Aufwachsen mit Big Brother
Großbritannien ist unangefochtener Vorreiter, was Videoüberwachung an öffentlichen Plätzen angeht. Über 4 Millionen Kameras wurden seinerzeit für viel Geld an entsprechenden Orten installiert, um eine lückenlose Überwachung zu gewährleisten und die Sicherheit zu erhöhen. Allerdings musste inzwischen Mike Neville, der Chef der Abteilung für Videoüberwachung bei Scotland Yard, höchstpersönlich eingestehen, dass dieses Experiment ein “völliges Fiasko” geworden ist!
Zum einen gibt es viel zu wenig Personal zur Sichtung der riesigen Datenmassen, die von den über 4 Millionen Kameras ständig geliefert werden. Zum anderen -oder damit einhergehend- ist auch kein Abschreckungspotential durch die Kameras bei Straftaten festzustellen.
Daher sollte man meinen, dass die Briten die Lektion gelernt haben… haben sie aber allem Anschein nach nicht. Denn nun “erobern” die Kameras sogar die Klassenzimmer! Wie in der Daily Mail nachzulesen ist, machen mehr und mehr Schulen Gebrauch vom offiziell genehmigten Angebot der Firma Classwatch, die Schulen mit Kamerasystemen inklusive Mikrofonen und Datenrecordern ausstattet.
Sinn des Systems sei es, die Sicherheit an den Schulen zu erhöhen. Nachdem dies mit den Kameras an den öffentlichen Orten ja nicht ganz so gut geklappt hat, vertraut man bei Classwatch anscheinend diesem Argument auch nicht mehr bedingungslos und schiebt daher weitere Argumente nach. So könne der Lehrer mit diesem System -quasi mit “Videobeweis”- Störenfriede im Klassenzimmer identifizieren oder sich vor ungerechtfertigten Anschuldigungen schützen. Gegenüber Kritikern betont man, dass das System kein allgegenwärtiger Big Brother sei, da die Lehrer frei darüber entscheiden könnten, wann und ob die Kamera läuft oder nicht.
Da die Schüler jedoch nicht wissen, ob sie z.B. während der Pause gerade beobachtet oder ihre Gespräche gerade von einem neugieirigen Lehrer gar mittels der Kameramikrofone belauscht werden, kann man in dem System schon eine sehr harte Einschränkung der Privatsphäre sehen. Überhaupt sollte man vielleicht einmal bedenken, welche Art von Mensch man in den britischen Schulen heranformt, wenn die dortigen Schüler “lernen”, jede eigene Aussage aus Angst vor Repressalien von Seiten der “Obrigkeit” mehrfach zu überdenken, bevor man sie ausspricht – Duckmäusertum ist quasi vorprogrammiert.
Teilweise wird sogar vermutet, dass genau dieser Gedanke hinter der ganzen Angelegenheit steckt. Heutzutage muss bei Menschen oft erst noch ein gewisser Widerstand überwunden werden, bevor diese bereit sind, allgegenwärtige Kamera-Überwachung zu akzeptieren. Aber wenn Kinder von 4-5 Jahren bereits in der Schule mit Überwachungskameras aufwachsen, sei dies später für sie etwas ganz normales, so dass deren Widerstand bezüglich solcher Techniken ungleich niedriger wäre.
Bei solchen Überlegungen mutet es schon fast ironisch an, wenn man sich vor Augen führt, dass all dies momentan in dem Land geschieht, in welchem einst George Orwell den Roman 1984 schrieb. Oder was mein ihr?
