Australische Zensur lässt auf sich warten
Ende Oktober habe ich an dieser Stelle über die Pläne der Australischen Regierung berichtet, eine Firewall zu errichten bzw. ein Filtersystem bei Australischen Internet-Service-Providern zu etablieren, welches unliebsame Inhalte des Internets einfach blockiert. Das gesamte System ähnelt der Chinesischen Staatsfirewall sehr stark, so dass sich in Australien nicht nur viele Bürger nachdrücklich gegen diese Form der modernen Zensur aussprachen, sondern auch einige Internet-Service-Provider Aktionen gegen die Pläne der Regierung ins Leben riefen.
Nun sollte nach den Plänen der Australischen Regierung das “System zum Schutz der Australischen Bevölkerung” eigentlich am 24.12.08 seinen Dienst aufnehmen und mittels der ersten großen Blacklist diverse Internet-Inhalte sperren. Wie torrentfreak.com berichtet, ist bislang jedoch noch nichts in dieser Richtung geschehen. Dies widerum hat jedoch (leider) weder etwas mit einem vermeindlichen Einlenken der Regierung, noch mit einer plötzlichen Erkenntnis aufgrund der zahlreicehn Proteste zu tun. Der Grund sollte dennoch aufhorchen lassen:
Das System sei in seiner jetzigen Phase schlichtweg noch nicht reif für den Start, da es das gesamte Netz so sehr belaste, dass auch “normale” Surfer mit technischen Störungen zu rechnen hätten. Aus diesem Grund wurde der Start von der Regierung auf Mitte Januar verschoben.
Dass durch die Zwischenschaltung der Filter eine erhöhte Netzauslastung und somit eine Verlangsamung des Netzes für Australien zu befürchten sei, darauf hatten Experten bereits vor Monaten hingewiesen:
Experten gehen davon aus, dass das Verfahren bis zu 70% der australischen Bandbreite kosten könnte, was mit erheblichen Geschwindigkeitsverlusten beim Surfen einhergehen würde.
Quelle: Blog-Eintrag vom 22.10.08
Wie Laborversuche, welche im Auftrag der Australischen Regierung stattfanden, ergeben haben, soll die Verlangsamung des Surfens bei aktiviertem Filter momentan sogar bei bis zu 87% liegen! Unter diesen Umständen ist eine sinnvolle Nutzung des Internets nicht mehr möglich und die Filterung käme einer Quasi-Abschaltung des Internets in Australien gleich, so dass der dortigen Regierung anscheinend keine andere Wahl blieb, als den Start des Systems -wie bereits angesprochen- auf Mitte Januar zu verzögern.
Allerdings bleibt fraglich, ob die anscheinend vorhandenen massiven Probleme mit dem Filtersystem sich tatsächlich innerhalb von nur 2-3 Wochen beheben lassen. Gelingt dies nicht, kommt die Australische Regierung Mitte Januar in eine prekäre Situation:
Sie kann dann das Filtersystem trotz der eklatanten Verlangsamung aktivieren und somit die Nutzung des Internets in Australien fast unmöglich machen. In diesem Fall hätte die Regierung jedoch nicht nur mit sicherlich vielen erbosten Bürgern zu kämpfen, sondern könnte auch zum Ziel von Schadensersatzklagen von Unternehmen werden, die in gewissem Umfang auf das Internet angewiesen sind,
oder sie verschiebt den Start des Systems abermals, was zum einen die politische Opposition dann nutzen wird, um die unprofessionelle Handlungsunfähigkeit der Regierung anzuprangern, und was zum anderen auch gewiss Wasser auf die Mühlen der zahlreichen Kritiker am Filtersystem wäre.
Wir dürfen also gespannt sein, wie sich die Lage in Australien Mitte des kommenden Monats entwickeln wird.
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