um die Messergebnisse einzutragen. Wir ließen ihn gewähren. Dabei unterließ er es nicht, meinem Bekannten weiterhin die Vorzüge seines Angebots anzupreisen, immer verbunden mit dem Hinweis, dass das Angebot nur für ganz kurze Zeit bestünde.

Dann hielt er meinem Bekannten plötzlich einen vorbereiteten Vertrag unter die Nase! War nicht eben noch die Rede davon gewesen, dass er nur Mess-Ergebnisse dokumentieren wollte? Nun wollte er allen Ernstes eine Unterschrift haben. Wer hier nicht gut aufpasste, hielt das ganze vielleicht nur für eine Bestätigung der durchgeführten Messung und unterschrieb leichtfertig einen neuen Vertrag!

Wir waren ja zum Glück ein wenig vorgewarnt, so dass mein Freund die Unterzeichnung verweigerte. Der Mitarbeiter war total überrascht und fragte, warum mein Bekannter denn nicht unterschreiben wolle, er habe das Angebot doch auch ganz toll gefunden und -jetzt kommt es- ihn die ganze Arbeit mit der Ausfüllung des Vertrages machen lassen! Der absolute Hammer! Wir hatten in der Situation das Glück, dass wir in der Überzahl waren und mein Bekannter -wie man so schön sagt- nicht auf den Mund gefallen ist. Jemand allein mit ihm und vom Grundnaturell vielleicht etwas schüchterner, wäre möglicherweise “umgekippt”, hätte sich “überzeugen” lassen und hätte unterschrieben, um keinen “Ärger” zu riskieren… man kennt das ja.

Ich fand diese Art des Vorgehens jedenfalls mehr als dreist. Die ganze Aktion war klar darauf ausgelegt, unbedarfte oder unvorbereitete Menschen mit der Situation zu überfordern bzw. sie schlichtweg zu überrumpeln. Eine große Sauerei, zumal es sich beim Anbieter -ich erwähnte es eingangs ja schon- durchaus um einen namhaften Anbieter handelt.

Früher wusste man, dass man bei kleinen, unbekannten Firmen Vorsicht walten lassen musste, um keinen dubiosen Machenschaften zu erliegen. Dass aber inzwischen selbst bei namhaften, bekannten Unternehmen solche Vorgehensweisen praktiziert werden, empfinde ich als sehr, sehr bedenklich.

Ich kann daher nur jedem den eindringlichen Rat geben, wenn ihr mal in eine ähnliche Situation kommt, dann bleibt standhaft und verweigert die Unterschrift. Klar, man kann sie auch noch nachträglich widerrufen, aber das ist dann nur wieder mit zusätzlicher Zeit und vor allem Geld verbunden. Denn wenn ein Unternehmen mit solchen Praktiken arbeitet, würde ich mich nicht darauf verlassen, dass die den Widerruf ordnungsgemäß bearbeiten, wenn er nicht -wegen der Nachweisbarkeit- vorab per Fax und nachträglich als Einschreiben mit Rückschein dorthin geschickt wurde.

Und auch, wenn es in Deutschland sicherlich viele, viele große und auch kleine Unternehmen gibt, die ihren Job anständig und seriös im Rahmen der Gesetze machen, solltet ihr immer, wirklich immer, Vorsicht walten und euch nie unter Zeitdruck setzen lassen. Ein seriöser Anbieter mit seriösen Angeboten wird euch immer ausreichend Zeit zugestehen, um die Annahme eines Angebotes zu überdenken.

Es bleibt zu hoffen, dass euch dieses Beispiel für Vorgänge dieser Art ein wenig sensiblisiert hat und ihr in ähnlichen Situationen -und in solche kommt man schneller, als man denkt- entsprechend reagieren werdet.


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