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Jan/09

12

Gesundheit – wie weit darf man gehen?

In England sind die Regeln im Bereich der Embryonen- und Stammzellenforschung weitaus lockerer als z.B. hier bei uns in Deutschland. Dies bringt jedoch nicht nur wissenschaftlichen und medizinischen Fortschritt mit sich, sondern kann in einigen Fällen auch zu ethisch-moralischen und philosophischen Fragen und Problemen führen.

So ist es in Großbritannien erlaubt, innerhalb einer künstlichen Befruchtung ein Verfahren namens Präimplantationsdiagnostik (PID) anzuwenden. Hierbei werden die Gen-Pools der Embryonen vor der Einpflanzung in den Mutterleib nach Genen untersucht, die mit aboluter Sicherheit zu einer schweren Krankheit wie z.B. Mukoviszidose führen würden. Die mit entsprechenden Genen “infizierten” Embryonen werden dann von vornherein “aussortiert”.

Doch es geht noch weiter! Inzwischen wurde die Gesetzgebung noch weiter aufgeweicht, so dass mit dem PID-Verfahren -nach behördlicher Erlaubnis- die Embryonen nicht nur nach Genen untersucht werden dürfen, die zu 100% zu einer erheblichen Erkrankung führen werden, sondern auch nach Risiko-Genen, die eben nur möglicherweise zu entsprechenden Krankheiten führen könnten.

Wie die Netzeitung unlängst berichtete, hat auf diese Art nun ein Baby in Großbritannien das Licht der Welt erblickt, welches nicht das Gen BRCA1 in sich trägt; dieses Gen kann nach wissenschaftlicher Vermutung(!) in 5-10% der Fälle zu Brustkrebs führen. In der Familie des Vaters hatte es in den letzten Generationen immer wieder Brustkrebs gegeben, weswegen die Eltern durch das PID-Verfahren dieses Risiko für ihr Kind eliminieren wollten.

So wurden von den nach der künstlichen Befruchtung entstandenen 7 Embryonen ganze 5 “aussortiert”, da sie das vermeintliche Risiko-Gen in sich trugen.

Das Thema ist komplex und sehr umstritten. Auf der einen Seite kann man mit Hilfe solcher Verfahren Menschen vor Kummer, Schmerz und Leid infolge schwerer Krankheiten bewahren. Viele oftmals genetisch bedingte Krankheiten ließen sich auf diesem Wege praktisch “ausrotten” oder “im Keim ersticken”.

Andererseits bergen solche Verfahren aber auch eine Vielzahl von Gefahren verschiedenster Art:

  1. Woher soll man wissen, dass die Gesetze nicht in Zukunft noch weiter gelockert werden und man sich irgendwann auf diese Weise Designer-Babys heranzüchten kann, ohne genetische Defekte, mit Wunsch-Haarfarbe, Gardemaß etc.?
  2. Kann man es rechtfertigen, entstehendes Leben im Keim zu ersticken, nur weil eine prozentuale Chance besteht, dass dieser Mensch evtl.(!) an einer genetisch bedingten Krankheit erkranken könnte?
  3. Und selbst bei denjenigen, bei denen sicher, also zu 100%, aufgrund eines Gen-Defekts eine Krankheit ausbrechen würde: ist das ein gerechtfertigter Grund zur vorzeitigen “Aussortierung”? Wer sagt einem, dass der daraus entstehende Mensch nicht trotz seiner Krankheit ein erfülltes, glückliches -vielleicht sogar langes- Leben führen wird?

Auf der einen Seite könnte man also eine gesündere Welt schaffen, auf der weniger Menschen -insbesondere weniger Kinder- an schweren, schmerzvollen Krankheiten leiden müssten, auf der anderen Seite müsste man dafür de facto “krankes Leben” als “weniger lebenswert” behandeln und es von vornherein “aussortieren”. Wie würdet ihr entscheiden? Würdet ihr das zulassen? Oder es kategorisch ausschließen? Oder es bis zu einer bestimmten Grenze erlauben? Und welches sind die Beweggründe für eure Entscheidung?



