Die liebe Rechtschreibung

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Neulich kam eine Kollegin zu mir und legte mir einen Brief vor, den sie erhalten hatte. Ein Mieter ist mit seiner Miete im Rückstand und kann auch die vereinbarten Raten nicht in der Höhe zahlen, wie das eigentlich ausgemacht war. Der Mieter bat nun diesbezüglich um unser Verständnis.

Allerdings war der Brief von der Form her eine einzige Katastrophe. Vorab möchte ich bemerken, dass ich kein Mensch bin, der sich über jeden kleinen Rechtschreibfehler lustig macht. Fehler passieren, zumal mir hier im Blog sicherlich auch schon das ein oder andere mal ein Buchstabendreher passiert ist oder sich ein Flüchtigkeitsfehler einschlichen hat.

Aber der Brief des Mieters ist wohl selbst mit sehr viel Wohlwollen nicht nur mit Flüchtigkeitsfehlern zu erklären. Ich stelle den Brief hier mal in anonymisierter Form online, damit ihr euch ein eigenes Bild machen könnt:

Sehr geerthe frau X,

ich habe ja noch eine offene Miete von 486,00 zu zahlen habe und wollte ihnen nur Miteilen das ich es in 2raten nicht schaffe Finanziel.Deshalb habe ich ihnen jetzt 100euro überweisen und dann wieder zum mitte des Monats ab den 3.09 die weitere Rate in höhe von 100,00euro ich bitte deshalb um Verständniss und um eine Rückantwort.

Mit freundlichen grüssen …

Um es noch deutlicher zu machen, habe ich rot jetzt einmal die Fehler rot markiert, fehlende Worte, Satzzeichen und Buchstaben in Klammern hinzugefügt und zuviel genutzte Buchstaben und Worte gestrichen. Das (traurige) Ergebnis:

Sehr gee(h)rthe fFrau X,

ich habe ja noch eine offene Miete von 486,00 (Euro) zu zahlen habe und wollte iIhnen nur Mmit(t)eilen(,) das(s) ich es in 2 r(R)aten nicht schaffe F(f) inanziel(l). Deshalb habe ich i(I)hnen jetzt 100 e(E)uro überwei(e)sen und (werde) dann wieder zum(r) m(M)itte des Monats ab den 3.09 (März 2009) die weitere Rate in h(H)öhe von 100,00 e(E)uro (überweisen.) iIch bitte deshalb um Verständniss und um eine Rückantwort.

Mit freundlichen g(G)ss(ß)en …

Es geht mir hier wirklich nicht darum, den großen Oberlehrer zu spielen. Aber so eine Anhäufung von Fehlern auf 6 kurzen Zeilen Briefbogen -Anrede und Abschiedsformel sind da großzügig mitgerechnet- finde ich schon enorm, vor allem vor dem Hintergrund, dass der Mieter ja etwas von uns möchte. Wohlgemerkt, es handelt sich hier um den Brief eines Paares (deutsche Staatsbürger), den beide unterschrieben -und somit hoffentlich vorher gelesen- haben.

Sicher, der Sinn des Briefes wird auch mit all seinen Fehlern deutlich, aber zum einen dauert es eben doch etwas länger, so einen Brief zu bearbeiten und zum zweiten hat es in meinen Augen auch etwas mit Höflichkeit zu tun, wenn man schon um Entgegenkommen bittet, diese Bitte dann wenigstens halbwegs sorgfältig zu formulieren.

Oder sehe ich das vielleicht zu engstirnig?


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