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Feb/09

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EU auf dem Weg zu Internet-Sperrungen

Es vergeht inzwischen kaum eine Woche, in der nicht irgendwo auf der Welt von irgendeinem Staat versucht wird, das Internet zu kontrollieren. Früher war es vor allem China, wo auch im Internet massiv Zensur betrieben wurde und natürlich auch immer noch betrieben wird. Damals empörte sich die “westliche Welt” auch noch über dieses Verhalten; von staatlicher Bevormundung und Unterdrückung der Freiheit war da gerne die Rede.

Wie sich die Zeiten doch ändern. Plötzlich wollte man auch in Australien die Bevölkerung mittels Staats-Firewall vor “bösen Inhalten schützen”, in England, Amerika, Frankreich und einigen anderen Staaten wurde über die 3-Strikes-Regelung diskutiert bzw. diese Regelung eingeführt, wonach Internet-Provider jemandem den Internetzugang sperren, wenn er 3x illegale Inhalte aus dem Internet geladen hat; das “Delikate” an der Regelung ist jedoch, dass hierzu nicht einmal richterliche Beschlüsse notwendig sind, sondern bereits “Hinweise” z.B. von Vertretern der Musik-Industrie ausreichen können. Dass deren “Hinweise” nicht immer fehlerfrei sind, hat sich jedoch in der jüngsten Vergangenheit immer wieder -leider zumeist erst mit einigem gerichtlichem Aufwand- bestätigt. In Deutschland wird zwar diese Regelung abgelehnt, aber Filter-Systeme sollen auch hier bald zum Einsatz kommen; ob sich dadurch das Problem der Kinderpornographie eindämmen lässt ist allerdings genauso fraglich wie der Umstand, ob das Filter-System -wenn es einmal etabliert ist- später nicht auch zur Zensur anderer Inhalte verwendet werden soll.

Nun bekommt die gesamte Thematik auf EU-Ebene eine noch brisantere Qualität, da gewisse Gruppierungen ihren Willen nach Internet-Sperrungen anscheinend auf Biegen und Brechen durchsetzen wollen:

Wie heise berichtet, hat die Präsidentenkonferenz des EU-Parlaments nämlich beschlossen, den durchaus auch innerhalb der EU umstrittenen Bericht zur “Harmonisierung des Urheberrechts” von Manuel Medina Ortega dem Plenum zur Abstimmung vorzulegen, welcher unter anderem auch Filterungen und 3-Strikes-Sanktionen zum Schutz des Urheberrechtes vorsieht.

Interessant daran ist, dass diese Sanktionen bereits in der ersten Lesung zur Reform des Telecom-Pakets vorgeschlagen und vom EU-Parlament in dieser Form abgelehnt worden waren. Nun kommen eben jene Vorschläge durch die “Hintertür” eines anderen Berichts wieder auf die Tagesordnung.

Doch damit nicht genug! Damit der Entwurf nicht wieder im Parlamant “zerredet” werden kann und man wieder abschwächende Kompromisse eingehen muss, hat die Präsidentenkonferenz beschlossen, dem Plenum den Bericht zwar zur Abstimmung vorzulegen, es dürfen jedoch keine Änderungsanträge eingebracht werden. Es ist den Abgeordneten nicht einmal erlaubt, eine Aussprache einzufordern, um über noch unklare Punkte zu diskutieren. Vielmehr “dürfen” die Abgeordneten anscheinend den Bericht entweder abnicken, oder sie lehnen ihn ab und stehen dann öffentlich als Gegner des Urheberschutzes dar.

Diese Entwicklung ist durchaus bedenklich. Natürlich ist es in Ordnung, wenn man über Mittel und Wege nachdenkt, um die Rechte der Urheber zu wahren. Vorliegend findet zu dem Thema jedoch keine breite Diskussion statt, sondern vielmehr soll gegen alle Widerstände, die in der Bevölkerung als auch anscheinend bei Abgeordneten des EU-Parlamentes bestehen, eine Regelung auf Gedeih und Verderb durchgesetzt werden. Wenn jetzt sogar dem Parlament auf EU-Ebene jegliche Rechte auf Änderungsvorschläge oder wenigstens Aussprachen zu dem Thema verwehrt werden, dann muss die Frage erlaubt sein, wo da noch der freiheitlich demokratische Grundgedanke gewahrt wird? Die Geschichte hat oft genug gezeigt, wohin die Reise ging, wenn Parlamente nur noch dazu da waren, um Vorschläge der Obrigkeiten abzunicken.

Teile des Parlaments haben bereits angekündigt, alle Möglichkeiten zu prüfen, um gegen dieses Vorhaben vorzugehen. Es bleibt zu hoffen, dass hierfür ein Weg gefunden wird. Nicht etwa, um dem Urheberschutz Steine in den Weg zu legen, sondern einfach, um sicherzustellen, dass die demokratischen Grundpfeiler auch auf EU-Ebene vor allzu simplen Aushebelungen durch Lobbyisten oder deren Symphatisanten geschützt sind.

Wie sieht es bei euch aus? Habt ihr den Glauben an die Demokratie bereits verloren? Oder hegt ihr weiterhin Hoffnungen, nicht zuletzt aufgrund von Institutionen wie dem Europäischen Gerichtshof und dem Bundesverfassungsgericht, die immer wieder -erfolgreich- damit beschäftigt sind, per Urteil Gesetze aufzuheben, die gegen diverse Grundrechte verstoßen? Oder ist die Angelegenheit in euren Augen vieleicht gar nicht so schlimm, wie sie dargestellt wird? Ich bin auf eure Kommentare gespannt.



