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Organspende und Organspendeausweis
19 Kommentare | veröffentlicht von Sascha in geforscht, gelebt

Heute kommen wir mal zu einem sehr ernsten Thema, welches ich selbst eigentlich viel zu lange aus reiner Bequemlichkeit vor mir hergeschoben habe. Die Rede ist von Organspenden! Hierzu möchte ich an dieser Stelle mal ein wenig Aufklärungsarbeit leisten, um Unklarheiten zu beseitigen, Missverständnisse auszuräumen und Klarheit zu schaffen – sowohl für Leute, die Organe spenden wollen, als auch für die, die sich entschlossen haben, dies nicht zu tun.
Laut Umfragen sind ca. 70% der Bundesbürger prinzipiell bereit, nach ihrem Tod ihre Organe zu spenden. Eine schöne Zahl, die eine große Menge an Organen bringen würde, um zahlreiche Leben zu retten. Allerdings gibt es dabei ein Problem: nur die wenigsten Bürger haben diese Bereitschaft zur Organspende schriftlich festgehalten. Auch im Kreise der Familie ist dieses Thema häufig ein Tabu, weswegen auch die Angehörigen oft nicht zweifelsfrei den Willen des Verstorbenen kennen und dann lieber die Organspende beim Toten ablehnen.
Dabei ist es so einfach und gleichzeitig sicher, seinem eigenen Willen im Bezug auf das Thema Ausdruck zu verleihen und somit für alle Beteiligten Klarheit zu schaffen – mit einem Organspendeausweis. Den bekommt man auf Wunsch bei den meisten Ärzten. Wer sich davor scheut, das Thema beim Arzt anzusprechen, kann stattdessen auch ganz anonym einen Spendeausweis aus dem Internet herunterladen.
Die entsprechende PDF-Datei kann hier heruntergeladen werden. Danach geht es ans Ausfüllen – keine Sorge, viel muss da eigentlich gar nicht beachtet werden:
Zunächst tragt ihr auf der einen Seite euren Namen, eure Adresse und euer Geburtsdatum ein. Auf der anderen Seite des Ausweises könnt ihr dann wählen, ob -und wenn ja, was- ihr im Todesfall an Organen spenden möchtet. Zu Auswahl stehen folgende Optionen:
JA, ich gestatte, dass nach der ärztlichen Feststellung meines Todes meinem Körper Organe und Gewebe entnommen werden.
Eigentlich selbsterklärend. Mit dieser Option stimmt ihr zu, dass euch nach dem Tod alle Organe und Gewebe entnommen werden können, die nach eingehender Untersuchung noch als “verwertbar” eingestuft werden.
JA, ich gestatte dies, mit Ausnahme folgender Organe/Gewebe: (…)
Wer -z.B. aus religiösen oder sonstigen Gründen- zwar grundsätzlich Organe spenden will, bestimmte Organe jedoch auf jeden Fall behalten möchte, der kann diese Option wählen und dann selbst aufzählen, welche Organe er von einer Spende ausklammern möchte.
JA, ich gestatte dies, jedoch nur für folgende Organe/Gewebe: (…)
Ähnlich wie die vorangegangene Option, kann man hier eben genau festlegen, welche Organe man spenden möchte. Alle anderen sind von einer Entnahme dann ausgeschlossen.
NEIN, ich widerspreche einer Entnahme von Organen oder Geweben.
Kommt jemand zu dem Entschluss, dass er keine Organe spenden möchte, so ist diese Entscheidung zu akzeptieren. Damit völlige Klarheit über diesen Entschluss herrscht und nahe Verwandte nicht im Zweifelsfall vielleicht doch einer Entnahme der Organe zustimmen, kann man auch diesen Wunsch ausdrücklich im Spendeausweis ankreuzen. Der Organspendeausweis ist also nicht nur etwas für Leute, die spenden wollen, sondern auch etwas für diejenigen, die dies eben nicht tun möchten.
Letztlich gibt es noch eine weitere Option auf dem Ausweis:
Über JA oder NEIN soll dann folgende Person entscheiden: (…)
Wer diese Option wählt, kann eine Person -mit Adresse- auf dem Ausweis angeben, mit welcher er intensiv über das Thema gesprochen hat und die dann gegenüber den Ärzten eine Auskunft geben kann, wie mit den Organen zu verfahren ist.
