Digitale Nachlassverwaltung
Zugegebenermaßen ist der Tod ein Thema, mit welchem sich Menschen zumeist eher ungern beschäftigen. Das hat zur Folge, dass man diesbezüglich wichtige Entscheidungen gerne vor sich herschiebt. Ich erinnere da nur allzu gerne noch einmal an den Artikel Organspende und Organspendeausweis. Auch um Testamente macht man sich wohl gerade in jungen Jahren weniger Gedanken. So bleiben nach dem Ableben eines Menschen oft viele offene Fragen, was wohl sein letzter Wille gewesen wäre.
Symm hat mich jetzt dankenswerterweise via E-Mail auf einen interessanten Artikel bei Spiegel Online aufmerksam gemacht, der sich mit einem sicherlich häufig noch vernachlässigten Aspekt des menschlichen Ablebens beschäftigt – dem digitalen Nachlass.
In der heutigen Zeit nimmt das Internet zweifellos eine immer zentralere Stellung in unserem Leben ein. Aber während man sich vielleicht in einem Testament noch Gedanken um die Verteilung seiner realen Güter gemacht hat, bleibt das Internet bislang bei dieser Betrachtung oftmals außen vor. Die Folge: nach dem eigenen Tod bleiben E-Mail-Konten, Foren-Zugänge und Accounts zu sozialen Netzwerken auf ewig verschlossen, wenn man seine Passwörter -wie empfohlen- niemandem sonst mitgeteilt hat.
Diese Marktlücke greifen laut Bericht von Spiegel Online nun auch zwei amerikanische Start-Ups auf, bei denen man seinen digitalen Nachlass verwalten lassen kann. Um es genauer zu sagen: dort können die Passworte zu diversen Diensten hinterlegt werden. Nach dem Tod werden die Daten dann an die vorgemerkten Personen herausgegeben.
Es wird versichert, dass die Daten absolut vertraulich behandelt und doppelt verschlüsselt werden. Allerdings werden bei einem der Anbieter Gebühren bis hin zu 300 Dollar für den -bislang auf Amerika beschränkten- Service fällig. Nicht gerade ein Schnäppchen für die Aufbewahrung von ein paar Daten.
Dennoch machen Dienste dieser Art deutlich, dass es gerade im Bezug auf den Tod noch einiges zu klären gibt in der digitalen Welt. Bislang nämlich wird der digitale Nachlass von verschiedenen Unternehmen unterschiedlich behandelt. So gewähren beispielsweise GMX und Web.de den Erben gegen Vorlage des Erbscheins Zugang zum E-Mail-Postfach des Verstorbenen, wohingegen Yahoo Deutschland gegen Vorlage der Sterbeurkunde zwar den Account löscht, jedoch keine Einblicke gewährt.
Auf diese Weise schützt Yahoo in besonderem Maße den Schutz der Privatsphäre des Verstorbenen an seinen privaten Mails, während GMX und Web.de es den Erben ermöglichen, auf diese Weise noch etwaige E-Mail-Bekanntschaften des Verstorbenen über dessen Tod zu informieren. Beide Vorgehensweisen haben sicherlich Vor- und Nachteile, aber bei beiden kann nur über den Willen des Toten gemutmaßt werden. Dies trifft in ähnlicher Form auch auf die Mitgliedschaft in sozialen Netzwerken wie StudiVZ, Facebook, Wer-kennt-wen etc. zu, wo gleichermaßen unterschiedlich mit den Accounts von Verstorbenen umgegangen wird.
Von dieser Position aus betrachtet, können Dienste zur Verwaltung des digitalen Nachlassses durchaus Sinn machen, da sich durch solche Dienste der Wille des Verstorbenen eindeutig manifestieren lässt. Ob einem das jedoch bis zu 300 Dollar wert ist, steht auf einem anderen Blatt. Zumal sich auch die Frage stellt, ob man die Passworte für Dienste, die man den Angehörigen nach dem Ableben zur Verfügung stellen will, nicht auch einfach ins Testament aufnehmen kann, wenn man denn sowieso eines erstellt? Gerade bei einem notariellen Testament dürfte die Sicherheit ebenfalls durchaus als gegeben angesehen werden.
Habt ihr euch schon einmal Gedanken über euren Nachlass gemacht? Und habt ihr dabei auch an eure “digitalen Güter” gedacht? Oder haltet ihr das für übertrieben und messt Internet-Accounts keine so große Bedeutung zu?