Artikel weiterempfehlen und Blog unterstützen:
Ähnliche Artikel:







bisherige Kommentare: 13
Stichwort: Big Brother in England. Lies dir mal den etwas älteren Artikel von mir durch: http://www.hingesehen.net/?p=20
Genauso erschreckend wie deine Entdeckung.
bisherige Kommentare: 2867
Hallo Florian, es ist wirklich unglaublich, was da manchmal in England geplant und in Teilen sogar immer wieder umgesetzt wird. Da sind Maßnahmen dabei, wo selbst amerikanische Behörden wohl neidisch werden könnten. Inwiefern es Sinn macht, die eigene Freiheit immer weiter zu beschneiden, um diese Freiheit zu schützen, lasse ich mal dahingestellt. Wenn man sich aber mal Gedanken darüber macht, wieviel Geld in solche Maßnahmen gepumpt wird, die im Endeffekt -wie die Kameraüberwachung- dann ohne positives Ergebnis “verpufft”, dann kann einem schon schwindelig werden.
bisherige Kommentare: 13
Ja, die Engländer übertreiben es in solchen Sachen viel zu oft. Privatssphähre und Freiheit scheinen dort nicht allzu viel zu zählen. Da geht es uns in Deutschland noch vergleichsweise gut – trotz Schäuble.
bisherige Kommentare: 135
Schlimm, echt Schlimm. Was bitte veranlasst sie dazu, überhaupt solche gedanken zu entwickeln? ich errinere mich da gerne an meine Schulzeit in der Realschule zurück, da war ich in der schlimmsten klasse im ganzen jahrgang. allerdings fand ich, waren wir nie so schlimm das wir überwachung bräuchten.
ich finde solche gedanken brauchen doch einen auslöser der mit gewalt zu tun haben muss und ich glaube nicht das in england so viel gewalt herrscht das so etwas nötig ist.
ich kann es verstehen, wenn man kameras in die schulen von großstädten in den usa hängt, aber hier? in europa?
völlig übertrieben!
bisherige Kommentare: 2867
Wie gesagt, denkbar ist ja auch, dass die Aktion primär dazu dient, die Menschen vom Kindesalter an an die Kameras zu gewöhnen. Das wäre dann zugegebenermaßen zwar ziemlich bedenklich, aber kategorisch ausschließen lässt es sich -angesichts der eigentlich fehlenden Gründe für diese Maßnahme- wohl zunächst einmal nicht, oder?
bisherige Kommentare: 13
Gleich im Kindealter für die kommende Dauerüberwachung sensibilisieren. Das nenne ich Pädagogik der Extraklasse.;)
bisherige Kommentare: 70
Klingt ziemlich nach 1984 von George Orwell.
Ich sehe das genauso, in der Schule wird es antrainiert…
bisherige Kommentare: 247
Umso früher die kleinen mit der Totalen Überwachung aufwachsen. Umso weniger Stören sie sich im Alter daran. Und die kleine GedankenVerbrecher ähhh Querulanten werden schon in Kindestages von den Masser abgesondert und besonders “gefördert”. So werden wir eine Gesellschaft voll zu friedener Idioten.
Und unsere Polis schauen sich das Konzept bestimmt ab.
bisherige Kommentare: 2867
Die Frage, die sich mir nur stellt: wenn irgendwann alle Menschen “brave, zufriedene Zombies” sind, wer soll diese dann noch führen bzw. leiten? Oder schickt die Führung eines Staates ihre eigenen Kinder in einen speziellen Privat-Unterricht? Hui, ich merke schon, wir spinnen hier inzwischen interessante Ideen.
bisherige Kommentare: 247
Naja Beispiel Amerika: 3-Klassengesellschaft aus elitärer Oberschicht, Künstlich Dummgehaltender Mittelschicht und der Unterschicht.
Und in Deutschland sind wir auch nicht viel besser. Man sagt zwar immer das jeder alles erreichen kann. Aber wenn man sich die Realität anschaut, bestehen die Klassen der Gymnasien doch eher aus Kindern der Mittelschicht und Oberschicht.
Naja die Video Überwachung ist halt so ein Thema, ein Unschuldiger fühlt sich beobachtet. Ein Opfer von Prügeleien und Mobbing hilft das vielleicht weiter. Was mich an der ganzen Sache am meisten Stört ist das die Cams mit Micro ausgestattet sind. Da geht dann wirklich der letzte Rest Privatssphäre flöten.