115 – der kostenpflichtige Behördenruf
Die Notrufnummern 110 und 112 kennt hierzulande wohl so ziemlich jeder. Ab heute jedoch kommt eine neue Rufnummer hinzu: die 115!
Jedoch handelt es sich hierbei nicht um eine Notrufnummer im klassischen Sinn, denn am anderen Ende der Leitung melden sich weder Polizei, noch Feuerwehr, sondern Leute aus der Verwaltung. An die 115 soll man sich künftig bei jeglichen Fragen zur (örtlichen) Verwaltung wenden können. Wo kann ich meinen neuen Personalausweis beantragen? Wieviel kostet die Ausstellung eines Führerscheins? Welches Bild kommt in den Reisepass? Wie hoch ist aktuell die Müllgebühr in meiner Stadt? Was muss ich beachten, wenn ich mein Auto ummelden will?
Vorerst beschränkt sich der Service im Rahmen eines Pilotprojektes auf viele Städte und Gemeinden in NRW, sowie Hessen, Hamburg und Berlin. Stück für Stück soll der Service dann ausgebaut werden.
Doch Vorsicht: ganz umsonst ist die Nutzung dieses Dienstes nicht! Auch wenn wegen der Ähnlichkeiten zu den kostenfreien Nummern 110 und 112 die Vermutung naheliegt, ist die 115 NICHT kostenlos! Zwar verdienen die Kommunen laut Aussage von Michael Bergmann vom Amt für Kommunikation der Landeshauptstadt Düsseldorf gegenüber heise.de selbst keinen Cent an diesem Service, es werden aber dennoch -je nach Telefonanbieter- Gebühren zwischen 7 und 39 Cent pro Minute fällig… aus dem Mobilfunknetz kann es noch teurer werden.
Wenigstens haben sich die Betreiber des Services dafür ehrgeizige Ziele gesteckt. Innerhalb von 30 Sekunden sollen 70% der Anrufe von menschlichen Mitarbeitern angenommen werden, 55% der Probleme sollen beim ersten Anruf sofort gelöst werden. Sollte eine sofortige Lösung nicht möglich sein, werden die Servicemitarbeiter diese binnen 24 Stunden nachliefern und den Fragesteller per E-Mail, Fax oder Rückruf informieren.
Erreichbar ist die 115 montags bis freitags in der Zeit von 8-18 Uhr. Die Behörden versprechen sich von der neuen Service-Nummer, dass auf lange Sicht die Bürger ihre Probleme durch einen Anruf -also ohne Behördenbesuch- lösen können, die Ämter somit weniger überlaufen sind und die Sachbearbeiter sich intensiver um die “speziellen” Fälle kümmern können.
Ich muss sagen, dass ich die meisten meiner Fragen bislang im Internet auf den Seiten der zuständigen Ämter oder Gemeinden beantworten lassen konnte. Einmal habe ich bei einer Unklarheit halt per E-Mail nachgefragt und hatte innerhalb von nicht mal einer Stunde eine Antwort. Ansonsten halfen oft auch Foren und Blogs weiter.
Andererseits ist nicht jeder “fit im Internet”. Könnte die 115 -die zunächst nun zwei Jahre lang im Praxiseinsatz getestet werden soll- für solche Leute eine Alternative werden? Und warum ist die Tarifstruktur so undurchsichtig? Immerhin geht es hier um ein Projekt eines Bundesministeriums! Da dürfte man doch eigentlich klare, offene Strukturen erwarten und nicht irgendwelche halbtransparenten, dubiosen Tarif-Modelle.
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Vielen Dank für die Info. Sehr interessant.^^
Wobei, wie gesagt, bisher konnte ich noch jede Frage per Internet oder Email klären. Eine extra Rufnummer ist für mich eher eine Spielerei. Zumal man ja auch ohne Verwaltungsnotruf bei den Gemeinden/Städten anrufen kann.
Naja, ist ja erstmal in einer Testphase, man wird sehen wie der Service angenommen wird.
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Soo neu ist die 115 ja gar nicht. In der DDR galt die 115 schon einmal, damals als zentrale Rufnummer für medizinische Notfälle. 115 war quasi der Notarzt in der DDR.
Nach 1990 wurde die Nummer von heute auf morgen abgeschaltet. Ich möchte nicht wissen, wieviel Zeit bei Notfällen bisher verplempert wurde, nur weil viele im Osten noch immer die 115 im Kopf haben.
Nun also wird die 115 auch im Westen entdeckt. Schön, hat ja nur 20 Jahre gedauert. Ob das allerdings ein Fortschritt ist, daß man dann statt eines Notarztes die “kompetente” Behörde des Ortes dranhat…
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Das hab ich auch heute Morgen im Radio gehört, hier ist es nochmals schön zusammengefasst.
Das ist doch endlich mal ein Schritt nach vorne in der “Servicewüste Deutschland”. Es erspart jede Menge Recherchen und Gespräche mit Mitarbeitern, die nicht zuständig sind.
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@zero
Der Vorteil ist halt, dass man zentral an einer Stelle anrufen kann und nicht erst die -möglicherweise- richtige und zuständige Abteilung einer Behörde heraussuchen muss.
@Beobachter
Dass die 115 im Osten eine solche “Tradition” hat, wusste ich gar nicht. Ich kann mir vorstellen, dass es damals bei der wohl recht zügigen Umstellung auf 110/112 und der damit verbundenen Abschaltung der 115 bestimmt zu einigen Problemen gekommen ist
@plerzelwupp
Was ich besonders gelungen finde ist, dass man halt innerhalb von 24 Stunden eine Lösung bekommt und dann angerufen wird, wenn eine Frage nicht sofort beantwortet werden konnte.
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Pfft, alter Hut.
Bei meinem Dienstherren ( ich arbeite bei einer Behörde) haben wir schon seit Jahren ein Servicecenter , die man über eine ganz normale Telefonnummer erreichen kann ( kann man also mit Flatrate kostenlos erreichen und muss keine Sondertarife bezahlen). Wir haben zwar nicht die 24 Stunden, aber 48 Stunden-Regelung.
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@zaubi
Stimmt schon, solche Service-Center gibt es -vermute ich jetzt mal ganz keck- wahrscheinlich inzwischen in fast jeder Stadt. Von deren Existenz wissen lustigerweise aber längst nicht alle Bürger – ist zumindest hier bei uns so. Und noch weniger kennen die Nummer. Für solche Leute könnte so eine werbewirksame, kurze, einheitliche 115-Nummer vielleicht ein wahrer Segen sein.
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[...] ist dieser Service im Gegensatz zu den bekannten Notrufnummern 110 und 112 nicht kostenlos. Für einen Anruf werden derzeit 7 Cent pro Minute im Telekom-Festnetz oder 17 bis 39 Cent pro [...]