Zum Schluss bestätigt man seinen so schriftlich fixierten Willen noch mit Datum und Unterschrift und schon ist man fertig! War doch gar nicht so schwer, oder? Und schnell ging es auch. Praktischerweise solltet ihr den Ausweis danach natürlich stets mit euch führen, da niemand wissen kann, wann er mal gebraucht wird. Am besten steckt ihr ihn in eure Handtasche oder eure Geldbörse… bei den ganzen Karten und dem Krempel, den man sonst so mit sich herumschleppt, dürfte sich ja noch irgendwo ein kleines Plätzchen für den Ausweis finden lassen
Hier noch ein paar weitere Hinweise zum Thema:
Man wird nirgendwo in irgendeiner Weise registriert, wenn man einen solchen Ausweis hat. Man muss also keine Angst haben, in irgendeiner Datenbank zu landen.
Den Willen, den man mit dem Spendenausweis zum Ausdruck bringt, kann man natürlich jederzeit ändern, wenn man eine andere Ansicht zu dem Thema bekommt. Dazu füllt man einfach einen neuen Ausweis aus und wirft den alten fort.
Von Zeit zu Zeit ist es sowieso ratsam, sich einen neuen Ausweis mit aktuellem Datum anzufertigen, da Ausweisen mit sehr altem Datum möglicherweise Zweifel aufkommen könnten, ob der dort geäußerte Wille noch aktuell ist.
Einer Organspende kann man bereits ab dem 16. Lebensjahr zustimmen. Einer Organspende wirksam widersprechen kann man sogar schon mit 14 Jahren.
Es gibt keine Altershöchstgrenze für Organspender, da es nichtauf das Alter, sondern auf den Zustand der Organe ankommt.
Die Organe werden erst dann entnommen, wenn der Verstorbene hierzu -z.B. durch einen entsprechend ausgefüllten Ausweis- seine Bereitschaft zur Spende erklärt hat und zwei Ärzte den Hirntot zweifelsfrei festgestellt haben.
Vielleicht wichtig für die Gläubigen unter euch: sowohl die katholische als auch die protestantische Kirche haben in einer gemeinsamen Erklärung 1997 zum Ausdruck gebracht, dass die Spende von Organen ein Akt der Nächstenliebe sein kann und das ewige Leben nicht von der Unversehrtheit des Leichnams abhängig ist.
Man kann seine Organspende nicht an eine feste Person “koppeln”, also sagen, dass man seine Organe nur an Person X spenden will; dies ist unter anderem deswegen so geregelt, um den Verkauf von Organen zu Lebzeiten zu verhindern. Generell erfährt derjenige, der ein Organ erhält nicht, von wem er es bekommen hat. Auch die Angehörigen des Spenders erfahren nicht, wer das Organ oder die Organe erhalten hat, wohl aber auf Wunsch, ob die Transplantation erfolgreich war.
Wie ihr dem Spendeausweis entnehmen könnt, können nicht nur Organe, sondern auch Gewebe gespendet werden. Z.B. konnte durch die Transplantation bestimmter Teile der Netzhaut Sehbehinderten das Sehen wieder ermöglicht werden.
Organspenden kommen zu 100% Kranken zugute, keine Organe werden “nur” zu rein wissenschaftlichen Tests verwendet.
Nach der Organspende werden die Operationswunden des Toten verschlossen und der Leichnahm in “würdigem Zustand” zur Bestattung an die Angehörigen übergeben, die dann noch Abschied vom Toten nehmen können.
Ich für meinen Teil habe mir jetzt endlich einen Ruck gegeben und einen solchen Ausweis ausgefüllt und ausgedruckt. Ich möchte hier niemanden dazu drängen, Organe zu spenden. Wer nach reiflicher Überlegung zu dem Etnschluss kommt, dass er dies nicht möchte, dessen Wille ist ebenfalls zu akzeptieren. Dennoch fände ich es schön, wenn auch ihr euch den besagten Ruck geben würdet, euch mal mit dem Thema auseinandersetzt und letztlich einen solchen Ausweis ausdruckt -egal, welche Option ihr dann schließlich ankreuzt.
Oder habt ihr vielleicht schon längst einen solchen Ausweis? Was hat euch damals dazu gebracht, einen solchen auszufüllen? Gab es ein bestimmtes Schlüsselerlebnis?
Abschließend möchte ich anmerken, dass ich mich sehr darüber freuen würde, wenn der ein oder andere von euch in seinem Blog dieses Thema auch einmal anspricht, denn ich bin der Meinung, dass es gerade zu den Themen Organspende und Organspendeausweis viel zu wenig Informationsverbreitung in der öffentlichen Wahrnehmung gibt, obwohl die Sache mit dem Ausweis eigentlich sehr einfach gestaltet ist und mit wenig Aufwand eine große Wirkung erzielt werden könnte.