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Ich weiß nicht. Ich glaube kaum das es einen toten noch groß interessiert was mit seinen digitalen Daten passiert. Er wird sie sicher nicht mehr brauchen.^^
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@Zero: Naja wenn du mit deinem Freunden per eMail oder PN in Foren/Social Networks über deine Eltern/Geschwister herziehst, ist es auch nicht gerade schön wenn sie das nach deinem Tod erfahren.
Ich kenne Leute die im Freundeskreis schon solche Erfahrungen gemacht haben, das ein Freund der bei Wer-kennt-wen.de oder Facebook angemeldet ist plötzlich verstorben ist. Und sich danach in deinem Profil eine Art Altar gebildet hat. Und die Familie fand das aber nicht so toll.
Gut 300$ ist kein Papenstil, aber man muss sich überlegen wie weit heut zu tage das Leben schon im Web 2.0 Stattfindet.
Was vor 20 Jahren Briefe und das Telefon waren, waren vor 10 Jahren noch die SMS und heuz zutage Twitter/Messenger/Social Networks.
Unser Tägliches Leben wird sehr oft von solchen Sachen mitbestimmt.
Das mit dem Testament ist sicherlich Machbar.
Aber ich stelle mir gerade vor, die Hinterbliebenen sitzen beim Notar, der verliesst das Testament, und es heisst, nach der Verteilung der realen Güter.
“Nun kommen wir zu meinem Virtuellen Leben. Und dann kommt eine 2 Seitige Liste aus Usernamen und Passwörtern und Internetseiten.
Das ganze ist ein sehr zweischneidiges Schwert. Wie das Internet selbst. Ein Fluch und ein Segen. Im Leben und im Tod.
Da gabs dochmal vor ein paar Monaten diese Selbstmord Welle in England, und später wurden die Toten Jugentlichen Gehypt was andere vielleicht auf die Selbe Idee bebracht hat.
Nach meinem Tod, sollten alle Accounts restlos gelöscht werden.
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Hmm… schwierig sich damit zu befassen. Ich denke, mein Mann braucht nach meinem Tod weder meine Emailkonten, noch meinen Zugang zu studivz o.ä. Wozu würde er es brauchen? Um jedem, der mir schreibt, zu antworten: “Entschuldigung, aber Janina ist tot!” ?! Neee, das kann ich mir nicht vorstellen.
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Ich stell mir schon die Statusmeldung in Wkw und Facebook vor.
Symm ist tot, verkaufe einen Roten Opel Corsa
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@zero
Da magst du Recht haben, aber sieh es mal von der Seite: das Allgemeine Persönlichkeitsrecht besteht auch über den Tod eines Menschen hinaus fort… was in vielerlei Hinsicht auch gut so ist. Aber damit tritt dann z.B. auch ein “Spannungsverhältnis” im Bezug z.B. auf private Briefe oder eben E-Mails auf.
@symm
Wenn all deine Accounts nach deinem Tod gelöscht werden sollen, solltest du diesen Wunsch auch schriftlich festhalten lassen. Und angeben, wo du überall Accounts hast. Da kann recht schnell eine lange Liste bei herumkommen, bei der Vielzahl von Diensten, die man heutzutage im Netz in Anspruch nimmt^^
@Janina
Ich könnte mir sowas zwar auch nicht für mich bzw. für meine Accounts vorstellen, aber es soll wohl schon vorgekommen sein, dass so nach dem letzten Willen gehandelt wurde. Andererseits denke ich, dass es in sozialen Netzwerken dann eigentlich damit getan wäre, wenn man einfach eine entsprechende Meldung an der Pinnwand, im Gästebuch oder sonstwo hinterließe.
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Ich hab mir schon manches Mal einen Kopf darüber gemacht. Im besonderen aber über meine Domain. Ich möchte nicht, dass das einfach alles verschwindet. Dann bin ich wirklich weg und hab nie existiert
Ich würde mir wünschen, dass jemand diese Seite am Leben erhält und mein Freund/Kind das vielleicht sogar weiterführt
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@Latita
Vielleicht sollten wir jetzt schon monatlich etwas in einen Fond zurücklegen, aus dem dann nach dem Tod die eigene Website weiter betrieben wird
Stimmt, daran hatte ich noch gar nicht gedacht! Die Domain und der Webspace verfallen ja bei Nicht-Zahlung. Und so verschwindet man zumindest in dieser Hinsicht aus dem Internet