Ein echtes Schnäppchen aus dem US-Wahlkampf
Wahlkämpfe kosten Geld, sehr viel Geld. Dies ist eigentlich eine traurige Entwicklung, denn dadurch sind wahlkämpfende Politiker mehr als zuvor auf entsprechende Groß-Spenden angewiesen. Selbst wenn man als Politiker nicht bestechlich ist, macht man sich auf diese Art in gewisser Weise von bestimmten Lobbys, die einen mit Geld “versorgen”, abhängig.
Klar, die spendenden Unternehmen verknüpfen mit ihrer Spende nicht direkt Forderungen, aber klar dürfte doch sein, dass der Politiker, wenn er auch in Zukunft solche Spenden bekommen möchte -und die braucht e zwingend, um gegen die Konkurrenz entsprechende Wahlkämpfe zu führen- darf er es sich bei seinen Entscheidungen nicht mit den Spendern “verscherzen”, was natürlich zur Folge hat, dass die politische Unabhängigkeit nicht mehr vollends gegeben ist, auch wenn entsprechende gute Vorsätze noch so ehrlich vorliegen.
In Amerika ist das Problem mit den Wahlkampfkosten ungleich höher als hierzulande. Dies wird deutlich, wenn man sich ansieht, wie viele Millionen Dollar es die Präsidentschaftsanwärter kostet, um die ganzen Veranstaltungen zu führen, Hallen zu mieten, Buttons und Flyer zu drucken, Helfer zu beschäftigen, Werbespots zu schalten, in allen Bundesstaaten umherzureisen etc.
Um nach einem solchen Wahlkampf wenigstens etwas Geld in die meist leeren Kassen zu spülen, werden von den Präsidentschaftskandidaten später gerne Auktionen abgehalten, wo nicht mehr benötigte Utensilien versteigert werden. Neben vielen Möbeln waren dies diesmal auch günstige Laptops und Blackberry-Handys. Bei der vor dem Verkauf abgehaltenen Begutachtung stellten Beobachter fest, dass auf Laptops gerne martialische Account-Namen wie “WarRoom 08″ verwendet wurden
Die Veranstalter wiesen darauf hin, dass vor dem Verkauf natürlich sämtliche Festplatten gründlich gelöscht würden, man also wirklich nur auf den jeweiligen Laptop als solchen bietet. Die Dinger gingen dann für 400-600 US-Dollar über den Tresen.
Ein fast unglaubliches Schnäppchen hingegen machte ein Journalist des US-Senders FOX. Er erwarb zwei der angebotenen Blackberrys für gerade einmal 20 Dollar pro Stück! Dies allein ist ja schon nicht übel, doch noch mehr dürfte seine Freude gestiegen sein, als er die Telefone in Betrieb nahm. Anscheinend wussten die Versteigerer nicht, dass solche Blackberrys kleine Daten-Zentralen sind und somit “mehr” darstellen, als “nur” ein Mobiltelefon. Jedenfalls waren im Gegensatz zu den Laptops auf dem Blackberry noch sämtliche Informationen gespeichert! Laut der Meldung auf FoxNews.com befinden sich auf den beiden Geräten insgesamt ca. 350 Kontakt-Telefonnummern, z.B. vom Ex-Gouverneur von Virginia, als auch hunderte E-Mails von September bis wenige Tage nach der Wahl. Gerade mittels der Mails könnte sich nachträglich der interne Wahlkampf-Verlauf rekonstruieren lassen; auch sind sicherlich interessante Meinungen und Ansichten zu bestimmten Ereignissen während des Wahlkampfes dort nachzulesen.
Die Versteigerer sprachen von einem “Versehen” und wollen nun mit allen Mitteln erreichen, dass die Meldungen auf den Blackberrys nicht an die Öffentlichkeit gelangen. Dies dürfte jedoch schwierig werden. So hat ja nicht nur der FOX-Journalist zwei Blackberrys erstanden, sondern es gingen noch weitere Geräte an Dritte. Hierbei kann wohl davon ausgegangen werden, dass diese Telefone ebenfalls nicht bereinigt worden sind. Ob diese Dritten “ihre” Informationen -oder gar die Blackberry-Geräte- nicht bereits für ein Vielfaches der 20 Dollar an weitere Quellen verkauft haben, bleibt abzuwarten. Vorstellbar ist so viel Verschwiegenheit jedenfalls kaum.
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bisherige Kommentare: 206
Wow, was für eine üble Datenpanne. :S
Der Journalist und die anderen Käufer werden jetzt bestimmt Stinkreich…
Zitat: ….und wollen nun MIT ALLEN MITTELN erreichen, dass die Meldungen auf den Blackberrys nicht an die Öffentlichkeit gelangen….
oder ihnen wurde schon die Haustür vom FBI eingetreten und müssen ihr Darsein nun in irgendeinem Gefängnis fristen. Traue ich dem “Land der unbegrenzten Möglichkeiten” auf jedenfall zu.
bisherige Kommentare: 3113
Vielleicht tauchen ja ein paar der Handys wieder bei Mc Donalds auf… und wehe, da sind dann wieder irgendwelche Bilder drauf, dann war es das mit der Fast-Food-Kette