Ich freue mich auf eure Reaktionen und stehe natürlich auch für Rückfragen gerne zur Verfügung.
19 Rückmeldungen zu Organspende und Organspendeausweis
Kommentare
juliaL49 | 14. Februar 2009 um 13:01 Uhr
bisherige Kommentare: 47
Lisa | 15. Februar 2009 um 14:22 Uhr
bisherige Kommentare: 1
Ich habe selber einen Organspendeausweis und finde es sehr wichtig und eine gute sache.
Einerseits helfe ich ggf. Menschen, und wenn ich selber tot bin kann es mir ja egal sein ob ich mit ner Leber und Nieren beerdigt werde oder nicht.
Ich finde so was sollten viel mehr Menschen machen, aber viele scheinen ja der meinung zu sein, dass sie ihr Herz im Jenseits noch brauchen ….
Maik | 15. Februar 2009 um 20:13 Uhr
bisherige Kommentare: 2
Ich spende regelmäßig Blut, bin in einer Knochenmarkspenderdatei registriert und trage einen Organspenderausweis mit mir rum.
Wenn ich das Bekannten erzähle, ernte ich nur Kopfschütteln.
Die Erklärung von denen auf dieses Kopfschütteln bleibt aber meistens aus…
Janina | 16. Februar 2009 um 18:52 Uhr
bisherige Kommentare: 2
Hallo Sascha,
ich finde es sehr gut von dir, dass du das hier veröffentlicht und dich so gut informiert hast. Für mich ist das Thema ziemlich schwierig anzugehen, weil ich mir kaum Gedanken über den Tod mache (wer macht das schon gern). Aber vor allem auch durch den Film “Sieben Leben” mit Will Smith kommt einem das Thema “Organspende” zwangsläufig auf den Tisch. Jeder sollte sich echt mal hinterfragen.
unbekannter | 17. Februar 2009 um 18:40 Uhr
bisherige Kommentare: 1
.. und wie haltet Ihrs mit der Gewebespende und Konsorten?
Ahoi D.
Männliche Tippse | 18. Februar 2009 um 10:07 Uhr
bisherige Kommentare: 1
So einen Ausweis trage ich auch immer mit mir. Die sind nur sehr schnell kapput. Die liegen beim Blutspenden immer aus.
patsy | 10. Mai 2009 um 16:44 Uhr
bisherige Kommentare: 45
Ich hab ja auch schon lange einen, allerdings musste ich auf meinem einen “Warnhinweis” eintragen, da ich als Kind eine Yersinien-Infektion hatte und deshalb z.B. auch kein Blut spenden darf.
redaktusse | 10. Mai 2009 um 19:06 Uhr
bisherige Kommentare: 13
Ein Thema, was alle betreffen kann. Daher finde ich die Lösung der Österreicher gut, da ist jeder potentieller Spender, und muss, wenn er nicht spenden will, es explizit in einer Widerspruchsregelung (ähnlich der deutschen kann man angeben, was man nicht spenden möchte) äussern. Das hat in Österreich vor allem den Vorteil dass die Wartelisten um einiges kürzer sind. Ich selber trage auch seit Jahren eine Spendekarte bei mir.
Ich glaube, es braucht mehr Aufklärung, sind viele doch noch der Meinung, dass bei der Organspende viel Pfusch im Gange ist.
bee | 13. Mai 2009 um 10:29 Uhr
bisherige Kommentare: 1
Ein wichtiges Thema. Ich selbst habe seit 6 oder 7 Jahren so einen Ausweis bei mir (bzw. die 3. Version, weil sich die Adresse immer wieder ändert). Und stelle immer wieder erschreckt fest, dass fast keiner in meinem Bekanntenkreis so einen Ausweis hat.
Hmm du hast mich auf eine Idee gebracht: Heute hol ich mir ein paar Ausweise aus der Apotheke und verteil die im Büro. Hach sie werden mich lieben

Gute Idee! (Beitrag und Ausweis
)
Sollte man wirklich öfter aktualisieren wegen evlt. geänderten Wünschen? Meiner ist fast 12 Jahre alt und ich habe nie daran gedacht den zu aktualisieren. (Ok, doch, wegen den neuen Design) Es ist davon auszugehen, dass in einer solch langen Zeit die Handtasche/Geldbörse gewechsetlt wurde und wenn der Ausweis immer brav mit umgezogen ist, dann hat sich der Wunsch nicht geändert.