Gesundheit – wie weit darf man gehen?

In England sind die Regeln im Bereich der Embryonen- und Stammzellenforschung weitaus lockerer als z.B. hier bei uns in Deutschland. Dies bringt jedoch nicht nur wissenschaftlichen und medizinischen Fortschritt mit sich, sondern kann in einigen Fällen auch zu ethisch-moralischen und philosophischen Fragen und Problemen führen.

So ist es in Großbritannien erlaubt, innerhalb einer künstlichen Befruchtung ein Verfahren namens Präimplantationsdiagnostik (PID) anzuwenden. Hierbei werden die Gen-Pools der Embryonen vor der Einpflanzung in den Mutterleib nach Genen untersucht, die mit aboluter Sicherheit zu einer schweren Krankheit wie z.B. Mukoviszidose führen würden. Die mit entsprechenden Genen “infizierten” Embryonen werden dann von vornherein “aussortiert”.

Doch es geht noch weiter! Inzwischen wurde die Gesetzgebung noch weiter aufgeweicht, so dass mit dem PID-Verfahren -nach behördlicher Erlaubnis- die Embryonen nicht nur nach Genen untersucht werden dürfen, die zu 100% zu einer erheblichen Erkrankung führen werden, sondern auch nach Risiko-Genen, die eben nur möglicherweise zu entsprechenden Krankheiten führen könnten.

Wie die Netzeitung unlängst berichtete, hat auf diese Art nun ein Baby in Großbritannien das Licht der Welt erblickt, welches nicht das Gen BRCA1 in sich trägt; dieses Gen kann nach wissenschaftlicher Vermutung(!) in 5-10% der Fälle zu Brustkrebs führen. In der Familie des Vaters hatte es in den letzten Generationen immer wieder Brustkrebs gegeben, weswegen die Eltern durch das PID-Verfahren dieses Risiko für ihr Kind eliminieren wollten.

So wurden von den nach der künstlichen Befruchtung entstandenen 7 Embryonen ganze 5 “aussortiert”, da sie das vermeintliche Risiko-Gen in sich trugen.

Das Thema ist komplex und sehr umstritten. Auf der einen Seite kann man mit Hilfe solcher Verfahren Menschen vor Kummer, Schmerz und Leid infolge schwerer Krankheiten bewahren. Viele oftmals genetisch bedingte Krankheiten ließen sich auf diesem Wege praktisch “ausrotten” oder “im Keim ersticken”.

Andererseits bergen solche Verfahren aber auch eine Vielzahl von Gefahren verschiedenster Art:

  1. Woher soll man wissen, dass die Gesetze nicht in Zukunft noch weiter gelockert werden und man sich irgendwann auf diese Weise Designer-Babys heranzüchten kann, ohne genetische Defekte, mit Wunsch-Haarfarbe, Gardemaß etc.?
  2. Kann man es rechtfertigen, entstehendes Leben im Keim zu ersticken, nur weil eine prozentuale Chance besteht, dass dieser Mensch evtl.(!) an einer genetisch bedingten Krankheit erkranken könnte?
  3. Und selbst bei denjenigen, bei denen sicher, also zu 100%, aufgrund eines Gen-Defekts eine Krankheit ausbrechen würde: ist das ein gerechtfertigter Grund zur vorzeitigen “Aussortierung”? Wer sagt einem, dass der daraus entstehende Mensch nicht trotz seiner Krankheit ein erfülltes, glückliches -vielleicht sogar langes- Leben führen wird?

Auf der einen Seite könnte man also eine gesündere Welt schaffen, auf der weniger Menschen -insbesondere weniger Kinder- an schweren, schmerzvollen Krankheiten leiden müssten, auf der anderen Seite müsste man dafür de facto “krankes Leben” als “weniger lebenswert” behandeln und es von vornherein “aussortieren”. Wie würdet ihr entscheiden? Würdet ihr das zulassen? Oder es kategorisch ausschließen? Oder es bis zu einer bestimmten Grenze erlauben? Und welches sind die Beweggründe für eure Entscheidung?


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