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12 Rückmeldungen zu EU auf dem Weg zu Internet-Sperrungen

Kommentare

plerzelwupp | 8. Februar 2009 um 15:48 Uhr
bisherige Kommentare: 137

Ich machs ganz kurz und sag’s salopp: Ein Glück, dass es den Europäischen Gerichtshof und das Bundesverfassungsgericht gibt. Die Urteile, die von dort kommen sind nach meinem Rechtsverständnis vernünftig und bügelt so manches, was aus niedriger Instanz kommt wieder aus.

Sascha | 8. Februar 2009 um 18:32 Uhr
bisherige Kommentare: 1279

@plerzelwupp
Willkommen hier im Blog :) Ja, gerade das Bundesverfassungsgericht ist in der letzten Zeit immer wiede eifrig damit beschäftigt, bestimmte gesetzliche Regelungen “gerade zu rücken”. Wobei es traurig ist, dass dafür erst das BVerfG aktiv werden muss und solche Dinge nicht schon im Vorfeld von den entsprechenden Stellen erkannt werden oder erkannt werden wollen. Somit bleibt die Last dann im Endeffekt beim eh schon viel zu sehr belasteten Bundesverfassungsgericht hängen und andere Entscheidungen verzögern sich deswegen mehr als nötig. Sehr ärgerlich, wie ich finde.

Break | 9. Februar 2009 um 14:59 Uhr
bisherige Kommentare: 1

Irgendwie habe ich mitleid mit den Internet Usern in China wenn man mal überlegt welche “Freiheiten” die dort haben.Es sind auch fälle gekannt wo Yahoo mit der Chinesischen Regierung zusammen gearbeitet haben.

Hier mal ein Spiegel artikel
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,413805,00.html

plerzelwupp | 9. Februar 2009 um 16:06 Uhr
bisherige Kommentare: 137

@Break
ja das stimmt schon – den Spiegel-Artikel hab ich auch gelesen – ist aber schon etwas älter.

Bei der Olympiade und der Diskussion um die Pressefreiheit in China, wurde die Seite http://www.internetfreedom.org/ (Global Internet Freedom Consortium) recht bekannt. Sie bietet gleich mehrere Möglichkeiten bzw. Software für die Umgehung der Internetzensur an und erläutert diese:

* UltraSurf

* FreeGate

* GTunnel

* FirePhoenix

* GPass

Sascha | 9. Februar 2009 um 20:13 Uhr
bisherige Kommentare: 1279

@Break & plerzelwupp
Wenn ihr einmal Interesse daran habt, einen eigenen Eindruck davon zu gewinnen, wie der Zugang zum Internet in China genau ist bzw. was da so alles gefiltert wird, dann verweise ich mal auf folgenden älteren Beitrag von mir:

Chinas Zensur-Firewall für jeden

Dort könnt ihr bei Interesse ein AddOn für den Browser Firefox herunterladen, welches euch ermöglicht, im Browser genau das zu sehen, was die Chinesen sehen bzw. nicht sehen.

Schaps | 9. Februar 2009 um 21:00 Uhr
bisherige Kommentare: 52

Ich hoffe ja auch, dass das Justizministerium und die von der Leyen jämmerlich mit ihren Plänen scheitern…hab auch den Artikel auf zeit.de gelesen und der macht eindeutig klar, wie bescheuert die ganze Idee ist. Ich war und bin schon immer gegen Zensur. Doch dass die EU auch noch auf einem ähnlichen Kurs wandelt ist die Spitze des Eisbergs!
Das öffnet jegliche Türen zur staatlichen Zensur und das ist nicht mehr nur linkes reaktionäres Gefasel…die Bürger werden immer weiter aufgeweicht, bis ihnen alles egal ist. Eine sehr sehr bedenkliche Entwicklung deutet sich hier an!

Sascha | 9. Februar 2009 um 21:34 Uhr
bisherige Kommentare: 1279

@Schaps
Genau das scheint momentan die Strategie zu sein, was diese und ähnliche Thematiken angeht. Die Themen kommen immer und immer wieder auf den Tisch, bis sie irgendwann tatsächlich so “zerredet” sind, dass sich niemand mehr darüber aufregt und sie dann tatsächlich durchkommen. Und alles nur, weil das Internet in den letzten Jahren kontinuierlich an Einfluss und “Macht” gewionnen hat; dabei verkennen die Entscheidungsträger allerdings, dass sich das Internet -welches eben weltweit gespannt ist- nicht an Grenzen durch nationale Gesetze regulieren oder gar kontrollieren lässt.

Ecki | 9. Februar 2009 um 22:05 Uhr
bisherige Kommentare: 21

der herr plerzelwupp hat ja schon das richtige im ersten Kommentar gesagt! Und an denen von Bundesverfassungsgericht kommt auch die Bundesregierung nicht vorbei :)

Sascha | 9. Februar 2009 um 22:15 Uhr
bisherige Kommentare: 1279

@Ecki
Dann wollen wir nur hoffen, dass sich die Verfassungsrichter ihrer Verantwortung weiterhin so bewusst bleiben, wie man es sich eigentlich auch von so manchem Politiker wünschen würde.

greencard | 18. Februar 2009 um 03:34 Uhr
bisherige Kommentare: 1

warum doesn’ t-diese Web site hat andere Sprachunterstützung?

Sascha | 18. Februar 2009 um 18:41 Uhr
bisherige Kommentare: 1279

Hello greencard,

this site doesn’t support different translations, because i’m not happy with the results of most translation-tools. But if you really want to read my articles in one of your favorite languages, then feel free to translate it via services like google language tools.

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