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3 Rückmeldungen zu Gesundheit – wie weit darf man gehen?

Kommentare

IceBear2k6 | 12. Januar 2009 um 08:42 Uhr
bisherige Kommentare: 106

Ich stehe dem ganzen etwas kritisch gegenüber. Nicht aber weil ich es absolut verabscheue, sonder weil ich ,entgegengesetzt der Meinung vieler meiner bekannter (und wahrscheinlich auch der Bevölkerung), soetwas für gut befinde. ich finde das embryonen, die noch im reagenzglas sind, nicht als leben bezeichnen kann.
Solche Grundgedanken des “krankheitsfreien” finde ich auch nicht so schlimm… allerdings kommt da wieder das problem ins spiel mit der demographie. es gibt heut zu tage schon mehr alte als junge, wie würde es aussehen wenn es nur noch gesunde menschen geben würde?!
Ich finde es ist doch deutlich besser einem MEnschen ein völlig gesundes leben zu schenken als wenn man das leben einer ganzen familie zerstört (soll heißen wenn z.B. ein kind schwer krank ist, leidet ja nicht nur das kind, sondern die ganze familie damit alle mit der schweren bürde leben müssen ein kranken kind zu haben und das das sie es versorgen müssen. evtl sogar rund um die uhr, so das es passieren kann das der beruf o.ä. nichts ausgeübt werden kann).

Dragonlover | 12. Januar 2009 um 14:21 Uhr
bisherige Kommentare: 104

Also einerseits ist es ja schön das man Menschen von Krankheiten befreien kann oder das man vielleicht kinderlosen Paaren Nachwuchs ermöglichen kann.
Aber wenn man mal genau drüber nachdenkt, merkt man das, egal was die Menschen in allen Bereichen gemacht haben, meist haben neue Erkennisse zwar die derzeitigen Probleme gelöst aber es sind in der Folgezeit neue Entstanden. Oftmals ausgelöst durch den neuen Zustand oder oder auf Grund der Lösungsmethode.
Als wolle die Natur den Menschen immer ein Schnippchen schlagen.

Da frage ich mich schon was Designer-Babys auslösen würden. Mal abgesehen von der Überbevölkerung, die wohlmöglich alle Resourcen dieser Erde leersaugen würde.
Was hätte dies für Auswirkungen auf deren Nachfolgegenerationen?
Mal ganz davon abgesehen von der Diskriminierung von kranken, “nicht manipulierten” Menschen bzw. Aussortierung von Embryonen, die mich schon an das nationalsozialistische “Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses” bzw. deren Rassenhygiene erinnert.

Die strikte Gesetzesregelung in Deutschland hat schon ihren Sinn und hoffe das sie sie beibehalten.

zero_-_-cool | 13. Januar 2009 um 07:46 Uhr
bisherige Kommentare: 113

Würde der Mensch die ethischen und moralischen Grundprinzipien verinnerlicht haben und nach ihnen Leben, könnte man ihm die verantwortungsvolle Möglichkeit geben selbst zu entscheiden, welches Leben lebenswert ist und welches nicht. Da es der Mensch aber nichteinmal schafft grundlegende, einfache moralisch und ethisch richtige Entscheidungen zu treffen und nur raffgierig und vorteilsbewusst denkt, kann man ihm eine solche Technik nicht guten Gewissens anvertrauen.

Das ist wie die Geschichte mit der Spaltung der Atome. Eine verantwortugsvolle Gesellschaft hätte daraus niemals eine Atombombe gebastelt sonder nur den positiven Effekt der Energiegewinnung im Sinn gehabt. Aber die verwerfliche Natur von uns treibt uns dazu an auch oder gerade das negative herauszusuchen.

Im übrigen sehe ich das genauso wie Dragonlover. Bisher hat jede vermeintlich revolutionäre Erfindung, ein mindestens ebenso große wie negative Gegenreaktion hervorgerufen.

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