Der Gebets-Automat
Ist euch das nicht auch schon einmal passiert? Ihr schlendert gerade gemütlich durch die Stadt und habt plötzlich das dringende Bedürfnis zu beten – aber weit und breit ist keine Kirche in Sicht. So etwas soll -wenn es nach dem Willen von Opernregisseur und Künstler Oliver Sturm geht- künftig nicht mehr vorkommen!
Wie die Netzeitung berichtet, hat der gute Mann den sog. “Gebetomat” entwickelt. Hierbei handelt es sich optisch auf den ersten Blick um einen rot gestrichenen Passbildautomaten mit schwarzem Vorhang. Im Inneren wartet jedoch keine Kamera, sondern ein Touchscreen auf die Gläubigen. Hierüber können sie sich für 0,50 Euro 5 Minuten lang Gebete und Predigten diverser Religionen und Glaubensgemeinschaften anhören:
Von christlichen Predigten über islamische Gebete, jüdische Verse, tibetanische Mönchslieder bis sogar hin zu Gebeten umstrittener Organisationen wie Scientology reicht die Palette. Selbst afrikanische Regenlieder haben es in die Auswahl geschafft!
Vorerst ist der Gebetomat nur im Karlsruher Zentrum für Kunst und Medientechnologie zu sehen. Weitere Automaten sollen in Berlin und Frankfurt aufgestellt werden.
Oliver Sturm will nach eigener Aussage durchaus mit dem Projekt provozieren:
Es ist die Kollision von intimem Gebet und der Automatisierung der Welt
Ob die Automaten deutschlandweit als Gebrauchsgegenstände aufgestellt werden oder ob es bei einigen wenigen Exemplaren als Kunstwerke bleibt, will Sturm hingegen nicht entscheiden; dieses Urteil solle vielmehr durch die Betrachter gefällt werden.
Ein kommerzieller Erfolg scheint nach diesseitiger Ansicht jedenfalls äußerst fraglich. Natürlich lassen sich Menschen gerne durch Automaten und Technik begeistern, aber ob dies auch in der Kombination mit Gebet und Glauben von der Bevölkerung angenommen wird, darf bezweifelt werden. Wie der Künstler schon selbst feststellte, kollidiert hier die eher kühle Welt der Automatentechnik mit der persönlichen, intimen Welt des Glaubens. Für ein Gebet wünscht man sich in der Regel einen möglichst ruhigen Ort der Besinnung, den man wohl kaum in einem nur unzureichend mit einem schwarzen Vorhang abgeschirmten Automaten mitten in einem Kaufhaus, auf der Straße oder an anderen öffentlichen Orten finden wird.
Interessant ist der Gedanke eines Gebetomaten dennoch. Welche anderen -skurrile oder ernstgemeinte- Automaten könnte man denn für die Zukunft noch entwerfen? Habt ihr sponaten irgendwelche Ideen zur Nutzung momentaner Marktlücken?
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bisherige Kommentare: 134
lol, die Idee als Kunstwerk finde ich genial. Es stellt einfach den Kontrast zwischen der automatisierten und der religiösen Welt dar. Aber ich glaube auch nicht an einen kommerziellen Erfolg. Als Kunstprojekt aber wie gesagt, einfach nur genial.
Ich hätte ja gerne einen Replikator, wie es ihn in diversen Scifi-Serien gibt. Jederzeit alles aus dem nichts zu erschaffen wäre schon verlockend.^^
bisherige Kommentare: 1
Also, daß ein solcher notdürftig verdeckter Automat in der Öffentlichkeit nicht als solcher angenommen wird, ist klar.
Trotzdem, als ich das erste Mal davon erfuhr, war ich sehr von der Idee angetan. Ich könnte mir sogar vorstellen, diesen im genannten Fall in einer Großstadt bei fehlenden Kirchen einmal zu nutzen. Voraussetzung wäre meiner Meinung nach aber, ihn in der Konstruktion zu verbessern, d.h., eine Tür zum Verschließen muß her (“Geh in Deine Kammer”)und ein Zeitlimit fürs Beten finde ich auch nicht ganz so gut. Die Nutzung des Computers dagegen sollte freiwillig sein. Besonders toll wäre es, wenn die christlichen Kirchen sich auf ein Modell einigen und es dann auch anbieten könnten. Ich denke, dabei sollten dann auch keine falschen Kompromisse gemacht werden, also nur christliche Gebete und schallgeschützte Wände für die nötige Intimsphäre. Das wäre bestimmt eine sehr überlegendswerte und gute Sache!