Die Zweit-Mail

Gelegentlich kommt es zu Situationen, da muss man sich einfach verwundert an den Kopf fassen. Neulich war es bei mir mal wieder so weit. Beim ziellosen Surfen durch das Internet stieß ich bei der PC-Welt (Link zum Artikel entfernt, da nicht mehr gültig) auf einen Artikel mit folgender Überschrift:

BITKOM: “Zweite Mail-Adresse hält privates Postfach frei von Werbung”

Hui, denkt man sich da, das ist ja mal eine Erkenntnis des Branchenverbands BITKOM, auf die man nie im Leben von allein gekommen wäre :D

Im weiteren Verlauf des Artikels wird dann noch kurz die Argumentation der BITKOM dargestellt:

Gerade bei kostenlosen Diensten laufe der Nutzer Gefahr, mit Spam- oder sogar Phishing-E-Mails überschüttet zu werden. Gehen diese im Zweit-Postfach ein, bleibe das erste frei für Mails von Geschäftspartnern und Bekannten.

Mensch, da hatten wir ja Glück, dass uns das jetzt noch genauer erläutert wurde, sonst hätte ich den Sinn einer Zweit-Mail sicherlich niemals verstanden.

Ganz ehrlich: nachdem ich diese Zeilen des besagten Artikels gelesen hatte, fragte ich mich, was den Autor der PC-Welt wohl geritten hatte, einer solchen Banalität einen eigenen Artikel zu spendieren. Kurz davor, den Artikel links liegen zu lassen und den entsprechenden Tab zu schließen, überflog mein Auge noch die nächsten Zeilen des Artikels… und das war dann der Zeitpunkt, an dem ich mir verblüfft an den Kopf fassen musste:

Dort war dann zu lesen, dass eine repräsentative Umfrage im Auftrag der BITKOM ergeben hatte, dass nur 32% der Internet-Nutzer in Deutschland zwei oder mehr E-Mail-Adressen haben, 56% hingegen haben nur eine einzige und immerhin 13% der Internetnutzer in Deutschland haben gar keine Mail-Adresse!

Zum einen überrascht es doch sehr, dass immerhin 13% der User das Internet nutzen, gleichzeitig aber keine E-Mail-Adresse haben. Bislang ging ich davon aus, dass beides eigentlich irgendwie zusammengehört – abgesehen davon, dass E-Mails eine mehr als praktische Sache sind ;)

Zum anderen war ich jedoch auch erstaunt darüber, dass tatsächlich über die Hälfte der Internetnutzer nur über eine einzige Mail-Adresse verfügen. Unter diesen Umständen -so musste ich eingestehen- machte der Artikel der PC-Welt dann natürlich doch gleich viel mehr Sinn.

Dennoch verbleibt bei mir ein Gefühl der Verwunderung. Ich habe mal kurz überschlagen, dass sich bei mir im Laufe der Zeit sicherlich ein Dutzend Mail-Adressen angesammelt hat, von denen ich 3-4 regelmäßig nutze. Diese sind miteinander verbunden: Account A holt also z.B. die Mails von Account B ab und der widerum hat vorher die Post bei Account C abgerufen. So werden gleichzeitig noch verschiedene Spam-Filter diverser Mail-Anbieter durchlaufen, was mein Spam-Aufkommen in absolut erträglichem Rahmen hält. Dass eine eigentlich “gute” Mail in diesem Mehrfach-Spam-Filter hängengeblieben ist, ist mir in all den Jahren erst zweimal passiert.

Obwohl ich damals ohne großartiges Hintergrundwissen das “Abenteuer Internet” begonnen hatte, habe ich ziemlich schnell gemerkt, dass es praktisch ist, mehrere E-Mail-Adressen zu besitzen. Dementsprechend habe ich mir auch mehrere bei verschiedenen Anbietern zugelegt – teilweise auch einfach nur, um die unterschiedlichen Anbieter und ihre kostenlosen Angebote zu testen. Bisher bin ich davon ausgegangen, dass dies (fast) alle Internet-User so in ihrer Anfangszeit gehandhabt haben. Wie ich nun gelernt habe, ist dies aber wohl nur bei gut einem Drittel der Leute so.

Da frage ich mich doch, wie es wohl bei der Leserschaft dieses Blogs aussieht: hättet ihr gedacht, dass die Zahl der Leute, die mehr als eine Mail-Adresse haben, doch so gering ist? Wie viele Mail-Adressen habt ihr? Und wie viele davon nutzt ihr auch halbwegs regelmäßig? ;)


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