USA: Sammelklage gegen Kopierschutz SecuROM

Bei vielen PC-Spielen ist es inzwischen üblich, dass diese vom Hersteller mit einem Kopierschutz ausgeliefert werden, um so Raubkopien ihrer Spiele zu vermeiden. Jedoch werden diese Kopierschutzmechanismen der Industrie meist nach kurzer Zeit bereits geknackt oder ausgehebelt, so dass entsprechende kopierschutzfreie Versionen der Spiele rechtzügig auf einschlägigen Seiten zum illegalen Download angeboten werden.

Dementsprechend sind die Hersteller bemüht, immer “härtere” Kopierschutzmechanismen zu entwickeln, da sie der Ansicht sind, nur auf diese Weise Herr gegen die Raubkopien werden zu können. Die Auswüchse solcher fortentwickelten Kopierschutzmechanismen indes sind enorm: so nistet sich einer der bekanntesten Kopierschutzmechanismen -genannt SecuROM- inzwischen sehr tief in das jeweilige System ein und lässt sich von dort auch nicht mehr ohne weitere Probleme entfernen. Ähnlichkeiten zu Viren bzw. Rootkits sind durchaus gegeben.

Dagegen wollen sich in den Vereinigten Staaten nun laut Golem einige betroffene User zur Wehr setzen. Sie haben vor Gericht Klage gegen den Spielehersteller ElectronicArts (EA) eingereicht, da sie Spiele von EA installiert haben, welche mit SecuROM “gesichert” wurden. Die Klagen sind als Sammelklagen verfasst; sollte das Gericht die Klagen als Sammelklagen annehmen, könnten noch weitere betroffene der Klage gegen EA hinzutreten. Im speziellen wird EA vor allem folgendes vorgeworfen:

Während der Installation der Spiele wird -ohne das auf der Packung oder während der Installation darauf hingewiesen wird- SecuROM installiert, welches sich, wie bereits beschrieben, tief im System einnistet. SecuROM sperrt von da an den Start gewisser Programme und Treiber, die auch -aber eben nicht nur- zum illegalen Kopieren von Software verwendet werden könnten. Betroffen sind z.B. Emulatoren für virtuelle CD-/DVD-Laufwerke. Wer ein solches Programm nutzt, um beispielsweise sein reales Laufwerk vor Verschleiss zu schonen, oder um die bei virtuellen Laufwerken oft höheren Datenratendurchsätze zum Minimieren von Ladezeiten zu nutzen, oder wer damit einfach die durchaus vorhandenen, legalen ISO-Dateien aus dem Internet nutzen will, der wird von SecuROM mitunter eiskalt erwischt und zum potentiellen Raubkopierer abgestempelt.

Eine Klägerin hatte nach der Installation Probleme mit externen Laufwrken und ihrem iPod – alle wurden nur noch als leer angezeigt, obwohl sich tatsächlich diverse Daten auf den Laufwerken befanden.

Problematisch ist insofern, dass sich durch die Deinstallation des Spiels nichts mehr an der Sachlage ändert, da SecuROM auch danach auf dem System vorhanden bleibt. Eine Deinstallation ist nicht vorgesehen! Vorliegend blieb der Klägerin also nichts anderes übrig, als die Festplatte zu formatieren und das System komplett neu aufzusetzen – diesmal natürlich ohne Installation des EA-Spiels.

Bei den Klagen handelt es sich -soweit bereits Streitwerte festgelegt wurden- um Klagen im Bereich von mehreren Millionen Dollar Schadenersatz, so wie dies in derartigen Fällen in den USA durchaus als üblich erachtet werden darf.

Generell muss die Entwicklung bei Kopierschutzmechanismen als kritisch bewertet werden. Wenn solche Programme so tief ins System eingreifen, dass Teile der legalen PC-Nutzung danach nicht mehr möglich sind, dann schießt der Kopierschutz definitiv über das Ziel hinaus. Überdies ist es in der Vergangenheit bereits zu Fällen gekommen, wo der Kopierschutz bei einigen Anwendern so hart eingegriffen hat, dass ironischerweise das zu schützende Spiel selbst nicht mehr auf dem betroffenen PC gestartet werden konnte.

Gegen SecuROM & Co. spricht auch, dass sich die Programme nach einmaliger Installation nicht mehr ohne Probleme vom Rechner entfernen lassen, die damit einhergehenden Beeinträchtigungen also von dauerhafter Natur sind. Hinzu kommt, dass selbst diese Mechanismen zumeist in kurzer Zeit ausgehebelt sind und entsprechend kopierschutzfreie Versionen im Internet heruntergeladen werden können, so dass im Endeffekt die eigentliche Zielgruppe -nämlich die Raubkopierer- nicht von den Programmen betroffen sind und es eher diejenigen (be)trifft, die das Spiel legal erwerben und installieren.

Dennoch darf bezweifelt werden, dass sich nach den oben angesprochenen Klagen etwas an der Entwicklung solcher Mechanismen ändern wird. Vielmehr steht zu erwarten, dass zukünftig auf den Packungen der Spiele irgendwo mehr oder weniger versteckt ein Hinweis befinden muss, der auf den vorhandenen Kopierschutz und seine Auswirkungen aufmerksam macht, ähnlich wie es z.B. bei Handbüchern immer mit den Epilepsie-Warnungen bereits der Fall ist.


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